Heynckes-Präsentation beim FC Bayern Ruhepuls 60

Jupp Heynckes kehrt zur Familie des FC Bayern zurück und genießt seinen ersten Auftritt als neuer Bayern-Trainer. Dabei bestätigen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge überraschend interne Differenzen.

Karl-Heinz Rummenigge (l.), Jupp Heynckes und Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.)
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Karl-Heinz Rummenigge (l.), Jupp Heynckes und Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.)

Von Florian Kinast, München


Mittendrin gab es großes Gelächter. Jupp Heynckes wurde gefragt, was letztlich den Ausschlag gegeben hatte, doch wieder zum FC Bayern zurückzukehren. Heynckes hob an, erzählte von intensiven Gesprächen zu Hause auf dem Bauernhof in Schwalmtal mit Frau Iris und Tochter Kerstin und sagte: "Dann hat Cando zweimal gebellt. Dann war das Ding in trockenen Tüchern."

Cando ist sein Schäferhund. Neben Heynckes saßen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, das Triumvirat war wieder vereint auf dem Podium, der 72-jährige Heynckes neben den alten Granden des FC Bayern. Drei Männer, 199 Jahre.

Es ging sehr harmonisch zu, am Montag in der Allianz Arena, bei der Präsentation des neuen alten Bayern-Trainers. Wie bei einer feierlichen Familienzusammenführung. Es mutete nicht wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes an, altersbedingt mehr wie die des verlorenen Großonkels. Uli Hoeneß sagte: "Ich freue mich, dass mein ziemlich bester Freund wieder beim FC Bayern ist."

Heynckes war also wieder da, und wie er da war. Mochte er auch noch so bemüht über die Vorzüge seines Rentnerdaseins seit 2013 plaudern, übers Gassigehen mit Cando, die halbe Stunde Schwimmen am Morgen oder die Theaterbesuche: Der einstündige Auftritt reichte, um zu zeigen, welch Wohltat es für ihn ist, nun wieder als Trainer gebraucht zu werden. Heynckes sagte: "Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich der richtige Mann bin."

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Rückkehr von Jupp Heynckes: Der Freundschaftsdienst

Am Ende stellte ein südamerikanischer Reporter noch Fragen zu Arturo Vidal und James Rodríguez. Heynckes antwortete fehlerfrei in grammatikalisch ordentlichem Spanisch mit niederrheinischem Einschlag. Wieder Spanisch mit der Presse zu sprechen, auch das genoss er.

Der zehnminütige Monolog gleich zu Beginn war eine Liebeserklärung an den FC Bayern. Von verschiedenen Angeboten europäischer Spitzenklubs sprach er, die er alle abgelehnt habe. Bis dann vergangene Woche Hoeneß anrief und ihn nach einer vierten Amtszeit in München fragte, und er sich in der Pflicht fühlte. "Ich habe dem FC Bayern viel zu verdanken, das war das Sprungbrett für meine internationale Karriere." Und voller Stolz erzählte Heynckes auch von seinen medizinischen Werten nach einem Gesundheitscheck eines befreundeten Internisten vor drei Tagen: "Blutdruck 120 zu 90. Ruhepuls 60." Als Beweis, dass er sich noch lange nicht zu alt fühlt für den Job.

Es sprudelte aus ihm heraus, wie früher kreisten die Augen hektisch durchs Auditorium mit den dutzenden Reportern vor ihm. Wenn er mal ins Stocken geriet, errötete sein Kopf. Mitunter nervös und hektisch, aber doch ganz klar in der Ansage.

"Wieder eine klare Hierarchie installieren"

So vage und unverbindlich sich Carlo Ancelotti zumindest in den letzten seiner 15 eher glücklosen Monaten gegeben hatte, so konkret wurde Heynckes bei seinem ersten Auftritt: "Wichtig ist es, wieder eine klare Hierarchie zu installieren, den Spielern wieder Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zu geben." Oder: "Meine Aufgabe ist es, wieder eine Mannschaft zu formen, wo der eine für den anderen da ist." Oder: "Es ist ja kein Geheimnis, dass Thomas Müller unter seinen Möglichkeiten bleibt oder dass Jérôme Boateng nicht der Boateng der Saison 2012/2013 ist." Deutliche Worte.

Aus dem Ruhestand zum Rekordmeister

Natürlich würdigte der höfliche Herr Heynckes seinen Vorgänger Ancelotti als "Gentleman und ganz großen Trainer". Und doch machte er klar, dass ihm auch auf seinem Alterssitz am Niederrhein die großen Probleme bei den Bayern nicht entgangen waren. Wie Ancelotti die Spieler angeblich nicht mehr erreichte, wie sich kleine Grüppchen gebildet haben sollen und vielen Spielern das Ego zuletzt wichtiger gewesen sein soll als der Erfolg der Mannschaft.

Konkrete Ziele zu Titeln wollte er keine äußern, er sagte nur: "Ich habe einen ganz klaren Plan, ich weiß, wie ich das anfassen muss. Es liegt viel Arbeit vor uns." Die Arbeit begann nur wenig später, um 15:30 Uhr leitet Heynckes das erste Training an der Säbener Straße.

"Unebenheiten" zwischen Hoeneß und Rummenigge

So gehörte die Aufmerksamkeit an diesem Tag allein Heynckes, an seiner Seite wirkten Rummenigge und Hoeneß mehr wie schmückendes Beiwerk. Und doch rückten sie sich kurz in den Mittelpunkt, als sie erstmals öffentlich Differenzen untereinander eingestanden. Von "Unebenheiten" sprach Hoeneß. "Wir haben das zuletzt zu sehr in die Öffentlichkeit getragen. Jetzt haben wir intensive Gespräche geführt, diese Dinge werden nicht mehr passieren." Und auch Rummenigge, der zudem eine Entscheidung über die Zukunft des Interimstrainers Willy Sagnol für die kommenden Tage ankündigte, sprach von "guten, wichtigen und überfälligen Gesprächen" mit Hoeneß.

Einig wollen sie sich zumindest in der Personalie Heynckes gewesen sein. "Er wird alle Probleme und Baustellen befrieden, um am 1. Juli die Mannschaft besenrein zu übergeben", sagte Hoeneß. Wer dann die qualifizierte Reinigungsfachkraft Heynckes beerben wird, werde erst 2018 entschieden, wie Rummenigge mit einem bemerkenswerten Satz sagte: "Dazu werden wir uns intern beraten und befruchten."

Heynckes wird sich dann im Sommer 2018 wieder zu Iris, Kerstin und Cando nach Schwalmtal zurückziehen. Bis zum nächsten Anruf von Uli Hoeneß. Bis zur fünften Amtszeit.

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uli_san 09.10.2017
1.
"Heynckes wird sich dann im Sommer 2018 wieder zu Iris, Kerstin und Cando nach Schwalmtal zurückziehen. Bis zum nächsten Anruf von Uli Hoeneß. Bis zur fünften Amtszeit." Oder bis zur Verlängerung der vierten. Zu Bayern passende Trainer sind nicht leicht zu finden.
rösti 09.10.2017
2. Ja
Jupp Heynckes kehrt zur Familie zurück..... auf diese Eltern würde ich nicht setzten , den beide haben den Dolch im Gewande! Früher hatten Kaufleute einen Ehren Kodex, der gilt bei den zwei nicht- als Vorbestrafte währe ein wahrer Kaufmann nicht an die Spitze einer Firma zurück gekehrt! Es sei denn im Aufsichtsrat sitzen noch mehr............ ??!Jedenfalls eins ist sicher der Mythos Bayern ist gebrochen, wo Panik herrscht ist das Ende nahe.
nadennmallos 09.10.2017
3. Also so läuft die Zukunft der Bayern und zwar ...
... 2018 gewinnt der FC unter Jupp das Triple, 2019 auch und 2020 sowieso. Es handelt sich damit um ein Triple-Triple! Und der Jupp ist der erste, dem ich das gönnen würde.
brotherandrew 09.10.2017
4. Heynckes ...
... ist derzeit die beste Lösung. Aufgrund der vielen englischen Wochen bis zum Jahresende un der deshalb geringen Trainingsmöglichkeiten können die Bayernbosse nicht ernsthaft Platz 1 in der Bundesliga bis zur Halbzeit erwarten. Minimalziel für die gesamte Saison wird das Erreichen der CL im nächsten Jahr sein und ein Verbleiben in der CL. Beides ist im bereich des Möglichen. Sollte mehr herausspringen, dann wird man Heynckes feiern. Sollte es weniger werden, wird man ihm trotzdem dankbar sein.
wasistlosnix 09.10.2017
5. Vergangenheit
Heynckes musste gehen weil mit Guardiola die Zukunft kam. Jetzt kehrt die Vergangenheit zurück. Gesund kann das nicht sein.
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