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Leverkusener Jonathan Tah: Der junge Riese

Von , Leverkusen

Innenverteidiger Tah (r.): "Auf einem Level, auf das viele nie kommen werden" Zur Großansicht
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Innenverteidiger Tah (r.): "Auf einem Level, auf das viele nie kommen werden"

Zu null gegen den FC Bayern spielen: Das gelingt nicht vielen. Bayer Leverkusen schaffte es. Dank eines Verteidigers, dessen Teamkollegen immer wieder vergessen, dass er erst 19 Jahre alt ist.

Den wichtigsten Mann des Abends, den, der extra seinetwegen ins Stadion gekommen war, den hatte Jonathan Tah nicht mal bemerkt. "Ich habe keinen gesehen, habe mich nicht damit befasst und mich einfach auf mein Spiel konzentriert", sagte der Innenverteidiger von Bayer Leverkusen mit derselben Abgeklärtheit, mit der er zuvor die Offensive des FC Bayern München in Schach gehalten hatte.

Dass Bundes-Co-Trainer Thomas Schneider in Leverkusen auf der Tribüne gesessen hatte, um ihn zu beobachten, sei zwar "eine große Ehre", wie Tah zugab, überbewerten wollte er das alles aber nicht. Ebenso wenig wie seinen eigenen Auftritt.

Der war beim 0:0 im Bundesliga-Top-Spiel wieder mal erstaunlich für einen 19-Jährigen. Bis auf einen Stockfehler kurz vor Schluss, als er über den Ball trat und Robert Lewandowski doch noch eine Chance ermöglichte, präsentierte sich Tah, als gehöre er seit Jahren zum Stammpersonal eines Spitzenteams. 71 Prozent seiner Zweikämpfe hatte er gewonnen - Bestwert der Leverkusener. Doch es war nicht allein diese Zahl, es war die Art und Weise, wie der kantige Teenager auftrat: konsequent in den Zweikämpfen, fast unbezwingbar in der Luft, abgeklärt im Stellungsspiel, ohne Hektik im Spielaufbau.

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Bundesliga: Erst viel Kampf und dann viel Spannung
Während sich manche Beobachter die Augen rieben, zuckte sein Nebenmann Ömer Toprak hinterher nur mit den Achseln: "Jona zeigt von Spiel zu Spiel gute Leistungen", sagte Toprak, der selbst ein starkes Spiel gezeigt hatte. "Die Verantwortlichen haben sich etwas dabei gedacht, als sie ihn für viel Geld geholt haben. Bis jetzt ist alles gut, deswegen ist das ein wirklich guter Transfer."

Allerdings auch einer, der ein gewisses Risiko barg. Zwar eilt Tah seit Jahren der Ruf voraus, mit besonders viel Talent ausgestattet zu sein. Doch nachdem er bereits mit 17 Jahren für den Hamburger SV in der Bundesliga debütiert hatte, ging es eben nicht konsequent bergauf. Vor allem in der vergangenen Saison. Erst gab ihn der kriselnde HSV, der im Abstiegskampf auf Erfahrung in der Defensivzentrale setzte, zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ab, wo der schnelle und robuste Tah gleich einer der Leistungsträger wurde. Doch als die Rheinländer nach der Winterpause in ein Loch fielen und immer weiter nach unten durchgereicht wurden, ließ sich auch Tah davon anstecken und leistete sich zahlreiche Fehler, die zu Gegentoren führten.

Für die Leverkusener, die ihn in der Nachbarstadt häufiger beobachtet hatten, allerdings kein Grund, nicht weiter an sein Potenzial zu glauben. Acht Millionen Euro sollen sie nach Hamburg überwiesen haben. Und weil der Werkself zu Beginn der Saison die Innenverteidiger ausgegangen waren, bekam Tah gleich einen Stammplatz - und gab ihn bislang nicht wieder her.

Keine einzige Minute hat er verpasst. In sämtlichen Wettbewerben sind das bereits 31 Spiele. "Da konnte man sich schon das Bild machen, was für ein großartiges Innenverteidiger-Talent wir da haben", sagte Trainer Roger Schmidt nun nach dem Spiel gegen die Bayern, das er als "Reifeprüfung" bezeichnete. Zumal "die Anforderungen an unsere Defensivspieler ja nicht ganz einfach" seien. Lässt er doch außerordentlich hoch verteidigen und zwingt seine Defensive so immer wieder in Laufduelle und risikoreiche Zweikämpfe.

Weil Tah die aber allesamt souverän meisterte, erhob Mittelfeldspieler Kevin Kampl seinen jungen Kollegen nachher in die Kategorie "Weltklasse". Robert Lewandowski "fast 90 Minuten aus dem Spiel zu nehmen", gelinge nicht vielen. Gerade in dem Alter. Doch das sei ohnehin kein Thema: "Jonathan ist so abgeklärt, der ist so ein Riese, da denke ich niemals, dass er erst 19 ist. Ich weiß nur, dass ein Bär hinter mir ist, der mir den Rücken freihält", sagte Kampl, um dann doch noch mal auf das Alter seines Hintermanns einzugehen: "Er ist mit 19 Jahren schon auf einem Level, auf das viele niemals kommen werden."

Die Frage nach der Nationalmannschaft wird längst nicht mehr mit "ob" gestellt, sondern mit "wann". Und das "dann" könnte mit Blick auf die Verletzung von Jérôme Boateng schneller kommen, als sich das viele nach der schwachen Rückrunde in der zweiten Liga gedacht hatten. "Ob das jetzt schon reicht, das müssen andere entscheiden", sagte Trainer Schmidt, "aber dass er das Potenzial hat, das war uns schon immer klar."

Im Video: Die Stimmen zum Spitzenspiel

REUTERS

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Tah hat mir als Bayerfan
--00-- 07.02.2016
heute auch sehr gut gefallen, ebenso wie Toprak! Das waren auf Leverkusener Seite die einzigen Beiden, die wirklich nicht negativ durch Fouls aufgefallen sind. Tah hat alles Zeug dazu mal ein großartiger IV von Weltformat zu werden, er ist schnell, groß, sehr robust und technisch auch bereits sehr ordentlich für sein Alter. Ich bin wirklich gespannt wie er sich entwickelt, wäre in 2-3 Jahren vllt auch einer für meine Münchner :)
2. :-)
-volver- 07.02.2016
Wie in den letzten beiden Jahren unter guardiola, scheint nach der Winterpause die luft beim fcb raus zu sein. es wird auch dieses jahr nicht für den cl-sieg reichen...
3. Das neue ...
in-teressant! 07.02.2016
... Innenverteidiger-Paar in der Nationalmannschaft: Jonathan Tah und Robert Huth. Warum nicht?!
4. Kiessling vs. Tah
Turbo 07.02.2016
Das war in der Tat eine starke Partie des Bayer Verteidigers. Und Alternativen in der IV brauchen wir. Hier könnte sich ein Kiessling mal was abschneiden. Jetzt verstehe ich auch, warum er so einen schlechten Ruf genießt. Was der über weite Teilen um sich getreten hat, weil er dem Spieltempo nicht mehr folgen kann, ist schlichtweg unsportlich und einem top Verein wie Leverkusen unwürdig. BTW: Wie müsste man das eigentlich in die viel zitierte wahre Tabelle aufnehmen? Gelb-rot Kiessling in Halbzeit 1 anstatt Platzverweis Alonso (der Klar den Ball spielt) in Münchens Schlussoffensive..
5.
Pela1961 07.02.2016
Die Leverkusener IV verkörpert in der Buli absolute Spitzenklasse - zumindest dann, wenn sie so auftritt wie im gestrigen Spiel. Bemerkenswert auch, dass die Treter eher andere waren und nicht die IV, die ja oft die "rustikale" Spielkultur bevorzugen. Trotzdem haben die Münchner in der zweiten Halbzeit wieder 4 oder 5 sehr sehr gute Chancen erarbeitet. Da man immer sagt, dass man auf internationalem Niveau höchstens 3 bis 4 Chancen pro Spiel bekommt, kann man damit zufrieden sein. Nicht zufrieden dagegen kann man mit der Torausbeute sein. Eine Quote von 25 % hätte gereicht, um 1:0 zu gewinnen. Die Leverkusener hatten 2 gute Möglichkeiten - das zeitweilige Chaos im Münchner Strafraum alleine ist noch keine Chance. Ein Sieg der Münchner wäre nicht unverdient gewesen, aber ein Unentschieden bei einem Verein mit dem Anspruch, ständig in der CL spielen zu wollen, ist absolut in Ordnung.
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