Klopp trifft auf Mourinho Special one gegen normal one

Jürgen Klopp gastiert mit dem FC Liverpool in Chelsea. Es ist das Duell zweier Startrainer. Feiert Klopp seinen ersten Ligasieg mit den Reds, könnte das José Mourinho den Job kosten.

Trainerstars Klopp, Mourinho: Duell an der Stamford Bridge
AFP

Trainerstars Klopp, Mourinho: Duell an der Stamford Bridge

Von


An den 27. April 2014 erinnern sich die Fans des FC Liverpool noch genau. Nur zu genau. Die Reds waren in diesen 36. und drittletzten Spieltag der Premier-League-Saison als Tabellenführer gegangen, mit einem Vorsprung von drei Punkten auf Manchester City. Der letzte "schwere" Gegner gastierte an diesem Sonntag an der Anfield Road: Chelsea, das selbst kaum noch Chancen hatte und schon fünf Punkte hinter dem Team von Brendan Rodgers zurücklag. Ein Sieg gegen die Blues und deren Trainer José Mourinho und der erste Meistertitel seit 24 Jahren wäre Liverpool kaum noch zu nehmen gewesen.

Dann, es war 15:50, lief die 45. Minute. Steven Gerrard, Liverpools Kapitän und der wohl beliebteste Spieler in der Geschichte des Klubs, rutschte an der Mittellinie aus. Demba Ba schnappte sich den freigewordenen Ball und erzielte das Führungstor für Chelsea. Das Spiel endete 0:2, Liverpool gab den Titel doch noch ab, und Gerrards Lebenstraum, nach dem FA Cup, dem Ligapokal, der Champions League und dem Uefa-Cup auch noch einen Meistertitel mit seinem Heimatverein zu feiern, war zerstört. Mourinho lief triumphierend die Seitenlinie des Stadions entlang.

Man muss diese Geschichte kennen, um zu verstehen, wie groß der Leidensdruck der Fans in Liverpool ist, und wie sehr sie Chelsea und José Mourinho hassen. Dessen Eskapaden halten viele Reds-Fans für die Antithese der Werte, die den englischen Fußball ausmachen sollten. Jetzt könnte Jürgen Klopp mit seinem neuen Klub die Entlassung des Portugiesen herbeiführen. Denn Mourinho erlebt gerade die schwerste Phase seiner Karriere. Titelverteidiger Chelsea ist nur 15. der Premier League, hat in der Champions League nur eines von drei Spielen gewonnen und ist unter der Woche gerade auch noch aus dem Ligapokal ausgeschieden.

Nur drei Mannschaften haben mehr Gegentore kassiert als die Blues, die traditionelle Stärke der Mannschaft, die Defensive, ist zum Problem geworden. Liegt es an der Verletzung von Keeper Thibaut Courtois, der für Monate ausfällt und von Asmir Begovic vertreten wird? Oder, wie viele vermuten, daran, dass Kapitän John Terry seinen Stammplatz verloren hat, was für Unruhe im Umfeld sorge?

Jedenfalls ist Mourinho noch dünnhäutiger als sonst. Seinen Unmut über die Schiedsrichter, die sein Team vermeintlich benachteiligen, hat zu Geldstrafen und einer zur Bewährung ausgesetzten Sperre geführt. Drei Wochen nach der Verhängung dieser Sanktion versuchte Mourinho in der Halbzeitpause des Spiels bei West Ham United (1:2 aus Sicht Chelseas), in die Schiedsrichterkabine einzudringen. Nur weil dieser neuerliche Vorfall erst nächste Woche verhandelt wird, muss der Coach das vielleicht letzte Spiel seiner Anstellung in Chelsea nicht von der Tribüne aus verfolgen.

In dieser Situation trifft Mourinho nun auf Jürgen Klopp, einen Trainer, der ihn bisher in drei von vier Duellen geschlagen hat. Das geschah jeweils mit Borussia Dortmund gegen Real Madrid. Bei Klopps Vorstellung in Liverpool hatte er sich kokett als "the normal one" bezeichnet, eine direkte Anspielung auf Mourinhos berüchtigte Aussage, als er nach Chelsea kam, er sei "a special one". Dennoch will Klopp keine bösen Worte über seinen Kontrahenten verlieren: Mourinho sei "ein netter Kerl, wenn man kein Schiedsrichter oder Journalist ist" - eine Einschätzung, die durchaus auf ihn selbst gemünzt sein könnte.

Anders als Mourinho hat der Deutsche seine Amtszeit in England gerade erst begonnen - aber schon gemerkt, wie schwer es wird, sein Versprechen, einen Titel nach Liverpool zu holen, wahr zu machen. Nach drei Unentschieden gab es für Klopp am Mittwoch im Ligapokal den ersten Sieg, ein 1:0 zu Hause gegen Bournemouth, bei dem der Trainer viele junge Talente einsetzte.

Der erste richtige Härtetest wartet jetzt. Der Druck lastet dennoch viel stärker auf Mourinho. Chelseas einziger Sieg in den letzten sieben Pflichtspielen war ein 2:0 zu Hause gegen Tabellenschlusslicht Aston Villa. Das einzige, was ihn trotz einer weiteren Niederlage im Job halten könnte, ist die Abfindung von 42 Millionen Euro, die Mourinho sich in seinen gerade erst verlängerten Vierjahresvertrag schreiben ließ. Dagegen ist die Lage für Jürgen Klopp tatsächlich ziemlich "normal".

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
studiumgenerale 31.10.2015
1. Offensive? Fehlanzeige!
Wenn ich mir die beiden Offensivstaerken beider Mannschaften anschaue, tippe ich auf ein Unentschieden, wahrscheinlich ein torloses.
chiefseattle 31.10.2015
2. alte Masche
Wie schon beim FC Porto, Inter Milano und Real Madrid bereitet Mourinho akribisch seinen eigenen Rausschmiss vor.
mikado17 31.10.2015
3.
was soll dieses ewige gelaber über Klopp? Der ist weg und das ist auch gut so!
flicflac 31.10.2015
4. Duell der Startrainer ????
Von was reden Sie, Herr Raecke ? Zwei Startrainer ? Es gibt im Vergleich Mourinho / Klopp nur einen einzigen Startrainer. Nämlich - José Mourinho! Mehrfacher Champions-League-Sieger mit versch. Mannschaften. Zig mal Meister mit versch. Mannschaften. Zig mal Pokalsieger mit versch. Mannschaften. Einer von nur 8 Trainer - Triple-Gewinner. Usw. Usw..... Bevor Sie schreiben sollten Sie sich mal die Biographie von diesem Supertrainer anschauen. Im Vergleich zu ihm muss sich der Trainer Klopp erst mal Fußball erklären lassen.
studiumgenerale 31.10.2015
5. #3 mikado17
Kloppo gehoert zu den wenigen Trainern, die Charisma haben und ihren Verein wirklich mit Herz und Blut beistehen. Alle, die es anders sehen, sind meines Erachtens nach Neider.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.