Löw und Bierhoff Zwei, die aufeinander angewiesen sind

Seit 14 Jahren arbeiten Joachim Löw und Oliver Bierhoff beim DFB zusammen. Das WM-Turnier in Russland hat ihr Verhältnis belastet. Aber ein Gegeneinander können sich beide nicht erlauben.

Aus Moskau berichtet


Schmutzige Wäsche zu waschen - das gehört zu den üblichen Begleitumständen, wenn es einmal nicht gut läuft. Also tauchen auch beim Deutschen Fußball-Bund nach dem frühzeitigen WM-Aus plötzlich Maulwürfe auf, die zuvor jahrelang nur unter der Erde gebuddelt hatten. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat einen solchen Maulwurf, angeblich aus Spielerkreisen kommend, aufgetan.

Von zahlreichen Versäumnissen der sportlichen Leitung ist da die Rede. Davon, dass Bundestrainer Joachim Löw die jüngeren Spieler vernachlässigt und zu sehr auf seine Weltmeister gesetzt habe. Manuel Neuer nach seiner langen Verletzung und Mesut Özil in der Erdogan-Affäre hätten von Löw zu große Zugeständnisse erhalten.

Auch DFB-Manager Oliver Bierhoff bekommt sein Fett weg: Die Wahl des Quartiers Watutinki bei Moskau sei ein völlig falsches Signal gewesen, Ausdruck von Arroganz. Bekanntlich war Watutinki auch deswegen auserkoren worden, weil im nahen Moskau Halbfinale und Finale der WM ausgetragen werden. Bierhoff habe das Turnier "von hinten gedacht", das sei die verkehrte Herangehensweise gewesen.

Differenzen ums WM-Quartier

Wo auch immer diese Vorwürfe genau herkommen und wie belastbar sie sind: Sie erfüllen zumindest einen Zweck. Bierhoff und Löw werden dadurch wieder zu einer Einheit zusammengeschweißt. Auch über das Verhältnis zwischen Bundestrainer und Manager war schließlich zuletzt eifrig spekuliert worden. Nachdem Löw sich am Dienstag zum Weitermachen entschlossen hatte, war Bierhoff demonstrativ noch einmal zur Presse gegangen und hatte betont, sein Verhältnis zu Löw sei bestens: "Schwierigkeiten bringen einen noch enger zusammen. Es war schon immer unglaublich eng." Er sah wohl Anlass, dies deutlich zu machen.

Die Quartierfrage hat zwischen Löw und Bierhoff zu Differenzen geführt - das ist hinlänglich beschrieben worden. Der Bundestrainer wäre glücklicher gewesen, wenn er und seine Mannschaft im südlich-warmen Sotschi hätte residieren können. Bierhoff hat sich mit Watutinki durchgesetzt, auch Kostengründe sollen dafür maßgeblich gewesen sein. Löw habe sich damit erst sehr schlecht arrangieren können, heißt es. Bierhoff selbst reagierte bei Nachfragen zu dem Thema während des Turniers zunehmend ungehalten: "Ich muss und kann damit umgehen, dass ich dann ohnehin meistens im Fokus der Kritik stehe", hatte er gesagt.

Seit 2004 eine Seilschaft

Löw und Bierhoff, das ist eine Seilschaft, die mittlerweile 14 Jahre lang funktioniert. Eine Verbindung, die sich gegen viele Widerstände als reißfest erwiesen hat. Aber die Geschäftsgrundlage dieser Beziehung hat sich über die Jahre verändert.

Bierhoff ist mittlerweile nicht mehr nur für die Nationalmannschaft zuständig, sein Aufgabenbereich beim DFB ist stetig gewachsen, je stärker die Hausmacht Löws und Bierhoffs beim Verband wurde. Heute heißt er Nationalmannschaftsdirektor, der Bau des Renommier-Objektes DFB-Akademie fällt mit in seine Verantwortung. Bierhoff hat heute auf mehr ein Auge zu haben als nur darauf, ob es dem DFB-Team an nichts fehlt. Löws Aufgabensektor dagegen ist über all die Jahre der gleiche geblieben.

Vor allem hat Bierhoff jetzt auch die Finanzlage des Verbands im Blick zu halten. Die angesichts der Steuerturbulenzen nach der Sommermärchen-Affäre bei Weitem nicht mehr so rosig ist. Auch das war ein Grund, warum Bierhoff für Watutinki plädiert hatte. Ein Gang nach Sotschi wäre viel teurer geworden, es hätte Infrastruktur geschaffen werden müssen.

Ein Bruch zwischen Löw und Bierhoff, wie es auch schon kolportiert worden war, ist von dem, was während des Turniers für die Öffentlichkeit sichtbar wurde, aber nicht zu spüren gewesen. Es wäre wohl auch kaum denkbar, dass Löw sich unter diesen Vorzeichen für eine Fortsetzung der Arbeit beim DFB entschieden hätte. Bierhoff ist mittlerweile zu stark, um gegen ihn Bundestrainer sein zu können.

Vor dem Turnier hatte Bierhoff fast in Manier von Ex-Sportdirektor Matthias Sammer den Mahner gegeben, hatte gewarnt vor Schlendrian und Selbstzufriedenheit. Inwiefern das nur folkloristische Worte waren, um dem Vorwurf der Überheblichkeit zu begegnen, oder er tatsächlich die Gefahr des Scheiterns hatte kommen sehen, hat Bierhoff nicht durchblicken lassen. In jedem Fall hat er im Nachhinein damit recht behalten. Hier war es also von ihm vollständig richtig gewesen, das Turnier von hinten zu denken.



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Talan068 04.07.2018
1. Eingefahrenes Team bietet keien Perspektive
Der gemeine Forist vermutet es, man es im Fernsehen gesehen. Teile der Fachpresse sehen es so. Löw selbst sieht es. Die drei Vorrunden-Gegner haben ihre Taktik darauf aufgebaut. Die Mannschaft ist statt, scheut Zweikämpfe, die Taktik lange bekannt und wird auch niemals geändert. Ein mal in 12 Jahren wurde sie auf Druck geändert, das war 2014. Nun wieder alte Taktik, mit alten Spielern. Wer hat e zu verantworten? Wer hat da nicht gegen gesteuert, nei hat diese Selbstgefälligkeit sogar gefördert? Löw. Löw und der komplette Stab des DFB. Das ist volllkommen eingefahren und wer glaub das mit diesen Leuten ein Neuanfang möglich ist der irrt. Der ahnungslose Grindel, ist aber sicher nicht der mann der dies erkenn bzw. durchgreift.
steingärtner 04.07.2018
2. Löw hat seine Verdienste
Und für diese ist er fürstlich bezahlt worden. Das ist also erledigt. Im Augenblick erhält er ca. 10000 Euro. Pro Tag versteht sich. Und wenn er dafür keine Leistung abliefert, dann hat er zu gehen. So einfach ist das in meiner Welt. Bezahlung folgt auf Leistung.
Haarfoen 04.07.2018
3. Der Lack ist ab ...
... und das sollten doch der Bundes- Jogi und sein Manager- Kumpan Oliver B. begreifen können. Was jetzt die "Maulwürfe" auspacken, glaube ich gut und gern -man hat es auf dem Platz gesehen. Irgendwann ist es gut und Jogi wird uns allen in guter Erinnerung bleiben. Schon länger fehlt es aber an Geist, Esprit, Überraschung und Fortune. Nur weil man billig und ohne jeglichen Pfiff auf ein Konstrukt "Die Mannschaft" klebt, entsteht kein Team. Bei den beiden Herren sind einfach die Antennen abgenutzt, die Wahl und die Aufstellung der Spieler sind langweilig und der Sache wenig dienlich. Dabei geht es noch nicht einmal um das Gewinnen: Wäre da eine blutjunge Mannschaft auf dem Rasen gestanden, die beherzt gespielt und dann verloren hätte -der Zuschauer hätte es sicherlich um einiges wohlwollender quittiert. So ist die Nationalmannschaft nur fad, garniert mit den ewig wiederkehrenden Worthülsen von Jogi L., Oliver B. und arrivierten Spielern, die sich nach 10- jähriger Laufbahn als Profi- Spieler noch nicht einmal erklären können, warum sie ihre Leistung nicht abrufen konnten. Wie armselig war das denn? Dieses Duo sollte jetzt abtreten, sonst hagelt es noch Dauer-Pfiffe im Stadion. Der Lack ist ab.
Lankoron 04.07.2018
4. Welche Infrastruktur
hätte man denn neu bauen müssen, wenn man von vornherein auf Sotchi gesetzt hätte? In einer Stadt, die eine Touristenhochburg ist und vor 4 Jahren erst olympische Spiele ausgerichtet hatte? Was wäre dort soviel teurer geworden als die Umbauten in der Moskauer Unterkunft? Bierhoff hat sich inzwischen im DFB so eingenistet, das er kaum kündbar ist. Und dass, obwohl er sehr seltsame sonstige geschäftliche Verbindungen zur Fussballwelt hat, die in Politik Korruption heissen und in der freien Wirtschaft zur Kündigung oder zu Haftstrafen führen könnten.
Oihme 04.07.2018
5. Löw und Bierhoff ...
.. sind längst die mächtigsten Männer im DFB. Ohne ihre eigene Zustimmung können sie nicht einmal mehr entlassen werden, die Frühstücksdirektoren beim Verband haben sie sogar mit der Untersuchung ihres eigenen Gruppenphasen-Versagens bei der WM beauftragt. Viel mehr als "die Spieler waren Schuld" wird dabei deshalb wohl kaum herauskommen. Und mehr als etwas Kader- und Taktikkosmetik wohl auch nicht. Der Sarkasmus Watzkes, als er gestern Löw´s Weitermach-Entschluss und die Haltung des DFBzu dieser Personalie kommentierte, war schon vernichtend.
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