Deutschlands Confed-Cup-Kader Hier spielt die Ersatzbank

Am Mittwoch gibt der DFB das Aufgebot für den ungeliebten Confed Cup bekannt. Zahlreiche Stars werden bei dem Turnier geschont, und selbst der Nachwuchs wird woanders gebraucht.

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Der Confed Cup in Russland: Sportlich höchst umstritten, dazu ausgerichtet von einem Land, das massiv in der Kritik steht. Es hat schon Fußballturniere mit größerer Vorfreude gegeben. Und das DFB-Team ist als Weltmeister zwar qualifiziert, aber bei der vielleicht letzten Ausrichtung dieser Veranstaltung auch nur mit halbem Herzen dabei.

Bei der Nationalmannschaft ist man vor der Reise nach Russland im Juni selbst noch unschlüssig, wie der Confed Cup beurteilt werden sollte: Ein ernstzunehmender Härtetest für die WM im kommenden Jahr oder eher eine Talentprobe für den einen oder anderen jungen Spieler unter Realbedingungen? Oder doch ein Termin für die Quartiermacher des DFB, die vor Ort die Matratzen der Hotelbetten testen können.

Die Zerrissenheit des DFB wird man am Mittwoch gespiegelt sehen, wenn Bundestrainer Joachim Löw den Kader für das Turnier bekannt gibt - und gleichzeitig auch das Aufgebot für die parallel stattfindende U21-EM verkündet wird. Was die Personalauswahl für Löw eher noch erschwert.

"Die Erfahrenen brauchen den Confed Cup nicht mehr"

Der Bundestrainer hat früh angekündigt, zahlreiche seiner Weltmeister von 2014 zu schonen und ihnen lieber einen ausgedehnten Urlaub zu gönnen als eine Partie gegen Chile in Kasan. "Die Erfahrenen brauchen die Erfahrung Confed Cup nicht mehr", begründet Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Das heißt: Jérôme Boateng, Toni Kroos, Mesut Özil, Thomas Müller, Sami Khedira, Mats Hummels und Benedikt Höwedes sind bei der Kadernominierung schon einmal außen vor. Dazu kommen die verletzten oder kranken Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, Julian Weigl und Mario Götze. Da bleibt vom Gerüst der Mannschaft nicht mehr viel übrig.

Julian Draxler, Jonas Hector oder Mario Gomez heißen demnach die Spieler, die für das Turnier in die erste Reihe der Leistungsträger nachrücken. Auch Dortmunds Marco Reus könnte dazu gehören, obwohl weder der BVB noch der Spieler selbst große Neigungen auf diese Reise verspüren. Reus hat wegen Verletzungen zwei wichtige Turniere verpasst. Dass ihn eine Confed-Cup-Teilnahme als Kompensation groß weiterbringt, kann man sich nicht vorstellen.

Es bliebe also die Option, dass Löw sich aus dem Füllhorn der bereits in der Bundesliga gestählten U21-Talente bedienen könnte - wenn man nicht parallel bei der EM des Nachwuchsteams planen würde, auch gut abzuschneiden.

Soll man die U21-EM abschenken?

Also entweder die U21-EM abschenken und die besten Jungstars mit nach Russland nehmen oder versuchen, bei der Europameisterschaft den Titel zu holen und dafür den Confed-Cup-Kader mehr oder weniger zur Farce werden lassen - vor dieser Entscheidung steht der DFB mit der Kaderbekanntgabe. Die U21-EM ist zudem das erste große Turnier des neuen Verantwortlichen Stefan Kuntz: Ihn mit einer für die A-Mannschaft gefledderten Rumpftruppe ohne große Titelaussichten nach Polen zu senden, wäre auch eine Desavouierung des neuen Coachs.

"Über allem steht die WM 2018. Den WM-Titel zu verteidigen, das ist mein und unser aller Ziel", sagt Löw. Aber welcher Weg dahin der Beste ist, das ist fraglich. 15 Spieler, die schon die Nationalmannschaft kennengelernt haben, wären auch bei der U21 spielberechtigt. Daraus einen ausgewogenen Mix zu erstellen, ist eine echte Bastelaufgabe.

Die Leverkusener Jonathan Tah und Benjamin Henrichs in der Abwehr gemeinsam mit dem künftigen Bayern-Spieler Niklas Süle und seinem baldigen Teamkollegen Joshua Kimmich, Liverpools Emre Can im Mittelfeld, Leipzigs Angreifer Timo Werner, City-Stürmer Leroy Sané, Ajax-Profi Amin Younes und Werders Serge Gnabry vorn - daraus könnte man schon eine hochinteressante Nationalelf zusammenstellen. Andererseits wären dies genau die Spieler, auf die Kuntz seine EM-Ambitionen setzen würde.

Die DFB-Elf hat die WM-Teilnahme schon so gut wie sicher, die Gegner in der Qualifikation sind zu schwach, um den Weltmeister zu fordern. Der Confed Cup wäre daher die einzige richtige Standortbestimmung, bevor es im nächsten Jahr ernst wird. Aber er droht zu einer wertlosen Pflichtübung zu verkommen.



insgesamt 32 Beiträge
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Steve1982 16.05.2017
1. Dann ist es eben so
Dann wird es eben eine Farce Punkt wirklich wichtig ist der Wettbewerb nicht. Wenngleich ich mir sicher bin, dass es genug Spieler gibt die älter als 21 sind und und trotzdem sehr leistungsstark. Man nimmt einfach die Spieler, die bisher bei Länderspielen immer durchs Raster gefallen sind. Wie wäre es übrigens auch mal wieder mit Rene Adler?
ackergold 16.05.2017
2.
Die U21-EM ist weit wichtiger, als der Confed-Cup, denn dort spielen die besten Jungspieler des Kontinents und von denen sollen ein paar nächstes Jahr die WM gewinnen, wo auch immer sie letztlich stattfinden wird. Den Confed-Cup, der nur Putins Prestige wieder herstellen soll, kann man getrost abschenken. An den Gewinner erinnert sich 3 Tage später sowieso niemand mehr.
team_frusciante 16.05.2017
3.
Ja, schade, dass die Deutschen sich immer zu schade sind für dieses Turnier. Das Turnier sei wertlos, heißt es, dabei ist es nur diese Einstellung, die an seinem Wert kratzt.
blurps11 16.05.2017
4.
Nebenbei findet auch noch die U20-WM statt, das wichtigste Nachwuchsturnier der FIFA.
spmc-125536125024537 16.05.2017
5. Den letzten CONFED Cup gewann Brasilien
und galt danach - vor allem im eigenen Lande - als erster Titelanwärter. Im Turnier haben sie sich dann mehr schlecht als recht ins HF gequält, der Rest ist Geschichte. Soviel zum sportlichen Wert des Wettbewerbs. Die U-Weltmeisterschaften sind viel wichtiger.
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