Bundestrainer Löw über WM-Debakel "Das war fast schon arrogant"

Zwei Monate nach dem historischen WM-Scheitern hat sich Bundestrainer Joachim Löw erstmals öffentlich erklärt. Der 58-Jährige kritisierte dabei vor allem sein Spielsystem.


Bundestrainer Joachim Löw hat erstmals öffentlich über seine Analyse zum WM-Debakel gesprochen. Bei einer Pressekonferenz in München gestand der 58-Jährige schwere Fehler in seiner Spielvorbereitung des Teams ein. "Ich hätte die Mannschaft auf eine sichere Spielweise ausrichten müssen", sagte Löw zwei Monate nach dem historischen Scheitern in der Vorrunde.

Löw kündigte zudem an, Co-Trainer Thomas Schneider werde künftig nicht mehr dem Trainerstab angehören. Er soll stattdessen die Leitung der Scouting-Abteilung des DFB übernehmen. Der in der Kritik stehende Chefscout Urs Siegentahler bleibt in seinem Job, er kümmert sich weiter um die Analyse kommender Gegner.

"Auf Strecke ist Ballbesitz wichtig, aber in einem K.-o.-Turnier muss man sich anpassen können", sagte Löw über die WM-Auftritte seines Teams. Das sei seiner Mannschaft nicht gelungen. Man habe den Ballbesitzfußball auf die Spitze treiben wollen, das sei "fast schon arrogant" gewesen, sagte Löw, der für die Zukunft eine "flexiblere und sichere" Spielweise angekündigt hat.

Mannschaft habe sich nach dem WM-Titel 2014 verschlechtert

In der Vorrunde in Russland war die DFB-Elf in einer Gruppe mit Mexiko (0:1), Schweden (2:1) und Südkorea (0:2) vorzeitig gescheitert. Vor allem im ersten Gruppenspiel gegen Mexiko schien die deutsche Mannschaft schlecht vorbereitet und überrascht vom frühen Attackieren des Gegners.

Bundestrainer Löw sagte auch, die Mannschaft habe sich seit dem WM-Titel 2014 in Brasilien in einigen Punkten verschlechtert. Man habe weniger "in die Tiefe" gespielt und sei "viel langsamer im Spielaufbau" aufgetreten. Man habe "zurecht die Quittung" bekommen.

Deutschland trifft am 6. September in München auf den aktuellen Weltmeister Frankreich, dann startet die neue Nations League. Am Sonntag (9. September) bestreitet das DFB-Team zudem ein Testspiel gegen Peru. Die Partie findet in Sinsheim statt. Dann soll der erweiterte Betreuerstab deutlich kleiner als bei der WM sein, wie DFB-Manager Oliver Bierhoff ankündigte. Löw sagte für die Zukunft: "Wir gehen mit allem Einsatz daran, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen."

(Bundestrainer Löw hat in München auch über die Rassismus-Vorwürfe von Mesut Özil gesprochen. Mehr lesen Sie hier.)

jan

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bstendig 29.08.2018
1. Erst hatten wir kein Glück,
dann kam noch Pech dazu. Und das "tapfere Schneiderlein" ist jetzt der Sündenbock? Da machen Sie es sich aber ein wenig zu einfach Herr Löw. Was man Thomas Schneider vorwerfen kann, ist der Umstand, dass er nicht von sich aus Krach geschlagen hat, das hätte er ja auch sehen müssen, das vieles vielleicht in die falsche Richtung geht.. Aber bitte. Lassen wir uns überraschen..
prince62 29.08.2018
2. Schon in/gegen Österreich war nichts von Spielsystem zu sehen
Wat denn nu Herr Löw? Sie hatten ein Spielsystem, komischerweise hatte ich bereits beim vorletzten WM-Vorbereitungsspiel in Österreich nichts davon gesehen, bzw. auch nur ansatzweise ein System erkannt, deshalb auch die hochverdiente Niederlage gegen einen Drittklassigen Gegner, genauso ging es dann ja auch in der WM-Vorrunde weiter, kein System, keine Mannschaft und der gesamte Trainerstab mit Herrn Löw an der Spitze hat nichts davon erkannt, bzw. erkennen wollen. Mit dieser Erkenntnis Herr Löw bleibt ja nur noch der sofortige Rückzug, also Rücktritt vom Amte des Bundestrainers und auch der gesamten übrigen DFB-Führungsspitze, einschl. des Büroleiters, der sich im Spiel gegen Schweden so nachhaltig und unsportlich daneben benommen hat. Neues kann man nur mit neuen Ideen schaffen und das kann nur aus neuen Köpfen kommen.
kaischek 29.08.2018
3. So leicht wird das nicht
Falsche Taktik klingt ganz kommod. Da muss ich nicht viel ändern, sondern einfach flexibler werden. Wenn es dabei bleibt, zeigt es für mich, dass Herr Löw für den Neuaufbau tatsächlich der Falsche ist. Wenn er jetzt nicht jeden Stein umdreht, wird der beabsichtigte, schnelle Anschluss an die Weltspitze nach meiner Einschätzung nicht mehr gelingen. Der Schlüssel liegt für mich im Nachwuchsbereich: Da haben sich DFB und DFL in den letzten Jahren nicht hervorgetan. Ich sehe es beinahe jedes Wochenende auf internationalen Jugendturnieren: Spanier, Franzosen und Engländer sind einfach weiter als der Nachwuchs unserer BuLi-Clubs. Und sie werden diesen Vorsprung bis ins Herrenalter nicht mehr hergeben. Dies verbessern zu wollen, zieht erste Erfolge erst in ein paar Jahren nach sich und setzt als ersten Schritt Einsicht voraus. Diese kann ich nicht erkennen. Der erfolgsverwöhnte deutsche Fußballfan wird noch lang warten müssen. Aus meiner Sicht auf eine Ära nach Jogi Löw und Reinhard Grindel.
mark e. ting 29.08.2018
4. mal abgesehen
von der fehlenden Klasse der Spieler, fehlender Motivation, schlechten Auswahl der Spieler und und und. das scheint in seiner Analyse nicht erwähnt wurden zu sein.. das macht keinen Mut für die Zukunft. mir ist es immer noch schleierhaft wie man ein Jahr zuvor den U21 EM Titel und den Confed Cup gewinnen kann, mit zwei unterschiedlichen Mannschaften und dann von denen so gut wie keiner mitfährt. was sagt er dazu? das war MMn der entscheidende Fehler. und es war absehbar.
hileute 29.08.2018
5. Wenn Jogi die probleme erkannt hat,
kann man nur hoffen, das die Umsetzung der notwendigen Verbesserungen auch gelingt. Aber es kann nach der wm ja nur besser werden
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