Bayerns Sieg in Darmstadt Der romantische Guardiola

Der FC Bayern spielt in Darmstadt so gut, wie man in einer Englischen Woche spielen muss. Trainer Guardiola überrascht derweil mit einem Bekenntnis zu traditionsreichen Stadien - und lobt einen Spieler, den die Öffentlichkeit unterschätze.

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Aus Darmstadt berichtet


Und dann kam doch noch die Frage, die Josep Guardiola aus der Reserve lockte. Ob er es nicht "komisch" gefunden habe, als Champions-League-erprobter Coach am leicht ranzigen Böllenfalltor zu sein, wollte ein Journalist von dem Bayern-Trainer wissen.

Guardiola beugte den Oberkörper nach vorne und wirkte fast schon angriffslustig, als er antwortete: "Komisch? Ich habe zehn Jahre lang in solchen Stadien gespielt." Was folgte, war ein Bekenntnis, das den Traditionalisten in Darmstadt ("Aus Tradition anders") gefallen haben dürfte: "Das hier ist Fußball. Der Platz ist Fußball, die Kabine..." - ein Griff an die Nase - "...ist Fußball."

Natürlich hatte Guardiola vorher nicht versäumt, auch die sportliche Leistung der Darmstädter zu loben. Die hatten bei der 0:3-Niederlage wohl auch vieles von dem gezeigt, was sie draufhaben und zumindest eine Halbzeit lang die Partie halbwegs offen gehalten. Dass das nicht reichte, um den FC Bayern auch nur ansatzweise in Verlegenheit zu bringen, wundert niemanden weniger als die Hessen selber.

"Wir haben uns gegen ein Weltklasseteam gut verkauft", betonte Präsident Rüdiger Fritsch, der "kurz geschmunzelt" hatte, als Guardiola in der zweiten Halbzeit dreimal wechselte und plötzlich auch noch Javi Martínez, Thomas Müller und Xabi Alonso auf dem Platz hatte. "Die wechseln dreimal Weltklasse ein." Bei Darmstadt ist das ein wenig anders. Da heißen die Einwechselspieler Jan Rosenthal, Sandro Wagner und Mario Vrancic.

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Wenn die Bayern hoch verdient, aber einigermaßen glanzlos gewannen, lag das allerdings nicht nur an der Darmstädter Gegenwehr. Sondern auch daran, dass der Meister mit genau dem Pragmatismus auftrat, den man braucht, wenn man in einer Englischen Woche auf einen, nun ja, schlagbaren Gegner trifft. Das taten sie allerdings hochkonzentriert und ohne jeden Schlendrian über 90 Minuten. Auch das ist eine Leistung, an der viele Konkurrenten scheitern.

Im ersten Durchgang, den Guardiola ohne Lahm, Müller, Thiago und den angeschlagenen Lewandowski spielen ließ, rissen sich die Bayern kein Bein aus. Doch in der zweiten Halbzeit bauten sie die erwartete Überlegenheit auf, spielten mehr über die Außenbahnen und hätten wohl auch weit höher als 3:0 gewinnen können, wenn plötzlich jemand beschlossen hätte, dass die alte Bolzplatz-Regel "nächstes Tor entscheidet" zur Anwendung kommt.

Rodes starke Leistung in der Heimat

Dabei war im Grunde schon nach dem 1:0 durch Arturo Vidals Distanzschuss (20.) klar, wer dieses Spiel gewinnen würde - auch wenn es gut eine Stunde dauerte, ehe Kingsley Coman nach schöner Vorarbeit von Sebastian Rode (62.) das 2:0 erzielte. Kurz darauf traf Rode gleich selbst zum 3:0 (63.). Doch auch ohne seinen Treffer hätte sich der unweit von Darmstadt, in Seeheim-Jugenheim, aufgewachsene Rode nach Kräften das Sonderlob verdient, das ihm Guardiola zukommen ließ.

Der ehemalige Eintracht-Profi sei keiner, dessen Einsatz die Öffentlichkeit permanent fordere, aber "wir Trainer wissen genau, was er kann". Wie auch Joshua Kimmich, der eine gute Partie auf der Sechserposition spielte, habe er es "verdient, bei diesem Verein zu spielen", dem nach 13 Monaten Verletzungspause nun auch wieder Martínez angehört. Den braucht Guardiola derzeit am dringendsten als Option für die Innenverteidigung. "Er hat mir gesagt, dass er keine Schmerzen hat", berichtete der Coach. "Das ist heute die beste Nachricht."

Aus Sicht der "Lilien" bleibt die nicht wirklich überraschende Erkenntnis, dass es gegen Gegner vom Kaliber des FC Bayern nicht zu einem Sieg reicht, wohl aber zu einer kämpferisch guten Leistung. Und zu dem Gesamteindruck, dass da ein Team auftritt, das so gefestigt ist, dass es auch gegen einen um Klassen besseren Gegner nicht auseinanderbricht.

Sechs Punkte haben die "Lilien" sowieso schon auf dem Konto. Sechs mehr als Stuttgart oder Gladbach. Dass es dennoch eng werden könnte - vor allem in der Offensive ist der Aufsteiger nicht so stark besetzt - weiß in Darmstadt sowieso jeder. Wie sagte Dirk Schuster nach dem Spiel doch so schön? "Wir wussten, was da auf uns zurollt." Gemeint waren die Bayern. Es trifft aber auf alle 34 Spiele zu.

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insgesamt 112 Beiträge
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Shelly 19.09.2015
1. Mich als Bayernfan freut es
wenn die Bayern das etwas ruhiger angehen und die Darmstädter nicht mit einem höheren Ergebnis unfairerweise deklassieren. Wobei mein Kommentar die Leistung der Darmstädter in keinster Weise kleinreden soll.
Pela1961 19.09.2015
2. Auch hier also :-)
Es ist schon merkwürdig - in der letzten Woche tagelange Diskussionen über einen Elfmeter, der keiner war. Was wurde da nicht alles gemutmaßt, von Bestechung und allgemeiner Unfähigkeit aller Schiris bis hin zu Verschwörungstheorien auf höchster Ebene. Und diese Woche? Nocht nicht mal eine kleine Bemerkung, eine einzige Zeile darüber, dass die Münchner einen glasklaren Elfer NICHT bekamen. Deutlicher konnten die Medien gar nicht machen, warum Zuschauer, die die Spiele nicht selbst sehen, denken, die Münchner würden IMMER und STÄNDIG bevorzugt werden und alle Schiris würden IMMER nur für die Münchner pfeifen. Noch nicht mal die nicht gegebene Ecke, aus der der Schiri einen Abstoß für Darmstadt machte, wird erwähnt. Starke Leistung, wirklich. Und nicht falsch verstehen, bitte - es war eine wirklich gute Leistung von den Darmstädtern, eine herrliche Atmosphäre und ich mache den Schiris keinen Vorwurf, sie sind auch nur Menschen. Aber ich habe denen auch letzte Woche keinen gemacht. Diejenigen, die sich letzte Woche über die Fehlentscheidung aufregten, werden das sicherlich diese Woche wieder in gleichem Maße tun. Ansonsten zeigen sie nämlich, dass es ihnen nicht um korrekte Bewertung von Spielsituationen geht, sondern darum, den Münchnern möglichst oft einen reinzuwürgen.
Turbo 19.09.2015
3.
Zitat von Pela1961Es ist schon merkwürdig - in der letzten Woche tagelange Diskussionen über einen Elfmeter, der keiner war. Was wurde da nicht alles gemutmaßt, von Bestechung und allgemeiner Unfähigkeit aller Schiris bis hin zu Verschwörungstheorien auf höchster Ebene. Und diese Woche? Nocht nicht mal eine kleine Bemerkung, eine einzige Zeile darüber, dass die Münchner einen glasklaren Elfer NICHT bekamen. Deutlicher konnten die Medien gar nicht machen, warum Zuschauer, die die Spiele nicht selbst sehen, denken, die Münchner würden IMMER und STÄNDIG bevorzugt werden und alle Schiris würden IMMER nur für die Münchner pfeifen. Noch nicht mal die nicht gegebene Ecke, aus der der Schiri einen Abstoß für Darmstadt machte, wird erwähnt. Starke Leistung, wirklich. Und nicht falsch verstehen, bitte - es war eine wirklich gute Leistung von den Darmstädtern, eine herrliche Atmosphäre und ich mache den Schiris keinen Vorwurf, sie sind auch nur Menschen. Aber ich habe denen auch letzte Woche keinen gemacht. Diejenigen, die sich letzte Woche über die Fehlentscheidung aufregten, werden das sicherlich diese Woche wieder in gleichem Maße tun. Ansonsten zeigen sie nämlich, dass es ihnen nicht um korrekte Bewertung von Spielsituationen geht, sondern darum, den Münchnern möglichst oft einen reinzuwürgen.
Aus einem Schiedsrichter Problem in der Liga macht die Öffentlichkeit gerade ein "Pro FC Bayern" Problem. Das hilft am Ende niemandem.
spon_2937981 19.09.2015
4. Ehrenhaft - aber zwecklos
Zitat von Pela1961Es ist schon merkwürdig - in der letzten Woche tagelange Diskussionen über einen Elfmeter, der keiner war. Was wurde da nicht alles gemutmaßt, von Bestechung und allgemeiner Unfähigkeit aller Schiris bis hin zu Verschwörungstheorien auf höchster Ebene. Und diese Woche? Nocht nicht mal eine kleine Bemerkung, eine einzige Zeile darüber, dass die Münchner einen glasklaren Elfer NICHT bekamen. Deutlicher konnten die Medien gar nicht machen, warum Zuschauer, die die Spiele nicht selbst sehen, denken, die Münchner würden IMMER und STÄNDIG bevorzugt werden und alle Schiris würden IMMER nur für die Münchner pfeifen. Noch nicht mal die nicht gegebene Ecke, aus der der Schiri einen Abstoß für Darmstadt machte, wird erwähnt. Starke Leistung, wirklich. Und nicht falsch verstehen, bitte - es war eine wirklich gute Leistung von den Darmstädtern, eine herrliche Atmosphäre und ich mache den Schiris keinen Vorwurf, sie sind auch nur Menschen. Aber ich habe denen auch letzte Woche keinen gemacht. Diejenigen, die sich letzte Woche über die Fehlentscheidung aufregten, werden das sicherlich diese Woche wieder in gleichem Maße tun. Ansonsten zeigen sie nämlich, dass es ihnen nicht um korrekte Bewertung von Spielsituationen geht, sondern darum, den Münchnern möglichst oft einen reinzuwürgen.
Liebe(r) Pela1961, Sie haben ja Recht. Und ich verstehe, dass einem unter den Nägeln brennt, das mal loszuwerden. Aber glauben Sie daran, dass es etwas bewirkt? Dass sich die Stänkerer 'ertappt' fühlen werden und sich reumütig zu erkennen geben? Eben. Und wenn man die 1961 als Ihr Geburtsjahr interpretieren darf, dann wissen Sie das auch schon seit vielen Jahren, wie zwecklos das Argumentieren gegen den immer gleichen Quatsch ist.
Orthoklas 19.09.2015
5. Sympathische Lilien
Alles gut. Bayern hat gewonnen, Darmstadt gut gekämpft - und, liebe Bayern-Basher, ein glasklarer Elfer für München nicht gegeben. So sind alle glücklich.
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