Juves Ronaldo und ManUniteds Pogba Treffen aus der Vergangenheit

Das Champions-League-Duell zwischen Juventus und Manchester United wird auch zum Wiedersehen der beiden Topstars Cristiano Ronaldo und Paul Pogba mit ihren alten Vereinen. Die Rollen sind klar verteilt.

Cristiano Ronaldo (l.), Paul Pogba
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Cristiano Ronaldo (l.), Paul Pogba

Aus Turin berichtet


Als Cristiano Ronaldo 2003 zu Manchester United wechselte, war Paul Pogba zehn Jahre alt. Er stakste mit seinen damals schon langen Storchenbeinen durch Roissy bei Paris, kickte in seiner Jugendmannschaft und träumte vermutlich davon, irgendwann mal in der Premier League zu spielen. England wurde damals zum neuen Glücksversprechen für jeden Jungprofi, und Cristiano Ronaldo hatte es geschafft.

Heute spielt Pogba bei United und Ronaldo bei Juventus. Dem Verein, bei dem Pogba zu Weltstar wurde. So wie Ronaldo in Manchester. Am Abend (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt es für beide zum Rendezvous mit ihrer Vergangenheit. Juventus Turin trifft im eigenen Stadion auf Manchester United, der Ex-Klub von Pogba empfängt den Ex-Klub von Ronaldo.

Sechs Jahre war der Portugiese bei United unter Vertrag, als er kam, war er ein talentiertes 18 Jahre altes Jüngelchen, als er ging, war er ein Weltstar, der Real Madrid 96 Millionen Euro Ablöse wert war. Damals war das die größte Summe, die je für einen Fußballer gezahlt worden war.

United ließ Pogba ziehen

Den Rekord hielt auch Pogba mal. Als er 2016 von Turin nach England wechselte, zahlte United 105 Millionen Euro. Eigentlich war das eine Strafzahlung für eigene Dummheit. Schließlich hatte Manchester Pogba bereits unter Vertrag genommen, als der Franzose gerade mal 16 Jahre alt war. Aber statt ihn zu fördern, ließ man ihn nach zwei Jahren im Nachwuchskader und drei Premier-League-Kurzeinsätzen bei den Profis Richtung Italien ziehen. Die 105 Millionen Euro fünf Jahre später hätte sich der Verein sparen können.

Juventus war klüger. Die Italiener erkannten, was in diesem 19-Jährigen hoch aufgeschossenen jungen Mann steckte. Trainer Antonio Conte vertraute dem Franzosen früh die zentrale defensive Mittelfeldposition an. Neben ihm ackerte der Kampfhund Arturo Vidal, vor ihm zelebrierte der Feingeist Andrea Pirlo, was den Fußball so schön macht. Ein Mittelfeld, bei dem die Rollenverteilung bis ins Detail passte. Alle sagen immer, Juve sei der Klub der alten Männer, aber 2012 war Pogba mit seiner Dynamik die Entdeckung der Saison. Er wurde Juves Anker.

In Manchester nie mehr so dominant

Es gibt viele, die sagen, die Brillanz, die Übersicht, die Wucht und die Präzision, die Pogba in seinen italienischen Jahren unter Conte und dessen Nachfolger Massimiliano Allegri hatte, hat er in Turin gelassen. Auch bei Manchester hat er seine starken Momente, manche sind sogar groß. Aber in dem oft unansehnlichen Spiel, das José Mourinho in Old Trafford etabliert hat, ist nur noch stückweise etwas von dem Pogba zu sehen, der die Tifosi so begeistert hatte.

Stattdessen sind Mourinho und Pogba in einer Art Hassliebe miteinander verknäult, als wären sie die beiden Hauptdarsteller in der früheren US-Serie "Männerwirtschaft", in der sich Jack Klugman und Tony Randall ständig angingen, ohne voneinander lassen zu können. Nur wenige Pressekonferenzen vergehen, in denen Mourinho nicht zum Verhältnis zwischen ihm und seinem Star Stellung beziehen muss.

Pogba hat sein Verhältnis zu Mourinho als "Trainer-Spieler-Beziehung" bezeichnet, was ziemlich viel Raum für Interpretationen offenlässt. Vor dem Gastspiel bei Juventus hat Mourinho dies noch um das Adjektiv "gut" erweitert. Es sei eine "gute Trainer-Spieler-Beziehung", die englischen Medien nennen das Verhältnis allerdings anders, es sei zerrüttet.

Auch Ronaldo hatte in Manchester einst nicht nur Freunde. Sein patriarchaler Trainer Alex Ferguson hatte nicht viel übrig für die Werbe- und Modelaktivitäten seines Schützlings, er wusste aber auch immer, was er an ihm hatte. Und Sturmpartner Wayne Rooney und Ronaldo gerieten bei der WM 2006 böse aneinander, Ronaldo provozierte damals im Viertelfinale Portugals gegen England den Platzverweis für Rooney. Der Stürmer drohte ihm danach Prügel an, wenn er nach Manchester zurückkäme. Beide spielten danach noch drei Jahre erfolgreich miteinander, Ferguson konnte solche Konflikte bereinigen.

Einen Ferguson, den bräuchten sie vielleicht in Manchester derzeit. Es läuft so mittelprächtig in der Liga, die Laune Mourinhos ist noch ein Gran schlechter als sonst, und Pogba fehlt jemand, der ihn auch mal ermuntert. In der Nationalmannschaft ist Trainer Didier Deschamps so einer, der die leichte Hand und das leichte Wort beherrscht. Mourinho ist in dieser Hinsicht bisher nicht auffällig geworden.

So sind die Karten vor dem Duell der beiden Rückkehrer eindeutig verteilt. Juventus mit Ronaldo, der in seiner ersten Serie-A-Saison schon wieder auf bisher sieben Tore kommt, ist der Favorit. Und nicht nur für dieses Spiel, und nicht nur in Italien, sondern auch im Heimatland der Gäste. Als Englands Vorzeige-Experte Gary Lineker dieser Tage gefragt wurde, welche Teams wohl in diesem Jahr die Champions League gewinnen könnten, twitterte er nur das eine Wort: Juventus.



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vliege 07.11.2018
1. Neue Generation von "Fußballer"
Die heutigen Jungstars oder "Jahrhunderttalente" sind in der Social Media Zeit aufgewachsen. Da ist der Friseur oder neueste Modetrend wichtiger als aufm Platz. Pogba ist da nur ein Beispiel von nicht voll genutztem Talent. Dembele, Neymar, Mbappé und wie sie alle heißen. D. Beckham hat mit dieser Medien Entwicklung angefangen und Ronaldo fortgeführt. Letzterer hat aber stets Leistung gezeigt und den nötigen Ehrgeiz für den Weg an die Spitze. C.Ronaldo war laut seiner Mitspieler häufig der erste beim Training und der letzte der ging. Das macht den Unterschied.
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