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Weltmeister-Trainer Löw: Das högschde der Gefühle

Aus Rio de Janeiro berichten und

Neuer, Götze, Schweinsteiger: alle Weltklasse, ja klar. Aber der wahre Vater des deutschen WM-Triumphs ist Joachim Löw. Der Bundestrainer stand wegen seines Führungs- und Fußballstils in der Kritik - dabei verfolgte er einen langfristigen Plan.

AP/dpa

SPIEGEL ONLINE Fußball
Zehn Jahre sind im Profifußball eine Ewigkeit. In so ein Zehnteljahrhundert passen mehrere Fußballergenerationen auf einmal, das Spiel einer Mannschaft und sogar die Paradigmen des gesamten Sports können sich in dieser Zeit komplett ändern. Und aus einem ungeliebten Trainer eines mittelmäßigen Vereinsteams kann ein Weltmeister werden.

2004, vor genau zehn Jahren, wurde Joachim Löw beim österreichischen Erstligisten Austria Wien entlassen. Sechs Monate später wurde er Assistent des damaligen Nationalcoachs Jürgen Klinsmann. Ohne dass es zu dem Zeitpunkt jemand ahnte: Es war der Anfang von etwas Großem. Etwas, das an diesem 13. Juli 2014 im WM-Sieg gegen Argentinien gipfelte.

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Wie er in der Stunde seines Karrierehöhepunkts über den Rauswurf in Wien denke, wollte ein Journalist aus Österreich von Löw wissen. Die Antwort des Bundestrainers: "Das war mein größtes Glück, sonst wäre ich heute nicht hier." Löw hatte an diesem Abend in Rio de Janeiro gute Gründe, selbstbewusst und zufrieden aufzutreten; in Anbetracht all der Kritik, die er in den vergangenen Jahren über sich hatte ergehen lassen müssen, war etwas Genugtuung nur gerecht.

Aber das schien für Löw keine Rolle zu spielen. Er war zwar erleichtert, doch es gab keinen Seitenhieb gegen die ständigen Nörgler, kein "Seht ihr!" Es war, als habe Löw spätestens seit seinem Amtsantritt 2006 gespürt, dass dieser Moment kommen würde - und nun genoss er ihn in vollen Zügen.

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Joachim Löw, der Weltmeistertrainer: Schon kurz nach dem Ende des Turniers in Brasilien klingt dieses Attribut so logisch und vertraut. Dabei hatten bis zu diesem furiosen Halbfinale gegen Brasilien, in dem Deutschland sieben Tore schoss, etliche daran gezweifelt, dass eben jener Löw in der Lage sei, die DFB-Elf zum Titel zu führen. Als zu weich und zu starrköpfig zugleich wurde er beschimpft, eine große deutsche Tageszeitung schrieb, die Mannschaft habe es ins Halbfinale geschafft - "trotz Löw". Das ist nicht einmal eine Woche her.

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Erfolg verändert das Gesicht und das Ansehen eines Menschen in der Öffentlichkeit. Löw erlebte das in den vergangenen Jahren in aller Schärfe. Wie jubelte die Fußballwelt über das Sommermärchen 2006, über das berauschende, mutige Spiel der Deutschen bei der Weltmeisterschaft 2010! Doch dann kamen die EM 2012, das vercoachte 1:2 gegen Italien, die Diskussion um mangelnde Härte und Hierarchie im Team, das gegenwehrlose 4:4 gegen Schweden. Löw verlor seinen Nimbus. Er galt fortan als nicht mehr gut genug. Sein Führungsstil, sein Fußball, seine Art zu reden: Mit nichts konnte er es den Deutschen mehr recht machen.

Die verkorkste WM-Vorbereitung in Südtirol passte in dieses Bild, das die Öffentlichkeit von Löw und seinem Team hatte. Das werde eh nichts, hieß es von allen Seiten. Jeder spekulierte darüber, ob Löw nach dem Turnier zurücktreten werde. Er selbst aber ließ sich nicht abbringen von seinem Kurs und zog sich stattdessen weiter zurück als bei früheren Turnieren. Gemeinsam mit seinem Co-Trainer Hans Dieter Flick und dem Chefscout Urs Siegenthaler tüftelte er an einem Plan für diese WM, der das anstrengende Klima, die Leistungsstärke von Ersatzspielern und die Wichtigkeit von Standardsituationen berücksichtigte.

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Heraus kam das, was in den vergangenen Wochen so oft als neuer Pragmatismus beschrieben wurde, als Abkehr vom schönen Spiel zugunsten der Effizienz und des Erfolgs. Es war Löws Bruch mit vielen seiner Ideale. Der Trainer schaffte in den wenigen Vorbereitungswochen vor der WM etwas, das er in den vorherigen fast zehn Jahren niemals wirklich umsetzen konnte oder wollte: seiner Mannschaft eine solide Defensivordnung zu verpassen. Vier Innenverteidiger, zwei defensive Mittelfeldspieler, größere Absicherungen bei eigenen Eckbällen. Man kann das als Entwicklung der Löw'schen Persönlichkeit bezeichnet, als Lernen aus all den Dramen der vorherigen Turniere.

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Diese DFB-Elf war fußballerisch in Brasilien vielleicht nicht immer die ansehnlichste Mannschaft, aber sie war über vier Wochen die cleverste. Das ist das Verdienst von Joachim Löw, der diesen Titel mit viel Beharrlichkeit und Reflektion errungen hat. "Wir sind jetzt seit 55 Tagen zusammen, aber das Projekt hat schon vor vielen Jahren begonnen. Über all diese Jahre haben wir uns kontinuierlich gesteigert und trotz Niederlagen immer kleine Schritte nach vorne gemacht", sagte Löw.

Keiner sprach am Abend dieses Finales mehr darüber, ob der Bundestrainer nun zurücktreten werde, auch die Nachfolge des scheidenden Hans-Dieter Flick war kein Thema. Aus Mannschaftskreisen hört man, Löw wolle noch ein bisschen weitermachen, auch DFB-Manager Oliver Bierhoff geht davon aus. Und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sogar schon eine ungefähre Vorstellung, wie lange: "Was noch mehr geht als die Weltmeisterschaft? Der EM-Titel in zwei Jahren", sagte er. "Das hat bislang nur Helmut Schön geschafft."

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Rafael Buschmann ist Redakteur im Sportressort des SPIEGEL.

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insgesamt 307 Beiträge
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1. Reifeprozess
Heigoto 14.07.2014
Es ist offensichtlich, dass Jogi Löw seit 2006 und 2010 einen Reifeprozess durchgemacht hat, der die Ursache für den aktuellen Erfolg 2014 ist.
2. Super Jogi!
sappelkopp 14.07.2014
Zitat von sysopAP/dpaNeuer, Götze, Schweinsteiger: alle Weltklasse, ja klar. Aber der wahre Vater des deutschen WM-Triumphs ist Joachim Löw. Der Bundestrainer stand wegen seines Führungs- und Fußballstils in der Kritik - dabei verfolgte er einen langfristigen Plan. http://www.spiegel.de/sport/fussball/joachim-loew-so-brachte-er-deutschland-zum-weltmeister-titel-a-980866.html
Klasse, er hat es allen gezeigt!
3.
Immanuel_Goldstein 14.07.2014
Zitat von sysopAP/dpaNeuer, Götze, Schweinsteiger: alle Weltklasse, ja klar. Aber der wahre Vater des deutschen WM-Triumphs ist Joachim Löw. Der Bundestrainer stand wegen seines Führungs- und Fußballstils in der Kritik - dabei verfolgte er einen langfristigen Plan. http://www.spiegel.de/sport/fussball/joachim-loew-so-brachte-er-deutschland-zum-weltmeister-titel-a-980866.html
Ich gehe davon aus, dass Löw mit seiner Mannschaft weiter machen wird und bei der EM in Frankreich den Titel angreift. Und dann geht es an die Titelverteidigung 2018 in Russland. Dann ist Neuer 32, Boateng und Hummels 30, Draxler 24, Götze 26, Kroos 28, Thomas Müller und Özil 29 und Schürrle 28. Dazu kommen die Jungen wie Volland, Can, Leno, ter Stegen, Durm, Mustafi, Ginter etc. Leute, da ist schon noch etwas drin.
4. Eines gebe ich zu:
hauptsache_dagegen 14.07.2014
Ich freue mich tatsächlich ein wenig, wenn ich an die Gefühlswelt der Löw-Hater angesichts dieser Artikel denke. Es tut so gut, wenn die Unsympathen falsch liegen :)
5. VfB-Trainer
Walther Kempinski 14.07.2014
Wer mit dem VfB Pokalsieger wird, kann als Trainer nicht komplett schlecht sein. Leider stellte der VfB Nationalspieler nur für andere Länder wie zB Ibisevic für Bosnien. Dennoch hatte Jogi auch Glück, dass Mustafi verletzt ausfiel und er erst daraufhin korrigiert hat. Das war ein Eingreifen der Götter. Ob Jogi auch ohne dessen Verletzung Lahm auf die Außenbahn genommen hätte? Ebenso behielt er Klose zu lange auf dem Feld, der im Finale da vorne nur noch geschwommen ist. Götze hätte ich das Siegtor zwar auch nicht zugetraut, jedoch musste da eine Veränderung her. Immerhin in der Verlängerung hat er es gemacht.
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2022 Katar ???
2018 Russland ???
2014 Brasilien Deutschland
2010 Südafrika Spanien
2006 Deutschland Italien
2002 Japan und Südkorea Brasilien
1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
1958 Schweden Brasilien
1954 Schweiz Deutschland
1950 Brasilien Uruguay
1938 Frankreich Italien
1934 Italien Italien
1930 Uruguay Uruguay
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