Klopp nach Liverpool-Gala "Im Moment fühlt es sich nicht so gut an"

5:2-Sieg, das Finale der Champions League ganz nah - Jürgen Klopp sprach nach Liverpools Erfolg von einer "brillanten" Leistung. Doch nach Abpfiff wirkte der Coach nicht wirklich froh.

Jürgen Klopp und Rom-Coach Eusebio Di Francesco in einer hektischen Schlussphase
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Jürgen Klopp und Rom-Coach Eusebio Di Francesco in einer hektischen Schlussphase

Aus Liverpool berichtet


Jürgen Klopp hatte den Kopf in die Hände gestützt. Er hörte dem Übersetzer zu, der seine Antworten ins Italienische übertrug, und schaute mit getrübtem Blick durch den aufgeheizten Pressesaal des Stadions an der Anfield Road. Klopp wirkte nicht besonders glücklich für einen Trainer, dessen Mannschaft gerade eines der spektakulärsten Europapokalspiele der jüngeren Vergangenheit deutlich gewonnen hatte und mit mehr als einem Bein im Finale der Champions League steht.

Die Gründe dafür waren nachvollziehbar. Vor allem war der deutsche Coach geknickt, weil er beim Halbfinal-Hinspiel gegen den AS Rom einen wichtigen Mann verloren hatte. Alex Oxlade-Chamberlain hatte sich schon nach einer Viertelstunde am Knie verletzt und musste mit einer Trage vom Platz gebracht werden. "Es ist wahrscheinlich eine schwere Verletzung. Wenn wir das schon vor dem Scan sagen können, verheißt das nichts Gutes", sagte Klopp und deutete das Saisonaus für den Mittelfeldspieler an.

Jürgen Klopp nach Abpfiff gegen Rom
AP

Jürgen Klopp nach Abpfiff gegen Rom

Auch die letzten Eindrücke der Partie trugen zu seiner gedrückten Laune bei. Seine Mannschaft hatte den Gegner phasenweise an die Wand gespielt, auseinandergenommen, in der Luft zerrissen: 5:0 stand es nach knapp 70 Minuten, jeweils zwei Tore erzielten die überragenden Mohamed Salah und Roberto Fimino, Sadio Mané traf zum zwischenzeitlichen 3:0.

Die Zuschauer an der Anfield Road waren nach diesen Szenen vermutlich schon bei der Reiseplanung für das Finale in Kiew Ende Mai. Da wirkte es am Ende fast enttäuschend, dass Klopps Mannschaft in den Schlussminuten noch zwei Treffer zuließ, zwei wichtige Auswärtstore für Rom.

Die Ausgangslage für das Rückspiel kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist für Liverpool nach dem 5:2-Erfolg natürlich immer noch blendend. Sie ist besser, viel besser, als zu erwarten war. Aber sie ist eben nicht so makellos, wie sie hätte sein können. "Im Moment fühlt es sich nicht so gut an. Aber morgen werden wir die guten Sachen an dem Spiel sehen. Wir waren brillant", sagte Klopp und gab damit den Blick frei auf den inneren Zwiespalt, mit dem er nach der Partie zu kämpfen hatte.

Es ist schwer, einen tieferen Grund dafür auszumachen, warum Liverpool auf den letzten Metern die Kontrolle verlor. Die Abwehrschwäche, die den Klub bis tief in diese Saison begleitet hatte, reicht nicht als Erklärung. Den Großteil des Spiels verteidigte Klopps Mannschaft tadellos. So lag der Trainer vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt, als er am Ende des Abends sagte: "Wir haben einen Fehler gemacht, der Schiedsrichter hat einen Fehler gemacht, so kamen die beiden Tore zustande."

Was er meinte, war der Stellungsfehler des oft kritisierten aber bis dahin souveränen Innenverteidigers Dejan Lovren vor dem ersten Gegentreffer durch Edin Dzeko und die Elfmeterentscheidung von Schiedsrichter Felix Brych, nachdem Liverpools Mittelfeldmann James Milner im Strafraum der Ball an die Hand geflogen war.

Klopp sprach diesen Satz übrigens ganz ruhig, ohne Zorn oder Empörung in der Stimme, er trachtete nicht danach, Schelte gegen den Unparteiischen zu betreiben. Stattdessen versuchte er, die späten Dämpfer sportlich zu nehmen. "Jetzt müssen wir in Rom wieder arbeiten. Das ist kein Problem. Das hätten wir auch gemusst, wenn wir 5:0 gewonnen hätten", sagte er.

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Liverpools Sieg gegen die Roma: Salah-ha-ha

Klopp weiß natürlich, dass Rom erst vor zwei Wochen ein sensationelles Comeback im Viertelfinale gelungen ist. Nach einer 1:4-Niederlage im Hinspiel gegen den FC Barcelona gewann Rom das Rückspiel vor eigenem Publikum 3:0. Beseelt von diesem Erlebnis sagte Trainer Eusebio Di Francesco mit Blick auf das zweite Treffen mit Liverpool: "Die Runde ist noch nicht vorbei. Wir können zurückkommen. Wer daran nicht glaubt, kann zu Hause bleiben."

Doch Liverpool kann zuversichtlich sein, vor allem wegen seiner Offensivabteilung. Die Schlagzeilen gehören Salah in dieser Saison, und das zurecht. Der Zugang aus Rom wurde gerade zu Englands Fußballer des Jahres gekürt und steht nach seinen beiden Treffern gegen seinen Ex-Arbeitgeber bei 43 Toren in 47 Spielen in allen Wettbewerben. Auch Firmino, der Ex-Hoffenheimer, und Mané sind ebenso unverzichtbar für Klopps Team. Zusammen haben die drei Stürmer in dieser Spielzeit im Europapokal schon öfter getroffen (28 Tore) als Real Madrid (26), setzen sich auch gegenseitig in Szene und bereiten einander die Tore vor.

Wer über eine solche Wucht im Angriff verfügt, kann auch die Champions League gewinnen. Er muss dafür nur ins Finale kommen.

PK vor dem Spiel: Klopp und der Übersetzer

insgesamt 27 Beiträge
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ge1234 25.04.2018
1. Nun ja...
... an die Wand gespielt haben die Reds die Römer nicht, vielmehr haben sie sie einfach überrannt! An den zwei Gegentoren merkt man die taktische Limitierung Klopps, den mit dem 5:0 sicheren Finaleinzug darf man 10 min vor Schluß einfach nicht verspielen.
Kudi 25.04.2018
2. Klopp hat sich ein großes Ziel gesteckt
Nachdem Herr Klopp das Land mit seinen Gedanken über Brexit beglückt hat, wäre es fatal, wenn er mit seinem Team im Final selbst den Brexit vollziehen würde.
Bueckstueck 25.04.2018
3. Ich würde mir auch Sorgen machen
Zu einem Gegner zu fahren der zwei Auswärtstore geschossen und zuvor Barça mit 3 Toren aus dem Wettbewerb gekegelt hat, würde mir auch Sorgen bereiten.
qewr 25.04.2018
4. Fcb!
Salah hat ja beim FCB das Fußballspielen so richtig gelernt.
flicflac 25.04.2018
5. Der Zähnefletscher Klopp
wird von vielen gemocht. Viele mögen ihn nicht. Seine bösartigen Grimassen an der Seitenlinie ( inzwischen mit schneeweißen Zähnen ), sein unflätiges Benehmen an der Seitenlinie ( das ihn schon sehr viel Geld gekostet hat ), seine fürchterliche Kleidung. Er lässt immer noch den gleichen Hurra-Fußball spielen wie in Dortmund, der sich in Deutschland dann irgendwann totgespielt hatte und die Mannschaft bis zum 18ten Platz durchgereicht wurde. Mal sehen wie schnell auch die Römer diese Art Fußball enträtseln können. 3:0 Tore gingen auch gegen Barca.
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