Zurückgetretener Nationalspieler Löw übt scharfe Kritik an Wagner

Bundestrainer Löw hat sich zu den Vorwürfen von Sandro Wagner geäußert - und das wenig diplomatisch: Der zurückgetretene Nationalspieler stelle manche Kollegen dar, "als wären sie ausgemachte Vollidioten".

Joachim Löw (l.), Sandro Wagner
AFP

Joachim Löw (l.), Sandro Wagner


Bundestrainer Joachim Löw hat sich zu den Aussagen des zurückgetretenen Nationalspielers Sandro Wagner geäußert. "Ich empfinde es als Kritik gegenüber seinen Kollegen, die auch spielen. Er stellt manche dar, die bei uns schon ewig spielen, die zu den Führungsspielern gehören, als wären sie ausgemachte Vollidioten", sagte Löw auf einer Veranstaltung der "Bild"-Zeitung:

Löw äußerte neben der Kritik auch Verständnis für Wagner. "Ich kann natürlich auch ein Stück weit nachvollziehen, dass er enttäuscht ist", sagte Löw "Sky Sport News HD". Allerdings wies er den Vorwurf, nur stille Spieler zu nominieren, zurück: "Als ob sie nur deswegen bei uns sind, weil sie nicht ihre Meinung sagen." Dies sei nicht der Fall: "Jeder, der uns kennt, weiß, dass wir die Spieler anhalten, ihre Meinung zu sagen und offen und ehrlich zu sein."

Wagner war nach seiner ausgebliebenen Nominierung für die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) zurückgetreten. Er erhob indirekt den Vorwurf, Löw akzeptiere nur Ja-Sager. "Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse", hatte Wagner der "Bild"-Zeitung gesagt.

"Er hatte den großen Traum, eine WM zu spielen"

Wagners Noch-Vereinstrainer Jupp Heynckes hält den Rücktritt des Bayern-Angreifers für einen Fehler. "Ich denke, er hat zu voreilig emotional reagiert. Ich hätte es lieber anders gesehen, aber es ist seine persönliche Entscheidung, die muss man respektieren", sagte Heynckes.

Heynckes lobte Wagner jedoch auch: Er habe sich in München "wunderbar integriert. Er ist total engagiert, sehr ehrgeizig und morgens der erste Spieler an der Säbener Straße. Er hatte zwei Träume: Zu seinem Heimatverein zurückzukommen und in einer Mannschaft, die großartige Fußballer hat, Fuß zu fassen. Das hat er erreicht. Und er hatte den großen Traum, eine WM zu spielen."

Mitspieler Mats Hummels zeigte Verständnis für Wagners Frust. "Wenn die Enttäuschung für einen kurzen Zeitraum überhand nimmt, ist das sehr menschlich", sagte er. "Wir haben ihn getröstet, weil wir ihn als Typen mögen. Er spielt eine vorbildliche Rolle und gibt immer Gas."

bka/sid



insgesamt 212 Beiträge
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ProbeersEinfach 18.05.2018
1.
Sehr unsouveräne Antwort von Löw. Generell sind seine Entscheidungen in letzter Zeit sehr undurchdacht, bzw. man hat den Eindruck, dass andere Leute die "Mannschaft" aufstellen. Für Özil gibt es sportlich keinerlei Rechtfertigung und mit dem skandalösen Auftritt bei Erdogan auch als Integrationsfigur gänzlich ungeeignet. Es gibt viele Türken die ihn deswegen wie die Pest hassen. Ein Can hat vorgemacht wie man es macht, höflich die Einladung ausschlagen. Rückgrat braucht man aber dafür, und das fehlt natürlich bei vielen.
dirtygary 18.05.2018
2. Petersen ist auch engagiert im Training
Hat allerdings bei einem Abstiegskandidaten 3 Tore mehr geknipst als Wagner mit Luxusmittelfeld. Daran muss man sich eben als PROFI messen lassen. Wagner ist ein Topstürmer, Petersen aber eben auch!
gnarze 18.05.2018
3. Wenn er meint...
...also mir fallen gerade spontan zwei Spieler ein, auf die der löwsche Ausdruck durchaus passen würde. Die haben aber die gleichen Berater wie der Bundestrainer(inkl. Familienanschluss), und es passiert - außer einem lahmen "DuDu" ....................... gar nichts. Außerdem scheint Wagner wohl durchaus einen Nerv getroffen zu haben, wenn der ansonsten so diplomatische Bundestrainer in dieser Form zurückschießt - was vermutlich mit dem öffentlichen Druck wegen den o.g. Spielern in Zusammenhang steht.
dape123 18.05.2018
4. Dankbar und Froh
Wir können Jögi Löw alle dankbar sein. Hätte Sandro Wagner mitgespielt, hätte ich grundsätzlich für den Gegner gehalten. Seine mehr als unsympathische Art geht mir schon seit langem auf den Zeiger.
womo88 18.05.2018
5. Herr Löw könnte den Ball auch mal flach halten
Ich weiß ers nicht, aber ich denke, dass in der Nationalmannschaft genügend erwachsene Spieler spielen, die keinen Herrn Löw brauchen, der für sie spricht. Die können sicher auch für sich selbst sprechen. Indem Herr Löw das nun - sicher ungefragt - selbst übernimmt, macht er diese erwachsenen Nationalspieler ja erst zu Deppen, die sich nicht selbst verteidigen können, sondern den großen Papa Löw brauchen, der sie verteidigt. Na gut, aber die hellste Kerze am Leuchter ist Herr Löw ja auch nicht.
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