DFB-Neuling Hector Plötzlich Nationalspieler

Vor fünf Jahren spielte Jonas Hector noch in der vierten Liga, bei Bayerns zweiter Mannschaft schaffte er es nur zum Probetraining. Jetzt wurde der Kölner Bundesligaspieler für die Nationalmannschaft nominiert. Wer ist der Typ?

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Als Deutschland 1974 Fußballweltmeister wurde, dirigierte Wolfgang Overath das deutsche Spiel. Sechs Jahre später führte Bernd Schuster das DFB-Team zum Gewinn der Europameisterschaft. Und beim WM-Titel 1990 war Pierre Littbarski einer der entscheidenden Spieler. Sie alle schafften über den 1. FC Köln den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft, in der Historie des Klubs sind 42 Nationalspieler aufgelistet. Und schon bald könnte Nummer 43 hinzukommen: Jonas Hector.

Jonas wer?

24 Jahre ist der Linksverteidiger der Kölner alt und spielt erst seit dieser Saison in der Bundesliga. "Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert bin", sagte Hector, nachdem er von Bundestrainer Joachim Löw in den Kader für die Länderspiele gegen Gibraltar und Spanien berufen worden war. Nun sagen angehende Nationalelfdebütanten so etwas ja immer, wenn sie zum ersten Mal nominiert werden. Hector darf man aufgrund seines Karriereverlaufs die Überraschung aber getrost glauben.

Vor fünf Jahren spielte er noch in der vierten Liga beim SV Auersmacher, tiefstes Saarland, rund 15 Kilometer südlich von Saarbrücken nahe der französischen Grenze. Vielleicht war die Lage in der Provinz daran Schuld, dass sich kein Nachwuchs-Scout des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach Auersmacher verirrte und Hector in der Oberliga entdeckte. Jedenfalls hat er nie ein Länderspiel für eine deutsche Junioren-Nationalmannschaft gemacht.

Probetraining bei der zweiten Mannschaft der Bayern

Was dem DFB verborgen blieb, schienen sie beim FC Bayern entdeckt zu haben: Dass dort in Auersmacher ein talentierter Fußballer im Mittelfeld spielt. Hector wurde zu einem Probetraining nach München eingeladen, er spielte bei der zweiten Mannschaft vor. Doch einen Vertrag bekam er bei den Bayern nicht, stattdessen unterschrieb Hector zur Saison 2010/2011 beim 1. FC Köln - für die U21 wohlgemerkt.

Zwei Jahre zeigte er in der Regionalliga im Mittelfeld derart ansprechende Leistungen, dass ihn Holger Stanislawski in der Saison 2012/2013 in die erste Mannschaft hochzog und zum Linksverteidiger machte. Hector wurde Stammspieler, absolvierte insgesamt 57 Zweitligaspiele für die Kölner und stieg vergangene Saison mit dem Klub in die Bundesliga auf. "Wenn mir vor fünf Jahren einer gesagt hätte, dass ich mal als Stammspieler im Profifußball landen würde, hätte ich ihn für bekloppt erklärt", sagte Hector im April, nachdem Kölns Rückkehr in die höchste Spielklasse perfekt war.

In dieser Saison absolvierte er alle bisherigen Bundesligaspiele über die volle Zeit, bei der 2:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt traf Hector zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich. Er gilt als spielstarker Außenverteidiger mit guter Übersicht, was er seiner früheren Position im zentralen Mittelfeld zu verdanken hat. Für Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke ist Hectors Nominierung für das DFB-Team "fast schon eine logische Konsequenz. Er spielt seit langer Zeit auf konstant hohem Niveau".

Aber Schmadtke räumt auch ein: "Die Auswahl an guten deutschen Außenverteidigern ist eben auch nicht riesig." Es soll Hectors gute Leistungen nicht schmälern: Aber man darf bezweifeln, dass er auch eine Einladung von Löw bekommen hätte, würde er in Köln Innenverteidiger spielen. Schließlich hat der Bundestrainer hinten links kaum Optionen.

Nach dem Rücktritt von Kapitän Philipp Lahm hat Deutschland keinen Außenverteidiger mehr von internationaler Klasse. Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes spielen hinten links oder rechts, je nach Bedarf, solide, haben ihre Stärken aber im Abwehrzentrum. Dortmunds Marcel Schmelzer wird immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Bleibt nur noch sein Vereinskollege Erik Durm, 22 Jahre alt, dem viele eine große Zukunft als Linksverteidiger prognostizieren - er ist übrigens gelernter Stürmer.

Als Durm erstmals zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, hatte er 19 Partien für den BVB bestritten. Jonas Hector kommt bislang auf zehn Bundesligaspiele.

Mit Material von sid und dpa



insgesamt 26 Beiträge
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D'r_Nubbel 07.11.2014
1. come on effzeh
Sehr schön, ich freue mich, dass wir wieder einen deutschen Nationalspieler haben. Glückwunsch an Jonas und die erfreulich professionelle neue FC-Führung. Jrooß us Kölle, d'r Nubbel.
euroeddy 07.11.2014
2. Tut mir leid...
...kaum je von ihm gehört. Aber wir sind offen für jeden, Philipp Lahm ist nunmal weg.
quarkspitz 07.11.2014
3. Bei den wenigen
Deutschen, die in der Bundesliega spielen, hat fast jeder eine Chance in die Nationalmannschaft zu kommen.
haber100 07.11.2014
4. Do simmer dabeiii...
Als Anhänger des ruhmreichen FC bin ich zu Tränen gerührt. Es muss einfach immer ein Kölner dabei sein, schon als Glücksbringer...
torstenschäfer 07.11.2014
5. quarkspitz: Mumpitz
So ein Unsinn, zu behaupten, es spielten wenige Deutsche in der Bundesliga. Fragen Sie mal die Engländer! Jonas Hector hat die Chance verdient, er hat das Zeug zum Stammspieler.
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