Heynckes-Rückkehr zu den Bayern Auf Nummer sicher

Der treue Jupp Heynckes kehrt offenbar noch einmal zum FC Bayern zurück, um die Krise beim Rekordmeister zu befrieden. Präsident Uli Hoeneß hat sich noch einmal durchgesetzt. Der Verein scheut damit das Risiko.

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Von der "Sensation des Jahres" war gestern in ersten Medienreaktionen die Rede, das ist sie ganz bestimmt nicht. Jupp Heynckes wird, so meldeten es die "Bild"-Zeitung und die "Sport Bild", zum vierten Male das Traineramt beim FC Bayern übernehmen. Er ist so etwas wie die stille Reserve des Klubs, das menschliche Festgeldkonto des FC Bayern. Wenn der Verein in Not ist, steht der treue Jupp Heynckes bereit. Daher ist die Reaktivierung des 72-Jährigen nicht nur ein erwartbarer Schritt gewesen, der Klub greift damit auch zur sicheren Variante.

Heynckes bis zum Saisonende, dann vermutlich der junge Julian Nagelsmann aus Hoffenheim mit der klaren Aufgabenbeschreibung, ab der kommenden Spielzeit einen neuen, frischen FC Bayern zu bauen. Das ist das Kalkül von Vereinspräsident Uli Hoeneß, es ist eine kurzfristig relativ risikofreie Strategie. Mit Heynckes, Hoeneß' altem Schafkopf-Kumpel, weiß man, wen man hat. Der Trainer wird in München auf ewig mit dem Triple 2013 verbunden werden, selbst wenn es in dieser Saison nichts werden sollte mit einem Titel, wird dies seinem Ruf nicht mehr schaden. Im Gegenteil: Ihm wird hoch angerechnet werden, dass er sich in Krisenzeiten noch einmal bereit erklärt hat, dem Klub zu helfen.

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Rückkehr von Jupp Heynckes: Der Freundschaftsdienst

Dazu ist Heynckes einer, der eine Mannschaft befrieden kann, der die schwierigen Stars wie Arjen Robben gut kennt und mit ihnen umzugehen versteht. Nach den Aufwallungen der Vorwochen wollten die Bayern-Bosse, in vorderer Linie Hoeneß, nicht wieder einen, der das Mannschaftsgefüge infrage stellt. Bloß keinen anstrengenden Trainer. Mit anderen Worten: bloß nicht Thomas Tuchel.

Tuchels Ruf hat die Bayern-Bosse vorsichtig gemacht

Der frühere Dortmunder Coach wäre frei gewesen, er wäre sicherlich einer, der in der Liga und in der Mannschaft neue Impulse gesetzt hätte. Tuchel bei Bayern, das hätte man allein deswegen gern gesehen, um zu beobachten, ob so etwas gut gehen kann. Aber der Trainer hat durch seine Zeit in Dortmund, durch die Negativmeldungen über seinen Umgang mit einzelnen Spielern und Vereinsmitarbeitern mittlerweile einen Ruf, der die Bayern-Bosse offenbar vorsichtig gemacht hat. Das Kapital des Vereins, die teuren und anspruchsvollen Spieler, sollten nicht wieder in Gefahr geraten, beschädigt zu werden. So wie das aus Sicht der Vereinsführung durch Carlo Ancelotti geschehen ist.

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Zudem wäre mit Tuchel die Lösung Julian Nagelsmann praktisch erledigt gewesen. Tuchel ist kein Interimstrainer, den man für ein Dreivierteljahr engagieren kann, um ihn dann durch einen anderen zu ersetzen. Es heißt, Karl-Heinz Rummenigge wäre dennoch dieser Lösung nicht abgeneigt gewesen, Hoeneß hat sich mit seinen Vorstellungen jetzt noch einmal durchgesetzt. Wie so oft.

Der Präsident und der Vorstandsvorsitzende - viele Jahre wurden sie in der Öffentlichkeit als monolithischer Block wahrgenommen, die Bayern-Bosse, zwischen die kein Blatt Papier passte. Aber seit der Rückkehr von Hoeneß ins Präsidentenamt werden zunehmend Differenzen zwischen Hoeneß und Rummenigge kolportiert, das böse Wort Machtkampf steht im Raum. Die Besetzung des Sportdirektor-Postens, die Asienreise vor Saisonstart, die Bewertung des Lewandowski-Interviews im SPIEGEL, zuletzt die Trennung von Ancelotti - in allen Fragen nahm man von Rummenigge andere Interpretationen wahr als von Hoeneß. Früher wäre das undenkbar gewesen.

Wie sich diese Zweier-Beziehung entwickelt, wird für die Zukunft des Vereins entscheidend sein. Weit wichtiger als die Frage, ob Jupp Heynckes am Ende der Saison mit oder ohne Meistertitel dasteht.

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peeka(neu) 05.10.2017
1. Was?
---Zitat--- in allen Fragen nahm man von Rummenigge andere Interpretationen wahr als von Hoeneß. Früher wäre das undenkbar gewesen. ---Zitatende--- Hinsichtlich der Trainerfrage hatte man doch fast immer den Eindruck, der eine hätte sich gegen den anderen durchgesetzt. Spätestens seit Klinsmann ist das bekannt. Dennoch fühlt sich Heynckes wie eine Satire an analog Rehhagel vor ein paar Jahren als (erfolgloser) Hertha-Feuerwehrmann. Ich hatte auf Gerland getippt, aber vielleicht bekommt er unter Heynckes auch wieder eine größere Bedeutung.
spon_2937981 05.10.2017
2. Gute Freunde...
Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein. Weil sie eines im Leben können: füreinander da zu sein! Wow, Heynckes erweist Hoeneß erneut einen Freundschaftsdienst und nimmt das Risiko in Kauf, sein Denkmal zu beschädigen. Soviel Verbundenheit rührt einen fast zu Tränen. Heynckes ist eine der größten Legenden des Vereins, mehr Erfahrung und Autorität geht nicht. Viel Erfolg, Jupp! Selbst wenn die Saison sportlich in die Hose gehen sollte: wichtig ist, dass die Bayern wieder eine Einheit werden und nicht am Ende die Mannschaft auseinander fällt.
bretschneider 05.10.2017
3. erwartbar ?
also ich habe den namen in keiner vorschau gelesen, auch nicjt bei spon. im nachhinein hat mans immer gewusst ... ;-) aber ok, "totale überraschung" würd ich s jetzt auch nicht nennen ... viel glück jupp, auf das ihr wenigstens cl spielen könnt ... ;-))
ralle58 05.10.2017
4. Männer von gestern
holen einen Trainer von vorgestern. Erstaunlich, dass Herr Heynckes sich das antut und so seinen Heldenstatus auf' s Spiel setzt. Und Herr Nagelsmann ist ab sofort die lame duck in seinem Verein.
halverhahn 05.10.2017
5. Warum wird immer so viel unnötiges hineininterpretiert?!
Ich bin definitiv kein Bayern-Fan. Aber nimmt die Entscheidung doch einfach mal hin und spekuliert nicht, warum und weshalb, wer war evtl im Bayern-Vorstand dagegen oder dafür? Wäre Tuchel oder Trainer xyjetzt nicht doch besser und laber Rhabarber... Sowas von unnötig. Bayern holt nächste Saison nen anderen Trainer und aus die Maus! Bis dahin macht es halt Heynckes!
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