Fußballfans in Aufsichtsräten von Vereinen "Beim FC Bayern ist es aussichtslos"

Eigentlich ist er Ingenieur - nebenbei hat Jörn Kleinschmidt sich an der Uni dem Thema "Fanvertreter in Aufsichtsräten" gewidmet. Es wäre aus seiner Sicht ein Schritt zu mehr Mitbestimmung im Fußball.

Fans des 1. FC Köln
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Fans des 1. FC Köln

Ein Interview von


Zur Person
    Jörn Kleinschmnidt (52) ist in Stuttgart im Management eines Unternehmens der Automatisierungstechnik tätig. Nebenher hat er Sportmanagement an der Hochschule Wismar studiert. Seine Abschlussarbeit widmet sich dem Thema "Fanvertreter in Aufsichtsräten". Obwohl gebürtiger Ostwestfale, gehört sein Fußballherz dem VfB Stuttgart.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kleinschmidt, Sie haben im normalen Leben einen Beruf, der mit Fußball gar nichts zu tun hat. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dem Fußball wissenschaftlich nachzugehen?

Jörn Kleinschmidt: Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, neben meinem sehr technischen Beruf bei einem Zulieferbetrieb auch noch etwas anderes zu machen. Auf einer Hochzeitsfeier vor ein paar Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten, der sich gerade furchtbar echauffierte, als Robin Dutt Sportvorstand beim VfB Stuttgart wurde und er zu mir sagte: "So einen Job, das könntest du sogar." Damit hat er mich natürlich angestachelt. Ich habe mich daraufhin im Studiengang Sportmanagement eingeschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Abschlussarbeit widmet sich der Frage, ob Fanvertreter bei Fußballvereinen in die Aufsichtsräte gehören. Wie sind Sie darauf gekommen?

Kleinschmidt: Ich bin dem VfB Stuttgart seit langem verbunden, als kritischer Fan, zudem bin ich beim Fanverein "FC Play Fair" aktiv, da lag es nah, sich für das Thema zu interessieren.

SPIEGEL ONLINE: Nicht unbedingt bisher ein Thema für die Wissenschaft.

Kleinschmidt: Ja, das stimmt, es gibt bislang auch sehr wenig Literatur zu Satzungen von Vereinen, ich musste mich schon direkt an Vereine wenden. Immerhin gibt es schon eine Menge an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Mitbestimmung.

SPIEGEL ONLINE: Sie vergleichen die Fans in Fußballvereinen mit der Rolle von Arbeitnehmern in Unternehmen? Der Fan als Gewerkschafter des Fußballs?

Kleinschmidt: Ja, die Rolle der Fans ist aus meiner Sicht durchaus vergleichbar. Deutschland ist ein klassisches Land der Mitbestimmung, ein Land, in dem auch die in den Konzernen eine Stimme haben sollten, die zur Wertschöpfung eines Produktes beitragen. Und dass die Fans zum Wert des Produktes Fußball ihren Beitrag leisten, ist ja wohl unbestritten. Die gesamte Stimmung kommt von den Fans, letztlich auch ein Großteil des Geldes, das im Fußball kursiert.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Vereine, die in dieser Hinsicht schon ähnlich denken und handeln und Fans in ihren Aufsichtsräten einen Platz geben?

Kleinschmidt: Die gibt es, auch wenn es bislang nur wenige sind. Der FC St. Pauli ist auch in dieser Hinsicht sehr weit vorne, aber auch beispielsweise bei Schalke und Mainz wird in dieser Richtung gehandelt. In vielen Vereinen gibt es latentes Verständnis für dieses Anliegen. Darüber hinaus geht es allerdings bei den meisten noch nicht.

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SPIEGEL ONLINE: Und wie sieht das beim Serienmeister aus München aus?

Kleinschmidt: Beim FC Bayern ist es aussichtslos. Präsidium und Verwaltungsbeirat schlagen sich gegenseitig zu Wahl vor und besetzen dann gemeinsam den Aufsichtsrat, da haben die Fans im Grunde keine Chance. Ähnlich ist es bei Vereinen wie Bayer Leverkusen, RB Leipzig oder dem VfL Wolfsburg, die tatsächlich keine Vereine mehr sind, sondern reine GmbHs. Da müssten die Gesellschafter letztlich freiwillig Plätze für Fans freimachen. Da sehe ich wenig Aussichten.

SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie Möglichkeiten, Fans den Zugang zu Aufsichtsräten zu ermöglichen?

Kleinschmidt: Dazu müsste bei den Vereinen explizit die Satzung entsprechend geändert werden, dazu bräuchte es bei den Mitgliederversammlungen eine Mehrheit von 75 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Was kann, was könnte ein Fan in Aufsichtsräten denn tatsächlich ausrichten? Ist der Fan nicht letztlich zahnlos, wenn es um die wichtigen Entscheidungen geht - Sitz im Aufsichtsrat hin oder her?

Kleinschmidt: Ich habe keine großen Illusionen, dass ein Fanvertreter die Vereinspolitik komplett ändern kann. Er hätte schließlich kein Vetorecht gegen Fehlentwicklungen im Klub. Aber er hätte in diesem wichtigen Gremium eine Stimme, und der Aufsichtsrat müsste zumindest die Sichtweise der Fans mit bedenken. Und wenn er nur sein Vorgehen erklären muss, ist schon etwas getan.

SPIEGEL ONLINE: In Hannover erleben wir gerade ein tiefes Zerwürfnis zwischen Fans und Klubführung.

Kleinschmidt: Eines steht fest: So wie es bei Hannover 96 gerade der Fall ist - so darf es nirgends werden.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
111ich111 04.05.2018
1. Fanvertreter
Fanvertreter zu sein reicht nicht zur Qualifikation für einen Aufsichtsrat in einem Wirtschaftsunternehmen - und das sind die Bundesligavereine heutzutage ohne Ausnahme. Und Fans mit Arbeinehmen zu vergleichen, ist der größte Blödsinn, der mir je untergekommen ist. Wenn überhaupt kann man Fans, die Vereinsmitglieder sind, mit sehr viel gutem Willen noch als Quasi-Aktionäre bezeichen, aber doch nicht als Arbeitnehmer. Zitat: "Und dass die Fans zum Wert des Produktes Fußball ihren Beitrag leisten, ist ja wohl unbestritten.". Dies bestreite ich aber entschieden. Muss ja nur am die Chaotentruppe der Bierkästenwerfer und Knallkörperschleuderer denken. Nein, die Fans sind die Konsumenten des Podukts Fußball. Sie sind die Käufer des Produkts. Sie sind zwar sehr wichtig, wie jede Käufergruppe für das Produkt, aber hat schon jemand Kunden im Aufsichtsrat eines Unternehmens gesehen? Fans und Konsumenten haben (berechtigterweise) nur eine Möglichkeit abzustimmen - mit den Füßen und dem Geldbeutel.
vaikl 04.05.2018
2. Gibt es irgendwo auf dieser Welt...
...ein Wirtschaftsunternehmen, welches Kunden, die nicht in erster Linie Anteilseigner oder Investoren sind, in ihrem Aufsichtsrat *konfliktfrei* integriert hat? Nein, und das aus guten Gründen.
Nonvaio01 04.05.2018
3. was fuer ein tolles interview
wie steht es imterview? "Der FC St. Pauli ist auch in dieser Hinsicht sehr weit vorne, aber auch beispielsweise bei Schalke und Mainz wird in dieser Richtung gehandelt." Man sieht ja wie gut das funktioniert. Ich bin zum glueck Fan eines Vereins wo profis das sagen haben und keine hampelmaenner die konferenzen stoeren.
verruca 05.05.2018
4. Reingefallen :(
Ein journalistischer Artikel bei SPON, der nicht als Kommentar, Glosse, o.ä gekennzeichnet ist, basiert ernsthaft auf der Abschlussarbeit eines berufsbegleitend Fernstudierenden 52jährigen Unbekannten und holt aus einer einzigen Frage an diesen den reißerischen Titel "Beim FC Bayern ist es aussichtslos!"? Respekt! Ich habe tatsächlich draufgeklickt und schreibe nun auch noch eine Antwort. Voller Erfolg der Klick-Erschleichers! In der Sache: Warum um alles in der Welt sollte ein Fußballfanclubvorsitzender per se irgendwelche Kompetenzen haben, die ihn als Aufsichtsratsmitglied bei einem Großunternehmer qualifizieren? Ich habe gestern einen Geschirrspüler von MIELE bestellt, weil ich die Qualität dieser Firma schätze. Darf ich nun dort auch in den Aufsichtsrat?
cklasseking 05.05.2018
5. 50+1
Früher dachte ich auch so. Aber bei den heutigen Wirtschaftsunternehmen, das die Vereine sind, macht das ganze einfach keinen Sinn mehr. Im Gegenteil, der gemeine Fan, der regelmäßig zum Stadion geht, trägt inzwischen nur noch zum kleinen Teil zum wirtschaftlichen und wenig zum sportlichen Erfolg des Vereins bei. Tradition ist schön, aber eben führt das nicht immer zum Erfolg. Mein Verein, der auf Traditionen beharrte, ist jetzt in die 3. Liga abgerutscht. Um auch International erfolgreicher zu sein bleibt es keinem Bundesligaverein erspart, neue Wege zu gehen. Dazu müßte aber auch diese 50+1 Regel abgeschafft werden. Ein Fanvertreter im Aufsichtsrat macht m.E. nur Sinn, wenn diese Regelung abgeschafft würde.
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