Liverpool-Trainer Klopp Konzentration aufs Wesentliche

Fünf Jahre nach dem ersten Versuch steht Jürgen Klopp wieder im Finale der Champions League. Er ist in dieser Zeit resistenter gegen Stress geworden - und streitet weniger.

AFP

Von , Kiew


Jetzt ist er also wieder da.

Jürgen Klopp steht am Mittelkreis des Olympiastadions von Kiew und beobachtet das Abschlusstraining seiner Spieler. Er hat einen Ball zwischen die Füße geklemmt und die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Ab und zu schaut er sich um im weiten Rund mit den Sitzen in verschiedenen Gelb- und Blautönen, den Farben der Ukraine.

Er sieht die vielen Fernsehteams am Spielfeldrand, die sich vorbereiten auf den großen Tag. Er sieht die VIP-Besucher auf der Haupttribüne, die Selfies vor der prachtvollen Kulisse machen. Und er sieht die Schriftzüge zwischen dem Ober- und dem Unterrang. "FINAL KYIV 2018" steht da.

Jetzt ist Klopp also wieder da - auf der größten Bühne, die der europäische Vereinsfußball zu bieten hat.

Mit dem FC Liverpool bestreitet der deutsche Trainer an diesem Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF und Sky) gegen Real Madrid sein zweites Champions-League-Endspiel. Die Premiere vor fünf Jahren ging verloren. Mit Borussia Dortmund unterlag er im Londoner Wembley-Stadion dem FC Bayern.

Wenn man die beiden Klopps nebeneinanderlegt, den von damals und den von heute, dann gibt es - natürlich - viele Gemeinsamkeiten. Der Trainer lebt immer noch von seiner Leidenschaft, er lässt immer noch seinen Haudrauf-Fußball spielen. Aber es sind eben auch ein paar Unterschiede zwischen den beiden Klopps zu entdecken.

Das geht damit los, dass der Klopp von Kiew erfahrener ist als der von London. "Ich war damals viel aufgeregter. Ich dachte, so eine Chance hat man nur einmal im Leben. Und jetzt bin ich wieder hier", sagt er.

Der Trainer hat sich entwickelt zwischen seinen beiden Finals. Er ist resistenter geworden gegen verschiedene Arten von Stress, er kommt mit Rückschlägen besser zurecht und streitet weniger.

In Dortmund ist sein Projekt nach zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und dem Marsch ins Champions-League-Endspiel daran gescheitert, dass sich Schlüsselspieler wie Mario Götze und Robert Lewandowski zum FC Bayern abgesetzt haben.

Coutinho ging - Liverpool wurde besser

Auch in Liverpool musste Klopp einen Verlust hinnehmen. Anfang des Jahres wechselte Philippe Coutinho, der bis dahin beste Mann im Team, nach Barcelona. Der Trainer akzeptierte das und machte seine Mannschaft noch besser.

Erst nach dem Abschied des Offensiv-Vielseiters hat Klopp seine ideale Formation gefunden, mit drei Leuten im Mittelfeld und drei Stürmern. Außerdem ist die Mannschaft mittlerweile schwerer auszurechnen, weil nicht mehr alles über Coutinho läuft.

Auch andere Ungereimtheiten hat Klopp geschickt moderiert. Als im Herbst gegen Tottenham (1:4) und Sevilla (3:3 nach 3:0) die Schwächen in Liverpools Defensive dramatisch offengelegt wurden, hat er die Ruhe bewahrt und seinen Spielern weiter das Vertrauen geschenkt. Den Verlust seines langjährigen Assistenten Zeljko Buvac unter mysteriösen Umständen Ende April hat er, zumindest nach außen, gelassen genommen.

Zwischenfälle sind seltener geworden

Dem Klopp der Gegenwart gelingt es besser als dem früheren Klopp, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In seiner Dortmunder Zeit stritt er gerne mit dem Schiedsrichter, mit dem vierten Offiziellen, mit den Medien, mit Matthias Sammer. Solche Zwischenfälle sind seltener geworden. Klopp sucht sich seine Kämpfe abseits des Rasens sorgsamer aus - zum Beispiel, wenn er in verschiedenen Interviews sein Unverständnis über den Brexit erklärt.

Er wirkt entspannter als früher, nicht mehr so getrieben, auch nicht mehr so sehr von sich selbst eingenommen. Als bei der Pressekonferenz vor dem Finale gegen Real Madrid ein Journalist mit einer sehr tiefen, sehr heiseren Stimme eine Frage stellte, erkannte Klopp ihn. "Es ist nicht besser geworden, was? Ach, Ihre Stimme war schon immer so? Auch, als Sie zwei Jahre alt waren?", fragte er und lachte. Auch der Mann mit der tiefen Stimme lachte. Klopp macht sich mittlerweile nicht mehr über die Reporter lustig. Er amüsiert sich mit ihnen.

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Klopp vor Champions-League-Finale: Relax!

Ein Talent des Trainers war schon immer, viel aus seinen Möglichkeiten zu machen. In Liverpool gelingt ihm das vielleicht so gut wie noch nie. Jeder seiner Transfers in dieser Saison hat maximale Wirkung entfaltet. Das gilt für 80-Millionen-Mann Virgil van Dijk genau so wie für Andrew Robertson, der von Absteiger Hull City kam. Mohamed Salah wurde unter Klopp zum Anwärter auf den Titel als Weltfußballer. Und der eigentlich unauffällige James Milner ist plötzlich bester Vorbereiter der Champions League.

Klopps Dortmunder Projekt war beim Endspiel von Wembley übrigens auf dem Höhepunkt. Danach ging es abwärts. Das ist bei Liverpool anders. Die Mannschaft ist noch im Aufbau und wird zur neuen Saison weiter verstärkt mit Naby Keita aus Leipzig und möglicherweise auch mit Nabil Fekir aus Lyon.

Das Finale mit Dortmund war für den Trainer eine einmalige Chance, so sah er das damals. Über Liverpools Endspiel-Teilnahme sagt Klopp: "Ich glaube nicht, dass es für uns das letzte Mal ist."



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Seite 1
neowave 26.05.2018
1. In Klopp we trust!
Zitat: "In Dortmund ist sein Projekt nach zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und dem Marsch ins Champions-League-Endspiel daran gescheitert, dass sich Schlüsselspieler wie Mario Götze und Robert Lewandowski zum FC Bayern abgesetzt haben.". Wohl war - ich war davon überzeugt, in Dmdt. entsteht mit dieser Manschaft und Trainer was großes, was über Tag, Monat,Jahr hinaus Bestand hat und Maßstäbe setzen wird. Bis kurz vorm CL-Finale - mit der " sehr bedauerlichen" Indiskretion, dass Götze Dmdt. verlässt, war alles nur noch Schall und Rauch. Götze zahlt bis heute für diese Nummer... Davon abgesehen: Mein Traumfinale. Ich drücke den Reds alle greifbaren Daumen - ich gönne Klopp den Sieg von ganzem Herzen. Und mit einem bisschen Glück können`ses schaffen. Glück auf!
neowave 26.05.2018
2. In Klopp we trust!
Zitat: "In Dortmund ist sein Projekt nach zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und dem Marsch ins Champions-League-Endspiel daran gescheitert, dass sich Schlüsselspieler wie Mario Götze und Robert Lewandowski zum FC Bayern abgesetzt haben.". Wohl war - ich war davon überzeugt, in Dmdt. entsteht mit dieser Manschaft und Trainer was großes, was über Tag, Monat,Jahr hinaus Bestand hat und Maßstäbe setzen wird. Bis kurz vorm CL-Finale - mit der " sehr bedauerlichen" Indiskretion, dass Götze Dmdt. verlässt, war alles nur noch Schall und Rauch. Götze zahlt bis heute für diese Nummer... Davon abgesehen: Mein Traumfinale. Ich drücke den Reds alle greifbaren Daumen - ich gönne Klopp den Sieg von ganzem Herzen. Und mit einem bisschen Glück können`ses schaffen. Glück auf!
meresi 26.05.2018
3. Viel Glück
Poodles und Klopp, ihr werdet es brauchen können. Was ich schön finde ist, dass es hier dazu ein Forum gibt im Gegensatz zu dem Frommen Radfahrer, dem ich die Pest an den Hals wünsche, bzw hoffe ich dass der Rest des Feldes ihm den Sieg verweigert in irgendeiner Form. Ich weiß, ein Frommer Wunsch, naja, vielleicht geht er in Erfüllung
rkinfo 26.05.2018
4. Kaum Chance, aber für Liverpool Sternstunde
Real Madrid ist Überflieger und europäischer Verschuldungskönig. Liverpool ein gut ausgestatteter Profiverein. Warten wir mal auf ein gutes Spiel ;-)
hans.günter 26.05.2018
5. Wieviel
hat Real in dieser Saison an die SR bezahlt? Sie Juventus, Bayern, Liverpool: Drecksfoul (Salah) von Ramos wird mit Freistoß für ihn belohnt. Tor von Benzema: klar Abseits usw.
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