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Kampf um Präsidentenamt: Hoffmanns Aus spaltet HSV

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Das Ende von Bernd Hoffmanns Ära als Präsident des Hamburger SV sorgt für Unruhe unter den Club-Anhängern. Während die einen die Entscheidung des Aufsichtsrats als Erlösung feiern, kritisieren viele Mitglieder die Kontrolleure - sie wollen das Gremium absetzen.

HSV-Chef Hoffmann: Eine Stimme zu wenig Zur Großansicht
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HSV-Chef Hoffmann: Eine Stimme zu wenig

Zahlen sind seine große Stärke. Doch die Zahlen, die Bernd Hoffmann am Sonntagabend zur Kenntnis nehmen musste, werden dem HSV-Präsidenten nicht gefallen haben. Erst gab es trotz 1:0-Führung eine 2:4-Niederlage gegen den FSV Mainz 05. An deren Anschluss wurde Hoffmann vom Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff darüber informiert, dass die Ende des Jahres auslaufenden Verträge von ihm und seiner Vorstandskollegin Katja Kraus nicht mehr verlängert werden. Zwar setzte sich die Pro-Hoffmann-Fraktion mit 7:5 Stimmen durch. Doch für eine Vertragsverlängerung wären acht der zwölf Stimmen nötig gewesen.

Auch die Verpflichtung von Chelseas Talentscout Frank Arnesen als neuer Sportdirektor half Hoffmann letztlich nicht mehr. Selbst Hoffmanns letzte devote Geste konnte ihn nicht mehr retten. Gemeinsam mit Katja Kraus, die im Vorstand für Marketingfragen und Kommunikation zuständig und Vertraute Hoffmans ist, soll er den Kontrolleuren nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" in einer dreiseitigen E-Mail angeboten haben, sogar einen Einjahresvertrag zu akzeptieren. Üblicherweise werden die Vorstandsverträge über drei Jahre geschlossen.

Wenig trösten dürften den 48-Jährigen auch die Zahlen einer Internetumfrage im Forum der HSV-Supporters. Bei der spontanen Abstimmung, die am Samstagabend ins Netz gestellt wurde, votierten 82 Prozent der Teilnehmer für eine Vertragsverlängerung. Ein Teil der Anhänger will für den Clubboss kämpfen. Während auf der Geschäftsstelle Dutzende Briefe eingingen, in denen Mitglieder mit ihrem Vereinsaustritt drohten, riefen zahlreiche User im Internet dazu auf, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um den Aufsichtsrat abzusetzen.

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Das Unterfangen scheint utopisch: Laut Satzung bräuchten sie zunächst die Unterschriften von zehn Prozent der Mitglieder, also rund 7000, damit eine solche Versammlung überhaupt zustande kommt. Bei der Versammlung müssten dann zwei Drittel der anwesenden Mitglieder für die Absetzung des Aufsichtsrats stimmen.

Veh vor dem Abschied

Viele Anhänger des HSV haben Angst, dass ihr Club im Chaos versinkt. Auch wenn diese Befürchtungen sicher übertrieben sind, Anlass zur Sorge besteht ob der aktuellen Situation im Verein durchaus. Denn der Aufsichtsrat hat sich zwar gegen Hoffmann und Kraus entschieden, eine Alternative hat das Kontrollgremium aber offenbar noch nicht.

Unter den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle herrscht eine Mischung aus Wut, Angst und Ratlosigkeit. Bislang hat der Aufsichtsrat die über 100 Angestellten des Vereins nicht weiter informiert - von der dünnen Erklärung am Sonntagabend einmal abgesehen. "Die Stimmung im Club war schon mal besser", sagt ein Mitarbeiter. Zahlreiche Vertraute Hoffmanns bangen um ihren Job.

Das gilt weniger für Armin Veh. Der Trainer sprach sich zwar bis zuletzt für Hoffmanns Verbleib aus und verknüpfte sein Schicksal mit dem des Clubpräsidenten. Gleichzeitig machte er kein Geheimnis daraus, dass er auch ohne den Job beim HSV weiterleben könnte. Veh soll im Aufsichtsrat kaum Fürsprecher haben. Gut möglich, dass er den Kontrolleuren zuvor kommt und in den kommenden Tag von sich aus das Ende der Zusammenarbeit zum Saisonende verkündet.

Logistische Lähmungserscheinungen

Die Folge wären logistische Lähmungserscheinungen: Der HSV hätte einen Vorstand, der gedanklich auf Abschiedstour ist, einen geschwächten Trainer, den die Spieler als perfektes Alibi für sportliche Fehlleistungen wie bei der Niederlage gegen Mainz heranziehen könnten und mit Frank Arnesen einen Sportdirektor, der eigentlich erst im Sommer anfangen soll. Dazu kommen jede Menge auslaufender Spieler-Verträge, unter anderem die von Torhüter Frank Rost, Mittelfeld-Stratege Zé Roberto und Stürmerstar Ruud van Nistelrooy.

"Jetzt haben wir endlich Klarheit", sagte Rieckhoff. Der Aufsichtsratsvorsitzende wirkte erleichtert, als er das sagte. Doch die wirklich harten Wochen hat sein Team erst noch vor sich. Die Kontrolleure müssen jetzt schnell einen neuen Boss finden, der sich wiederum mit gemeinsam Arnesen auf einen neuen Trainer einigen müsste. Erst dann können Vertragsverlängerungen oder Transfers in Angriff genommen werden.

Als aussichtsreiche Nachfolge-Kandidaten gelten der Unternehmer Björn Gulden sowie Joachim Hilke, der ebenso wie Hoffmann früher für den Rechtevermarkter Sportfive arbeitete. Das ist insofern kurios, als dass die Hoffmann-Kritiker im Aufsichtsrat dem Clubchef stets vorhielten, er hätte den HSV wie einen Konzern geführt. Zudem warfen sie ihm immer wieder vor, zu wenig von der Seele des Clubs zu verstehen und die Raute wie eine Ware zu behandeln.

Dies tat Hoffmann zumindest mit finanziellem Erfolg und machte den HSV hinter den Bayern zum umsatzstärksten Bundesliga-Verein. Dem gegenüber stehen allerdings eine lange Liste sportlicher Fehleinschätzungen, acht Trainer in acht Jahren sowie kein einziger Titel.

Zahlen, die Hoffmann ebenfalls nicht gefallen dürften. Vielleicht lässt sich der Diplom-Kaufmann ja von einer anderen Zahl überzeugen. 82 Prozent der "Abendblatt"-Leser empfahlen dem Duo Kraus/Hoffmann, sofort zurückzutreten. Damit wäre dann wenigstens das Chaos perfekt.

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1. Außerordentliche Mitgliederversammlung! AR stürzen!
raumzeit3000 07.03.2011
Wir müssen die 7000 Unterschriften sammeln! Wir brauchen eine außerordentliche Mitgliederversammlung! Wir müssen den wahnsinnig gewordenen Aufsichtsrat stürzen! Hoffmann hat den HSV in wenigen Jahren aus dem Nichts zu einem der finanzstärksten Vereine der Welt gemacht. Die Basis für die Zukunft ist geschaffen. Fürs Sportliche hat Hoffmann mit Arnesen einen der Besten geangelt. Aber jetzt kommen ein paar Kerle daher und machen den HSV zu einem Verein ohne Führung. Gegen den Willen der meisten Fans. Sind diese Leute von Werder Bremen gesteuert? Wir müssen das rückgängig machen! Stürzt den HSV-Aufsichtsrat!
2. Briefwahl.
der matologe 07.03.2011
Insbesondere muss endlich die Briefwahlmöglichkeit zur Mitgliederversammlung/-abstimmung her. Dann können die Supporterkiddies, diese 5. Kolonne Hunkes&Co., hampeln wie sie wollen...
3. Vergleich
athene noctua 07.03.2011
Jürgen Hunke im HSV Aufsichtsrat ist so als ob vuz Guttenberg zum Bundesjustizminister ernannt würde.
4. HSV aus dem nichts geschaffen....
frank777 07.03.2011
Also, das ict ja wohl totaler Blödsinn, wieso hat denn bitte herr Hoffmann den HSV aus dem nichts erschaffen??? Den Traditionsverein gibt es wohl länger als Herrn Hoffmann und während seiner Amtszeit haben wir so gut wie alle wichtigen Spiele verloren, denk an Brähmer Festspielwochen, ergo Europapokalfinale im eigenem Stadion etc. Das Geld hat angeblich gestimmt, aber zu welchem Preis. Reihenweise wurden wegen Kleinigkeiten großartige Spieler weggeekelt, siehe Olic etc. Andere wurden nur des Geldes wegen verkauft, De Jong, Boateng usw. ... und wo sind die ganzen Millionen???? Es ist überhaupt keine Basis für die Zukunft geschaffen, denn wenn wir nicht international spielen, und wer mag daran noch glauben nach den Grottenspielen der letzten Zeit, wird es finanziell ganz schön eng. Nun aber, nachdem endlich ein adäquater Sportchef gefunden ist, der Crew Hoffmann / Kraus keine Chance mehr zu geben, ist unverantwortlich und nicht nachvollziehbar!!!!! Ich würde einer Mitgliederversammlung zustimmen. mfg
5. Die Geister, die ich rief
schelko 07.03.2011
Hier muss sich die HSV-Mitgliedschaft fragen lassen, wie es zu solch einer Besetzung des AR kommen konnte! Bin selber kein Mitglied des HSV, aber allein die Aussicht, den aktuellen AR oder einzelne Mitglieder (z.B. Hunke, Ehrhardt oder Ertel - schönen Gruß an die Spiegel-Redaktion) abzuwählen, lässt mich überlegen, passives HSV-Mitglied zu werden. Der Dilettantismus des aus persönlicher Eitelkeit getriebenen AR ist unfassbar!
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