Bayern-Star Joshua Kimmich Garantie für den Gefrusteten

Erst die Wechselgerüchte, nun eine Stammplatzgarantie: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat in der Debatte um Joshua Kimmich deutliche Worte gesprochen. Aber ist der Jungstar in München noch zufrieden?

imago/photoarena/Eisenhuth

Von Florian Kinast, München


Die Laune von Karl-Heinz Rummenigge war am Mittwochmittag hervorragend. In München präsentierte der Vorstandsboss das neue Nachwuchsleistungszentrum. Passend dazu sah er sich mit Präsident Uli Hoeneß Bilder vom Halbfinal-Rückspiel der U19 bei Schalke 04 um die Deutsche Meisterschaft an. Die Bayern gewannen im Elfmeterschießen. Das förderte die euphorische Grundstimmung der Veranstaltung.

Am Ende der Presserunde war die Laune von Rummenigge dann allerdings nicht mehr gut, ganz im Gegenteil. Der Auslöser: Eine Frage zu Joshua Kimmich.

Mit deutlichen Worten empörte sich der Klubchef über Zeitungsberichte, Kimmich wolle die Bayern verlassen. Und gab dem 22-Jährigen dann ausdrücklich und gleich mehrmals eine Stammplatzgarantie für die kommende Saison: Als etatmäßiger Rechtsverteidiger nach dem Karriereende von Philipp Lahm.

"Das war eine ungeheuerliche Falschmeldung, ungeheuerlich", sagte Rummenigge, "seit heute ist unsere juristische Abteilung unterwegs, um dagegen rechtliche Schritte einzuleiten." Man werde sich das nicht gefallen lassen, die Meldung sei total an den Haaren herbeigezogen, sagte Rummenigge weiter: "Alle Parteien sind sich einig, dass er der Nachfolger von Philipp Lahm als rechter Verteidiger wird."

Eine Aussage, die Rummenigge später noch einmal wiederholte: "Das ist so beschlossen. Von allen Seiten. Joshua spielt kommende Saison beim FC Bayern. Das ist Tatsache", sagte er dem SPIEGEL.

Liebesbekenntnisse von Ancelotti blieben aus

Tatsache ist aber auch, dass Kimmich in der aktuellen Saison nicht glücklich wurde. Nach einem überragenden Beginn mit sieben Pflichtspieltoren bis Mitte Oktober war er auf einmal nur noch Reservist. Unter Carlo Ancelotti genoss er weit weniger das Vertrauen als unter seinem Förderer Pep Guardiola. Unvergessen, wie Guardiola im März 2016 unmittelbar nach dem 0:0 in Dortmund noch auf dem Rasen auf Kimmich einredete. Ihn beschimpfte und dann wieder umarmte. "Ich liebe diesen Jungen", schwärmte der Spanier danach.

Liebesbekenntnisse von Ancelotti blieben in dieser Saison aus. Selbst in Spielen, in denen Carlo Ancelotti wichtige Stammkräfte schonte, saß Kimmich oft nur auf der Bank. Und wenn Lahm pausierte, dann spielte Rafinha. Der Frust wurde immer größer, missmutig und wortlos stapfte Kimmich meist nach Abpfiff durch die Interviewzone.

Luft machte er seinem Ärger dann Mitte März nach dem Spiel gegen Frankfurt: "Fakt ist, dass ich nicht damit zufrieden bin, dass es nicht mein Anspruch ist und ich das ändern möchte", sagte er: "Die Position ist mir egal, Hauptsache ist, dass ich auf dem Platz stehe. Der Trainer weiß, dass ich auf der Sechs spielen kann und auch in der Innenverteidigung. Insofern hat er viele Optionen, mich einzusetzen." Doch Ancelotti nutzte sie kaum - was Kimmichs Frust nur noch vergrößerte.

Auch keine Ausleihe im Gespräch

Für Kimmich steht nun viel auf dem Spiel. In dieser Saison kam sein bislang steiler Aufstieg vorerst zu einem Stillstand. Zwar erlebte seine Karriere keinen Knick, sie wurde aber abrupt abgebremst. Kimmich weiß, dass er sich noch ein weiteres Jahr als Reservist nicht leisten möchte und nicht leisten kann. Auch im Hinblick auf die WM 2018. Anders als viele Stammspieler wird er beim Confed Cup in diesem Sommer nicht geschont, sondern spielt.

Obwohl Joachim Löw gerne an Nationalspielern festhält, die sich im Verein auch über längere Zeit schwer tun - wie einst Lukas Podolski oder Mario Götze: Bei der EM in Frankreich spielte Kimmich vor allem deswegen gut, weil er aus seinem ersten Jahr in München unter Guardiola viel Selbstbewusstsein mitgenommen hatte. Das ist ihm nun abhanden gekommen. Die sporadischen Einsätze waren wenig förderlich.

Kimmichs Vertrag läuft bis 2020, sein Marktwert wird derzeit auf 25 Millionen Euro geschätzt. Ihn an einen anderen Verein auszuleihen wie einst den jungen Philipp Lahm zum VfB Stuttgart, auch diese Option schloss Rummenigge im Gespräch mit dem SPIEGEL kategorisch aus.

Möglich, dass sich Kimmich nach der Ansage des Klubchefs und der so dezidierten, öffentlichen Stammplatzgarantie wieder mehr mit dem Gedanken an eine Zukunft beim FC Bayern anfreunden kann. Am Dienstag sagte er laut einem Tweet von Sky-Reporter Torben Hoffmann zu den Medienberichten: "Ich habe es nicht gelesen und bin definitiv noch nicht weg hier, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Ein klares Bekenntnis zum Verein klingt anders. Und: Interessierte Klubs, die bereit wären, eine hohe Ablösesumme für Kimmich zu zahlen, gäbe es reichlich. Manchester City etwa. Dann hätte Pep wieder seinen Lieblingsjungen.



insgesamt 26 Beiträge
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el_jefe 17.05.2017
1. Schöne Worte von Rummenigge
Wollen wir hoffen, dass sie ihn nicht ähnlich behandeln wie damals Götze.
ge1234 17.05.2017
2. Stammplatzgarantie?
Wo und wann hat K.H.R. eine Stammplatzgarantie ausgesprochen? Er hat lediglich gesagt, dass Kimmich der designierte Nachfolger von Lahm sei! Wenn Kimmich einen Stammplatz in der Bayernelf haben möchte, soll er erstmal beweisen, dass er ihn verdient. Seine bisherige Leistungen in dieser Saison waren zwar meistens gut und ein paar Mal auch sehr gut, wirklich überragend war er aber kein einziges Mal. Also, statt lauthals zu fordern würde es ihm als jungen Spieler besser anstehen, sich durch Leistung auf dem Platz unverzichtbar zu machen. Möglichkeiten dazu sollte er in der nächsten Saison zur Genüge bekommen.
ge1234 17.05.2017
3. Ach ja....
Zitat von el_jefeWollen wir hoffen, dass sie ihn nicht ähnlich behandeln wie damals Götze.
... wie haben sie denn Götze behandelt? Götze war bis zu seiner Verletzung in seinem zweiten Bayernjahr nach Neuer und Bernat der Spieler mit den meisten Einsätzen!
Tavlaret 17.05.2017
4. Ein bisserl langsam ist er
Der gute Kimmich ist ein Talent, ja aber für ganz oben im Fußball gehört zum fußballerischen Können auch die Schnelligkeit dazu und die fehlt ihm. Er ist zwar jünger als Alonso, könnte seine Position im Mittelfeld übernehmen, er ist aber auch nicht schneller. Für den Außenverteidiger wird es nicht reichen (zumindest wenn es gegen Spitzenvereine geht). In einem Spiee gegen Real wollte er mit dem ballführenden Marcelo mithalten und der lief ihm davon, der mit Ball, Kimmich ohne. Das zeigt mir, er ist ein Talent für die Bundesliga, international, wenn es gegen die Großen geht, hat er Defizite. Und eine Stammplatzgarantie? Die gibt es nicht, ganz gewiss nicht bei Ancelotti. Ein Trainer lässt sich doch nicht sagen "der muss immer spielen, egal wie". Wenn der Trainer meint, er bringt es nicht oder er ist nicht in Form, dann spielt er nicht.
DerDifferenzierteBlick 17.05.2017
5. Überflüssige Debatte
Kimmich hatte in der aktuellen Saison 2 Weltklassespieler auf seinen Hauptpositionen (RV, DM) vor sich. Dass er da keine Stammplatzgarantie hat, ist klar. Da beide in diesem Sommer ihre Karriere beenden (und es bislang keine weiteren vergleichbar starken Nachfolger gibt), hat Kimmich in der kommenden Saison sehr gute Einsatzchancen. Rafinha ist zudem fast 10 Jahre älter. Jetzt zu wechseln, wäre eine sehr merkwürdige Entscheidung.
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