Bayern-Unentschieden in Turin Große Leistung mit kleinem Makel

Gedrückt, getroffen, geführt - gestoppt: Der FC Bayern hat in Turin erst dominiert und dann doch noch einen Rückschlag kassiert. Zum Pechvogel der zweiten Hälfte wurde der überragende Mann der ersten. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ausgangslage: Tabellenführer Italiens gegen Tabellenführer der Bundesliga, ein Champions-League-Duell der Champions, der Traditions-Giganten oder wie es Juve-Torwart Gianluigi Buffon ausdrückte: "eigentlich ein Halbfinale". Viel Größe also, aber auch wenig - in der Abwehr der Münchner. Würden Juan Bernat, David Alaba, Joshua Kimmich und Philipp Lahm (im Schnitt 1,76 Meter groß) so knapp über der Grasnarbe die Übersicht behalten?

Ergebnis: 2:2 (0:1). Hier geht's zum Spielbericht.

Aufstellungen:

Turin: Buffon - Lichtsteiner, Bonucci, Barzagli, Evra - Khedira (68. Sturaro), Marchisio (46. Hernanes), Pogba, Cuadrado - Mandzukic, Dybala (75. Morata)
München: Neuer - Lahm, Kimmich, Alaba, Bernat (74. Benatia) - Vidal, Thiago - Robben, Müller, Douglas Costa (84. Ribéry) - Lewandowski

Aufwärmprogramm: "J" gegen "Berni". "J" ist ein Zebra und das Maskottchen von Juventus, Berni heißt der Bayern-Bär. Beide wurden von ihren Klubs vor dem Spiel in den sozialen Netzwerken als dicke Kumpels präsentiert, "J" holte Berni vom Flughafen ab, danach besuchten sie Kinder und zeigten sich in allerlei freundschaftlichen Posen. Es blieb nur die Hoffnung, dass es auf dem Platz nicht auch zugehen würde wie im Streichelzoo.

Erste Halbzeit: Wenn Sie irgendwann Ihren Kindern oder Enkeln erklären sollen, woher die Weisheit "Angriff ist die beste Verteidigung" kommt, raunen Sie einfach: "Damals, die Bayern in Turin…" Diese attackierten so früh und standen so hoch, dass es fast schon lebensmüde wirkte. Und der Plan, das Spielgeschehen so weit wie möglich vom eigenen Strafraum und den kleingewachsenen Verteidigern fernzuhalten, ging auf. In der 20. Minute kam Juve zum ersten Freistoß, in der 42. zur ersten Ecke. Der Rest war Bayern-Dominanz mit Großchancen (Lewandowski) und Riesenchancen (Müller). Und einem verdienten 1:0 durch Müller nach Vorarbeit von Robben und Costa.

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Einzelkritik Bayern München: Robben wie in alten Zeiten
Zweite Halbzeit: Erzählen Sie Ihren Kindern und Enkeln doch bei der Gelegenheit noch die Geschichte von Arjen Robben, der den immer gleichen Trick immer wieder anwendete und immer wieder Erfolg damit hatte. Sein Signature-Move (von rechts nach innen ziehen und mit links schießen) brachte in der 55. Minute das 2:0. Die Entscheidung war das überraschenderweise aber nicht. Zwei Fehler von Kimmich (siehe Pechvogel des Spiels) ermöglichten Juve noch zwei Treffer zum Ausgleich.

Jubilar des Spiels: Philipp Lahm. Absolvierte sein 100. Champions-League-Spiel. "Wie ein kleiner Junge" habe er damals ausgesehen, erinnerte sich Lahm an die Bilder seiner Einwechslung, damals, am 13. November 2002 gegen den RC Lens (3:3). Mehr als 13 Jahre später hat der Kapitän dreimal das Finale erreicht, einmal den Titel gewonnen - und immer noch kein Tor erzielt.

Pechvogel des Spiels: Joshua Kimmich. War in der ersten Hälfte noch der Ballmagnet, brachte die zweitmeisten Pässe zum Mitspieler (36). In der zweiten Halbzeit dann die Mithilfe bei beiden Gegentoren. Erst ließ Kimmich den Ball unglücklich auf Mandzukic prallen, der das 1:2 von Paulo Dybala auflegte (63.) In der 76. kam der 21-Jährige zu spät gegen Stefano Sturaro.

Wiedersehen des Spiels: Mario Mandzukic und Arturo Vidal. Der Kroate Mandzukic war für die Münchner CL-Finaltorschütze 2013, kam dann mit Bayern-Trainer Pep Guardiola nicht klar, schied im Unfrieden aus und landete über Umwege in Turin. Vidal war für Juve der Anführer im Finale 2015, ging in Freundschaft und wird dort noch heute geliebt. Beide blieben im Spiel ohne eigenen Treffer, beide hätten aber treffen können.

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Bayern gegen Juve

Wer setzt sich im Rückspiel durch?

Köpfe des Spiels: Mario Mandzukic und Robert Lewandowski. Mitte der zweiten Halbzeit standen sich die beiden Stürmer Kopf an Kopf gegenüber, erst stieß Mandzukic, dann stieß Lewandowski mit aufgelegtem Kopf zurück. Kurz war Finalstimmung, beide standen sich ja schon im CL-Endspiel 2013 gegenüber, Mandzukic im Trikot der Bayern, Lewandowski bei Borussia Dortmund. Passend zum Ergebnis hatte ihr Duell in Turin keinen Sieger.

Im Video: Thomas Müller zur verspielten Führung



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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
Reziprozität 24.02.2016
1. Tolles Fussballspiel!
Tolles Fussballspiel. Sieht man sonst so nicht in der Bundesliga oder Premier League. 63 Minuten hat Bayern Juve in und aus dem Sack gespielt vom Feinsten und war verdient 2:0 in Führung (es hätte leicht 3:0 oder 4:0 stehen können), da fällt eher zufällig der Anschlusstreffer, und von da ab war es ein absolut rassiges und rasantes Fussballspiel, das dann letztendlich verdient 2:2 endete. Grosser Sport. Wenn jetzt noch die Journalisten darauf verzichten würden den jungen Joshua Kimmich zum Loser bzw. "Pechvogel" des Spiels hochzujazzen, wäre eigentlich alles perfekt. Ein Champions League-Abend wie aus dem Bilderbuch, zumal auch Barca in Halbzeit zwei in London auftaute.
verruca 24.02.2016
2.
2:2 auswärts? gekauft! Falls die Bayern zuhause verlieren haben sie's eh nicht verdient. Das Spiel war grandios. Egal wie's weitergeht: So soll Fußball! So und nicht anders! Sehr schöne 90+ Minuten! Alle waren happy! Fairplay auch nach dem Schlusspfiff. Wunderbar! Einziger Wermutstropfen: Marcel Reif! Was wollte der eigentlich mit dem "klaren 11M" gegen Bayern? Wo zum Teufel soll Vidal denn seinen Arm packen?
leja1900 24.02.2016
3. geil, geil, geil...
großen respekt und herzlichen dank an juve und bayern. fußballherz was willst du mehr? gerechtes unentschieden und die messlatte fürs rückspiel liegt jetzt verdammt hoch.
Pelao 24.02.2016
4. Nun ja ...
... großes Lob für die Bayern ... Sieger aber sehen anders aus ... der Verein bereitet sich auf das doppelte "fast" vor ... fast Champions-League Gewinner und fast Pokal-Sieger ... Servus und Goodbye Pepe ... mal sehen, welche Sau demnächst durchs Dorf getrieben wird ...
bausa 24.02.2016
5. Topspiel
Einfach saublöd angestellt und dumm gelaufen für die Bayern.Das Viertelfinale ist trotzdem ereichbar.
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