Heynckes-Abschied in München Auf Wiedersehen!

Real Madrid? Ruhestand! Jupp Heynckes hat auf dem Zenit seinen Abschied vom FC Bayern München erklärt. Nach dem Triple-Gewinn geht der Trainer in Rente und zieht sich auf seinen Bauernhof zurück. Aber bleibt er dort auch?

Von Sebastian Winter, München


Jupp Heynckes zelebriert diesen Tag, er wirkt gelöst, fast glücklich, und am Ende, nach fast eineinhalb Stunden, gibt es sein Lieblingsgericht: Rheinischen Sauerbraten mit Rotkohl, Klößen und Rosinen. Der scheidende Cheftrainer des FC Bayern München hat in dunklem Anzug, kariertem Hemd und Jeans in die Bayern-Arena geladen, um sich in aller Öffentlichkeit von dem Verein zu verabschieden, mit dem er vor vier Tagen das Triple und vor elf Tagen die Champions League gewonnen hat. Ein paar Meter neben Heynckes glänzen die auf einer Anrichte drapierten Pokale.

Wie erwartet und entgegen allen Spekulationen kehrt er dorthin zurück, wo er herkam vor zwei Jahren, um jenes Team zu formen, dem nun der größte Erfolg der Vereinsgeschichte und im deutschen Fußball gelungen ist: In den Ruhestand, zurück auf seinen Bauernhof bei Mönchengladbach und zu seiner Frau. "Ich habe ihr im letzten Sommer gesagt, dass ich meinen Vertrag beim FC Bayern erfüllen und dann nicht mehr weitermachen werde", sagte Heynckes. "Ich habe keinen Urlaub gehabt, der Trainerjob bei den Bayern bringt einen ans Limit und ging zuletzt auch an die körperliche Substanz."

Es hätten sich zuletzt viele Vereine bei ihm gemeldet, erzählt der 68-Jährige, "reiche Clubs, wo das Geld keine Rolle spielt, Clubs, wo man viel Sonne hat und Urlaub machen kann". Die ganze Fußballwelt schien zuletzt an diesem nur an Jahren alten Trainer Interesse gehabt zu haben - doch Heynckes möchte jetzt erst einmal selbst Ferien machen. "Ich werde mich ins Private zurückziehen und am 1.7. weder im Inland noch im Ausland ein Engagement eingehen."

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Die Trainerkarriere von Jupp Heynckes: Vom Bökelberg zum Triple
Ins Kino und Essen möchte er mal wieder gehen, Konzerte von Zucchero oder Bruce Springsteen sehen, sich um seinen Hund Cando kümmern. "Ich habe schon gestern zu Hause den Frühstückstisch gedeckt, meiner Frau Obst geschält und den Müll runtergebracht. Es hat sich bei mir auch nach dem Triple nicht allzu viel verändert."

Aber Heynckes ließ sich auch ein Hintertürchen offen. "Ich persönlich habe etwas gegen das Wort 'endgültig'. Aber es gibt auch ein Leben nach dem Berufsleben."

Heynckes hat es noch nie in die Öffentlichkeit gedrängt, er ist kein Mann, der sich im Scheinwerferlicht wohlfühlt und auch kein großer Rhetoriker. Er scheint dort mitunter nervös, seine Stimme brüchig zu sein. Doch wie er so aus dem Nähkästchen plauderte zwischen dem Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und dem mit seiner Steueraffäre belasteten Präsidenten Uli Hoeneß, da wirkt Heynckes locker und irgendwie befreit: Befreit von der Last des Gewinnen-Müssens, denn nichts anderes spürte er auch beim letzten seiner drei Trainer-Engagements in München.

Heynckes spricht an diesem Tag viel über Stellschrauben, an denen vergangenen Sommer gedreht worden sei. Er meint die wichtigen Einkäufe von Spielern wie Javier Martínez oder Mario Mandzukic, außerdem die taktischen Kniffe, selbst Individualisten wie Arjen Robben oder Franck Ribéry mit Defensivaufgaben zu betrauen und das Defensivpressing nach vorne zu verlagern. Zugleich hat er geschafft, was Trainern bei den Bayern nur selten gelingt. Die Mannschaft zu zähmen und zu motivieren, so dass sie am Ende wie ein verschworener Haufen wirkte.

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DFB-Pokal-Finale: Heynckes letzte Party

Während die Bayern-Verantwortlichen Lobeshymnen auf Heynckes sangen, sprach Heynckes recht kühle Abschiedsworte an Sportdirektor Matthias Sammer und Rummenigge. Als er allerdings auf seinen Freund Uli Hoeneß zu sprechen kam, verdrückte er ein paar Tränen. "Als er mit dem Flugzeug 1982 abgestürzt ist, habe ich ihn nach einer Woche angerufen im Krankenhaus. Am Ende des Gesprächs sagte er: 'Irgendwann wirst du Trainer des FC Bayern.'" Fünf Jahre später verpflichteten die Münchner Heynckes zum ersten Mal.

Sein Vermächtnis wird nun zum Prüfstein für den neuen Bayern-Trainer Pep Guardiola, der den Spielstil Barcelonas verfeinerte. "Uli Hoeneß hat mich irgendwann gefragt, wann der FC Bayern spielt wie Barcelona. Ich sage jetzt: Bayern spielt nicht wie Barcelona, sondern moderner, zeitgemäßer und erfolgreicher. Vielleicht ist das im Moment die beste Mannschaft der Welt", sagt Heynckes.

Es ist ein Satz, der die Brücke in die Zukunft schlägt und zugleich Sprengkraft hat. Denn das wird der Maßstab für Guardiola sein, wenn er Ende Juni seine Arbeit in München beginnt.

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frundsberg45, 04.06.2013
1. Juppjuppjupp
Zitat von sysopREUTERSReal Madrid? Ruhestand! Jupp Heynckes hat auf dem Zenit seinen Abschied vom FC Bayern München erklärt. Nach dem Triple-Gewinn geht der Trainer in Rente und zieht sich auf seinen Bauernhof zurück. Aber bleibt er dort auch? http://www.spiegel.de/sport/fussball/jupp-heynckes-abschied-von-bayern-absage-an-real-a-903756.html
Ich dachte ja, er wird mit Real Madrid einig, aber so ist es besser. Er soll eine Auszeit nehmen bis nach der WM 2014. Herr Löw wird eh wieder ein Turnier vergeigen und dann kann Herr Heynckes zum "Bundes-Jupp " ernannt werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, denn er kann mit Stars, wie man gesehen hat, umgehen.
raber 04.06.2013
2. Steuer-Hoeneß und Rolex-Rummenigge
Eine sehr bewegte Laufbahn von Herrn Heynckes und er hat nicht aufgegeben. Bei dem Erfolg und seinem Alter gönnt man es ihm auch wenn er sich auf seinen Bauernhof zurückzieht. Und wenn er später doch wieder Trainer sein will, ist es auch in Ordnung. In der Nähe von Steuer-Hoeneß und Rolex-Rummenigge mitsamt den Doppelmoral-Aposteln von Audi, Adidas, Telekom und VW ist bestimmt nicht gesund; aber dies wird ja nun Pep erleben dürfen.
ihatezensur 04.06.2013
3. Ob die Bayern wirklich zu einer großen Geste fähig sind?
Eine solche wäre es, Heynckes als Abschiedsspiel den Weltpokal zu geben. Schließlich hat er ihn sich verdient. Aber wahrscheinlich muss man Pep wenigstesn einen Titel im ersten Jahr zuschustern.
rolfseul 04.06.2013
4. Jupp Heynkes
Wenn man ihm zu etwas gratulieren kann, dann ist es die fast übermenschliche Tat, die Mannschaft, den Vorstand und das Umfeld, auf eine Linie gebracht zu haben. Das ist vor ihm noch niemandem gelungen! Wie er schon sagte, hat ihn das sehr viel Kraft gekostet. Das nehme ich ihm unbesehen ab. Man kann ihm nur alles, alles Gute wünschen und das er bei Gesundheit noch viel und oft vortragen darf, wie er das gemacht hat, mit dem unter einen Hut bringen!!!
cafe_kehse 04.06.2013
5. Jupp, hören Sie auf! Es gibt keine Steigerung mehr...
Mit 68 Jahren war es Jupp Heynckes vergönnt, das Höchste, was ein europäischer Vereinstrainer gewinnen kann, zu erreichen. Es kann nur noch bergab gehen. Da sollte man aufhören, zumal man mit 68 über der Rentengrenze ist. Ich habe ihn ohnehin bewundert, wie er mit 20-Jährigen umgehen konnte. Beim ersten Anflug von Misserfolg wird man ihm sein Alter vorhalten. Jupp Heynckes war als Nationalspieler fast immer etwas von Pech verfolgt. Er stand zwar 1972 in der EM-Siegermannschaft, bei der WM 74 war er nur Reserve. Er hatte immer das Pech, dass ein Gerd Müller, zumindest bis 1974 seinen Stürmerposten einnahm. Ich kannte ihn noch als blutjungen Stürmer Anfang 1967, als es um die Nachfolge des Uwe Seeler ging. Seine ersten Spiele gegen Marokko und Bulgarien habe ich als kleiner Junge verfolgt. Er galt als DER Seeler-Nachfolger, Müller hat ihm aber dann den Rang abgelaufen. Seine Zeit bei Hannover 96 hat Heynckes zurückgeworfen, 96 war nicht so aktuell und hatte keine Lobby bei Schön. Warum bei der EM 1976 oder der WM 1978 Jupp nicht zum Zuge kam, als Müller bereits seinen Rücktritt vollzogen hatte, weiß wohl nur Schön selbst. Der gelernte Stukkateur hat sich als Trainer zum angesehenen, weltmännischen Trainer gemausert ("Don Jupp" war sein Spitzname in Spanien). Ich hätte Heynckes gerne als Bundestrainer spätestens nach Ribbeck gesehen, seine ruhige Art als Rheinländer hat mir immer gefallen. Falls Jupp hier mitliest: Hören Sie auf dem Höhepunkt auf, genießen Sie Ihr Leben. Sie waren ein ganz Großer Ihres Faches, leider immer etwas unterschätzt. Alles Gute für Sie!
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