Bundesliga-Letzter Kaiserslautern Bibbern am Betzenberg

Beim 1. FC Kaiserslautern schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Der Tabellenletzte hat seit 16 Spielen nicht gewonnen, Besserung ist nicht in Sicht. Den Trainer Marco Kurz wird das wohl seinen Job kosten, dabei hat er aus dem limitierten Kader noch das Bestmögliche herausgeholt.

Bongarts/Getty Images

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Kaiserslautern ist eine Fußballstadt. Es gibt außer dem Fußball nicht viel, mit dem die Region sich brüsten kann. Wohin man rund um den Betzenberg auch schaut - überall finden sich Reminiszenzen an die große Sporthistorie, an Fritz Walter und all die anderen. Fans des 1. FC Kaiserslautern müssen sich dieser Tage wieder einmal an der Vergangenheit festhalten. Die Gegenwart in der Pfalz ist trostlos. Durch die 1:4-Heimpleite gegen Schalke 04 hängt der FCK am Tabellenende der Bundesliga fest. Besserung ist nicht in Sicht, dem Kader fehlt die Bundesliga-Tauglichkeit.

Wer die Lauterer nach dem 1:2-Rückstand beim Auseinanderfallen beobachtet hat, kann beim besten Willen nicht glauben, dass diese Mannschaft noch die Qualität aufbringen kann, die Klasse zu halten. Zumal die Konkurrenz aus Freiburg und Augsburg am Wochenende erneut gepunktet hat. Lautern dagegen ist in der Rückrunde immer noch ohne Erfolg, ohnehin ist es 16 Spiele her, dass der FCK letztmals in der Liga gewann. In den neun Spielen der Rückrunde hat das Team ganze vier Tore erzielt. Clubboss Stefan Kuntz, einst als Spieler selbst ein FCK-Denkmal, sprach nach dem Schalke-Spiel vom "Tiefpunkt der Saison".

Der 1. FC Kaiserslautern hat keinen erstligareifen Sturm, er hat eine Abwehr, die den gegnerischen Stürmern das Toreschießen erlaubt, und ein Mittelfeld, in dem Kapitän Christian Tiffert den Alleinunterhalter spielen muss, weil er keine Unterstützung seiner Kollegen bekommt. Eigentlich fehlt der Mannschaft alles, um den Abstieg zu vermeiden.

Für die Zusammenstellung dieses Kaders sind Trainer Marco Kurz und Clubboss Kuntz gemeinsam verantwortlich. Man muss nicht besonders viel Fantasie aufbieten, sich vorzustellen, wer von beiden demnächst die Konsequenzen aus der Misere zu ziehen hat. Kuntz hat am Sonntagabend zwar noch einmal festgestellt: "Wir bleiben bei unserer Aussage: Marco Kurz bleibt unser Trainer." Anschließend jedoch verwies er auf eine anstehende intensive Analyse der gegenwärtigen Situation. Am Ende solcher Analysen steht meist die Trennung vom Trainer.

Kurz und Kuntz sind gemeinsam verantwortlich

Dabei hat Kurz vor allem in der für Lauterer Verhältnisse überragenden Vorsaison sehr gute Arbeit geleistet. Schon in der vergangenen Spielzeit war der FCK als Aufsteiger ein sicherer Abstiegskandidat - am Schluss der Saison lief das Team auf Platz sieben ein. Aber damals waren mit Sdrjan Lakic und Ivo Ilicevic zwei starke Angreifer im Kader. Beide haben die Pfalz zum Saisonbeginn verlassen, ihren Abgang hat das Team nicht verkraftet. Der Israeli Itay Shechter, als Hoffnungsträger in die Pfalz geholt, hat die Erwartungen nicht erfüllt. Dass ihn einzelne Lauterer Fans vor zwei Wochen im Training aufs Übelste antisemitisch beleidigt haben, dürfte seine Motivation nicht wesentlich gesteigert haben.

Die Mannschaft hat sich nach einem ordentlichen Start im Verlauf der Saison in eine regelrechte Abwärtsspirale hineingespielt mit allen Zutaten, die so etwas mitbringt. Der Zusammenhalt in der Mannschaft hat gelitten, so etwas wird gerade in der Pfalz sensibel registriert. Die großen Lauterer Mannschaften haben in der Vergangenheit schließlich selten über ihre überragenden fußballerischen Fähigkeiten funktioniert, dafür aber mehr über ihren Teamgeist. Im Internet wurden Kurz zudem zwischenmenschliche Schwierigkeiten mit einzelnen Spielern unterstellt. Verein und Mannschaft haben das empört zurückgewiesen.

Der FCK spielt in der kommenden Woche beim SC Freiburg, danach empfängt er den Hamburger SV und muss anschließend bei 1899 Hoffenheim antreten. Wenn das Team in diesen drei Partien gegen direkte Konkurrenten die Trendwende verpasst, ist die Mannschaft ohnehin nicht mehr zu retten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man vor diesen entscheidenden Spielen ein Zeichen setzt, ist hoch. Dem Coach jetzt ganz bewusst den Rücken zu stärken und ihn allen üblichen Gesetzmäßigkeiten zum Trotz im Amt zu belassen - das wäre allerdings auch ein Zeichen.

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deus-Lo-vult 19.03.2012
1. ...
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesBeim 1. FC Kaiserslautern schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Der Tabellenletzte hat seit 16 Spielen nicht gewonnen, Besserung ist nicht in Sicht. Den Trainer Marco Kurz wird das wohl seinen Job kosten, dabei hat er aus dem limitierten Kader noch das Bestmögliche herausgeholt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,822085,00.html
WENN der FCK wirklich den Trainer feuern sollte, dann muss dies sofort passieren! 4 Spiele vor Schluß bringt das auch nichts mehr. Es ist mir sowieso ein Rätsel, dass er nicht früher gehen musste, sondern im Gegenteil auch noch mit ihm verlängert wurde. Ein guter Trainer holt auch aus einem begrenzten Kader etwas heraus! Siehe Luhukay in Augsburg.
crowjoke 19.03.2012
2. 4x Deutscher Meister, 2x Pokalsieger
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesBeim 1. FC Kaiserslautern schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Der Tabellenletzte hat seit 16 Spielen nicht gewonnen, Besserung ist nicht in Sicht. Den Trainer Marco Kurz wird das wohl seinen Job kosten, dabei hat er aus dem limitierten Kader noch das Bestmögliche herausgeholt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,822085,00.html
Dass der Kader insgesamt ein Qualitätsproblem hat, ist unbestritten. Angesichts der immer noch prekären Finanzlage des Vereins war aber kaum mehr möglich, ohne nicht wieder tief in die roten Zahlen zu rutschen. Das Hauptproblem sehe ich aber eher im Spielsystem bzw. dem völligen Fehlen eines solchen. Man kann über den Sturm mit Recht meckern, aber aus dem Mittelfeld kommt auch nichts. Kein Pass in die Tiefe, keine einstudierten Spielzüge, entweder einfach den Ball hoch nach vorne schlagen oder in die Spitze rennen, in der Hoffnung, ein Foul zu ziehen und anschliessend per Standard zum Erfolg zu kommen. Das reicht einfach nicht. Auch wenn es mir eigentlich zu einfach ist, alles auf den Trainer zu schieben, so trägt Kurz doch die Verantwortung dafür, wie das Team das Spiel aufziehen soll - und da erkenne ich nichts. Das erinnert mich fatal an die Spielzeit 07/08 unter Rekdal, das war genauso planlos. Fakt ist, auch wenn der Abstieg kaum noch zu vermeiden ist - ein Trainerwechsel ist die letzte Option, die noch etwas bewirken kann, wenn auch nur psychologisch - das "Spielermaterial" bleibt das gleiche. Aber gerade die Psyche ist es, die im Abstiegskampf den Unterschied machen kann. Vielleicht kann ein Stanislawski - so er denn überhaupt Interesse hätte - etwas bewirken und die Mannschaft nochmal aus ihrer Lethargie reissen. Falls nicht, dann hat man es wenigstens versucht. So oder so, der FCK bleibt mein Verein, egal ob in Liga 1 oder 2!
Marc87 19.03.2012
3. Kader
Die Transferpolitik in Kaiserslautern versteh ich absolut nicht. Schon in der Aufstiegssaison gab es diverse Spieler bei denen klar war, dass sie keine Erstligatauglichkeit hatten. Die wenigen Gegentore waren auch weniger auf eine stabile Abwehr zurückzuführen als vielmehr auf einen überragenden Tobias Sippel. Jetzt erst in der WInterpause hat man versucht aktiv zu werden. Viel zu spät: Und die Wunschspieler hat man dann nichtmals bekommen. Das man jetzt das komplette Mittelfeld zu Beginn der Saison nicht hat halten können, sollte wohl einen Großteil der Schuld auch vom Trainer wegnehmen. Stattdessen hat man nun einfach eine große Masse an Stürmen geholt. Das ist nicht nur Spielweise, sondern vor allem auch Transferpolitik eines Absteigers! Nebenbeu bemerkt: Der siebte Tabellenplatz spiegelt die letzte Saisonleistung auch nicht ganz wieder. Am 30 Spieltag war Kaiserslautern noch auf Platz 13 und sehr eng am Abstieg dran. Das gesammte Feld lag jedoch sehr eng zusammen und am Ende der Saison wurden einige wirklich überraschende und schöne Siege herausgeholt. Trotzdem war es auch da ein Kampf gegen den Abstieg und nicht ein Kampf um die internationalen Plätze.
Abstruso 19.03.2012
4. Pro Kurz
Das Hauptproblem von Lautern sind die Finanzen. Ohne Moos nix los. Da kann der Trainer wenig machen. Kurz passt hervorragend zum FCK und er hat seine Qualitäten in den letzten Jahren bereits bewiesen. Der Vertrag wurde erst am Anfang der Saison verlängert. Da besteht jetzt eigentlich keinerlei Diskussionsbedarf. Ein neuer Trainer würde nur unnötige neue Kosten verursachen.
stephan s. 19.03.2012
5.
Zitat von sysopBongarts/Getty ImagesBeim 1. FC Kaiserslautern schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Der Tabellenletzte hat seit 16 Spielen nicht gewonnen, Besserung ist nicht in Sicht. Den Trainer Marco Kurz wird das wohl seinen Job kosten, dabei hat er aus dem limitierten Kader noch das Bestmögliche herausgeholt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,822085,00.html
Peter Ahrens hat falsch recherchiert. Das Spiel des FCK gegen Retortenclub Hoffenheim wird in Kaiserslautern stattfinden und nicht in Hoffenheim.
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