DFB-Vize über Löw "Entscheidung muss zügig fallen"

Soll er gehen, wie es die Mehrheit der Deutschen will? Oder bleiben, wie es sich der Deutsche Fußball-Bund wünscht? Wie auch immer: Die berufliche Zukunft von Joachim Löw soll zeitnah geklärt werden.

Joachim Löw nach der Rückkehr nach Deutschland
AFP

Joachim Löw nach der Rückkehr nach Deutschland


Vor der Woche der Wahrheit nahm sich Joachim Löw eine "Auszeit". In einem gleichnamigen Café in Freiburg besprach der Bundestrainer nach der WM-Blamage mit Freunden am Wochenende wohl auch seine Zukunft.

Löw kann ohne den großen Druck entscheiden, sein Job ist schließlich sicher: Denn trotz der krachend gescheiterten Titelmission in Russland hat sich das DFB-Präsidium in einer Telefonkonferenz schnell und einstimmig für eine Fortführung des bis 2022 datierten Vertrags ausgesprochen.

Löw ist jetzt am Zug. Der einzige Wunsch der Verantwortlichen ist eine rasche Entscheidung. "Wir haben mit ihm besprochen, dass die Entscheidung zügig fallen muss. Er sieht das genau so", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Eine Erklärung des Bundestrainers wird in den nächsten Tagen erwartet - wie sie ausfallen wird, davon hat Koch klare Vorstellungen: "Wir setzen darauf, dass er erklärt, weiterzumachen."

Viel Rückendeckung für den Trainer

Unterdessen erhält der Weltmeistercoach weiterhin viel Rückendeckung. Seinen Rücktritt hat zumindest öffentlich noch kein Spieler, Verantwortlicher oder Experte gefordert, auch wenn Umfragen zufolge eine Mehrheit der Deutschen einen Rücktritt richtig fände. "Wir Spieler waren und sind in der Pflicht. Wir standen auf dem Spielfeld. Der Trainer hat uns klare Worte und Anweisungen mitgegeben, die wir nicht umgesetzt bekommen haben", sagte Jérôme Boateng der "Welt am Sonntag".

Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder gehört zu denen, die ohnehin keinen geeigneten Nachfolger sehen. "Da bin ich relativ blank, so wie wahrscheinlich alle anderen auch", sagte er im Gespräch mit Sky Sport News HD.

Dieser Fakt wird Löw in seiner Entscheidung aber angeblich nicht beeinflussen: Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert ein "langjährigen Vertrauten" Löws, der es für "wahrscheinlicher" hält, "dass Jogi aufhört, als dass er weitermacht". Doch einen Anhaltspunkt dafür gibt es nicht. DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht "keine Anzeichen", dass Löw zurücktreten könnte.

him/SID



insgesamt 44 Beiträge
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C.Rainers 01.07.2018
1. Wie Merkel
man hat sich auf dessen Art und Ton so leid geschaut und gehört. Diese bräsige Tonlage paßt zur Leistung. Ich meine die Grundlage der Weltmeisterelf hat ja wohl Klnsmann gelegt und Löw hat aus einem Pool guter Fußballer schöpfen können. Also ein Sahneabschöpfer aber keiner der die Grundlagen legt.
gruenerwaldgeist 01.07.2018
2. Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns.
Ich schaue kein Fußball, insofern könnte es mir völlig egal sein, ob Löw bleibt oder geht. Dennoch wurmt es mich, dass wir Menschen mit Erfolg lobpreisen, und bei Misserfolg vierteilen. Die Entscheidung, ob Löw bleibt oder nicht, sollte deshalb alleine daran orientiert sein, ob man ihm (und ob er sich) zutraut, dass er es das nächste Mal wieder besser hinbekommt. Ein Vorrunden-Aus mag peinlich sein, aber das ist ja wohl auch schon anderen ehemaligen Weltmeistern passiert. Eine Kultur, in dem auch Scheitern akzeptiert wird, würde diesem Land gut tun. Und nicht nur im Sport.
hajueberlin 01.07.2018
3. Ich gehöre auch zu denen,
die hoffen, dass er aufhört. Als Trainer muss man auch ein Leader sein. Das kann ich bei ihm nicht erkennen. Als die Mannschaft 2014 Champion wurde, habe ich gesagt, dass sie es nicht wegen ihm, sondern trotz ihm geworden ist. Nun, da offensichtlich keine Leader mehr in der Mannschaft sind (nichtsdestotrotz aber viele exzellente Fußballer), zeigt sich, was er kann. Nichts. Wie gesagt, es gibt einige, die das besser können. Mehr aus solch einer Mannschaft rausholen. Ich glaube aber nicht, dass er aufhören wird. Sein Vertrag ist einfach zu gut dotiert. Wird schwer, so einen Vertrag woanders zu bekommen, nun, da sein Renommee dahin ist. Wer mit solchen Spielern (plus die nicht mitgenommenen) in der Vorrunde ausscheidet, ist kein guter Trainer.
cptlars 01.07.2018
4. Ich denke
Löw sollte bleiben und weiter machen. Er hat immerhin verdammt viel für den deutschen Fußball getan. Immerhin sind es ja auch die Spieler die da auf dem Feld stehen und nix gebacken kriegen. Spieler wie khedira und özil haben leider die besten Tage hinter sich und sollten dann auch gehen und den Platz für die jungen willigen Spieler frei machen
reminder99 01.07.2018
5. @gruenwaldgeist #2
Ich gebe Ihnen grundsätzlich Recht dass "jeder mal scheitern darf". Hier liegt das Problem jedoch viel tiefer: ich wettere gegen Löw seit der WM 2010. Da würde nämlich bereits deutlich, dass persönliche Animositäten und "Schnauze halten, kuschen, Schwanz einziehen" bei Löw mehr Gewicht haben als tatsächliche Leistung. Seitdem war in jedem Turnier immer das selbe Schema zu sehen: persönliche Lieblinge und "Ja-Sager" nominiert, egal wie miserabel die Verfassung auch war, und leistungsstarke Spieler dafür Zuhause gelassen bzw. noch nicht einmal nominiert. Bemerkenswerter Weise oftmals bist Spielertypen, die auch mal den Mund aufmachen, Widerworte geben oder ihre eigene Meinung haben und auch dazu stehen, sprich sich den Mund nicht verbieten lassen. Genau deshalb muss Löw endlich weg und es ist erbärmlich für den DFB dass man ihn nicht längst rausgeschmissen hat
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