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VfB-Kantersieg: Aus dem Schneider

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Bongarts/Getty Images

VfB-Coach Schneider: Das Fenster im Verein geöffnet

Der VfB Stuttgart hat sich mit einem 6:2 über Hoffenheim selbst aus der Krise katapultiert. Der junge Trainer Thomas Schneider ist erst sechs Tage im Amt und scheint schon etwas bewirkt zu haben. Das Team wirkte wie vom Mehltau befreit.

Man soll Trainerwechsel auch nicht überschätzen, manchmal bringen sie etwas, manchmal nicht. Es gibt da keine Gesetze. Bis auf jenes, das bei krisenhaften Zuständen im Verein zumeist der Coach als erstes gehen muss. In Stuttgart haben sie unter der Woche wieder dieses bewährte Hausmittel angewendet, und legt man den danach folgenden Spieltag zugrunde, muss man sagen: Selten hat ein Trainerwechsel einen so grundlegenden Wandel mit sich gebracht.

Möglicherweise hat Thomas Schneider, der neue junge Cheftrainer, nur bildlich gesprochen die Fenster geöffnet und frische Luft hineingelassen. Zumindest hatte man bei dem 6:2-Erfolg des VfB Stuttgart über die VfB-Filiale 1899 Hoffenheim das Gefühl, all der Muff von zwar nicht 1000, aber immerhin zweieinhalb Jahren der Trainer-Ägide von Bruno Labbadia ist verschwunden. Im Sportsprech heißt es: Der VfB spielte wie befreit auf. Ja, genauso war es wohl: Das Team wirkte befreit. Sechs Tore schießen sich auch gegen das defensivschwächste Team der Vorsaison nicht von selbst.

Labbadia hatte den VfB in einer Situation übernommen, die man als desaströs bezeichnen konnte. Er hat das Team vor dem Abstieg bewahrt, er hat es in der Folge ins Pokalendspiel geführt, aber dennoch wird der Name Labbadia in Stuttgart kein großes ehrendes Andenken behalten. Der VfB spielte zuletzt nur noch Beamtenfußball, Dienst nach Vorschrift, ohne Esprit. Letztlich hinterließ Labbadia die Mannschaft in dem Zustand, in dem er sie übernommen hatte. Am Boden.

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All das war am Sonntag gegen Hoffenheim plötzlich anders. Alexandru Maxim, der Rumäne, der von Labbadia zuletzt nicht berücksichtigt wurde, weil ihm Fitness-Defizite attestiert worden waren, rannte sich die Seele aus dem Leib und traf als Zugabe noch zwei mal. Der junge Verteidiger Antonio Rüdiger bekam das Erweckungserlebnis eines Bundesliga-Treffers beschert, und der junge Timo Werner wirbelte in der Startelf, als hätte er in seinem Leben zuvor wenig anderes getan.

Werner ist Jahrgang 1996, also ein Jahr, in dem ein gewisser Fredi Bobic Torschützenkönig der Bundesliga wurde. Bobic ist mittlerweile bekanntlich Sportvorstand beim VfB. Er hatte die unangenehme Aufgabe, die Trennung von Labbadia abzuwickeln - und die durchaus mutige Entscheidung zu fällen, den bisherigen Jugendtrainer Schneider zum Chef zu befördern. Einem Coach, der sich im Nachwuchsbereich zwar seine Meriten erworben hat, aber für den die Bundesliga als Trainer Neuland ist. Nach dem Sechserpack vom Sonntag gönnte sich Bobic auf der Bank ein kleines Lächeln. Es scheint nicht die schlechteste Entscheidung gewesen zu sein.

Schneider war nach dem berauschenden Nachmittag noch selbst wie verdattert, dass er in wenigen Tagen so etwas hinbekommen haben soll: "Das war überragend, einfach Wahnsinn. So was haben wir nicht erwartet." Eine Erklärung für diese Leistungsexplosion, und nichts anderes war es, lieferte der dreifache Torschütze Vedad Ibisevic nach: "Es hat einfach Spaß gemacht." Das hatte es wohl in den Monaten zuvor nur bedingt, klingt unausgesprochen nach.

Ibisevic sagte: "Wir wollten nach schwierigen Wochen einfach richtig Gas geben." Es hat sich vieles aufgestaut beim VfB, diesem Verein, der so viel verspricht, der in einer ökonomisch so reichen Region beheimatet ist, der aus dem Vollen schöpfen könnte und der aus seinen Möglichkeiten zuletzt so wenig gemacht hat - auch weil Unruhe im Vorstand und Umfeld des Clubs nie aufgehört haben.

Jetzt hat der VfB einen neuen Präsidenten mit Bernd Wahler, es gibt einen neuen Chefcoach mit Thomas Schneider, und es gibt mit Joachim Schmidt einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, der den ewigen Dieter Hundt abgelöst hat. Dem Verein eröffnet sich unvermittelt die Chance auf einen Neuanfang. Es ist vielleicht auch kein Zufall, dass sich am Sonntag auch der langjährige Kapitän Serdar Tasci verabschiedet hat. Er wechselt zu Spartak Moskau. Im September entwickelt der VfB Frühlingsgefühle.

Die möglicherweise sogar länger anhalten als die zweiwöchige Länderspielpause der Bundesliga. Am kommenden Spieltag muss der VfB zu Hertha BSC reisen. Und die wissen spätestens seit diesem Wochenende, wie wertvoll Siege mit sechs erzielten Treffern sind. Hertha gewann zum Liga-Auftakt 6:1 gegen Frankfurt. Nach dem 0:2 in Wolfsburg und der unsäglichen Lolita-Affäre ist die Euphorie im Hauptstadt-Club aber schon wieder verschwunden. Der VfB sollte daraus lernen. Er ist jetzt endlich in der Lage zu lernen.

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1. Zufall
h.bogart 01.09.2013
einfach einen guten Tag erwischt, an dem alles zu klappen scheint
2. Spieler in den Arsch treten
Pedro1000 01.09.2013
Die Millionäre sind einfach nur widerlich. Spielen gegen Trainer und sind einfach zu blöde, dass sie sich und dem Verein schaden. Der VFB verliert dadurch die Einnahmen aus der Europaliga. Einfach nur widerlich. Aber die Spieler machen eben so solche Sachen, wenn es keine richtige Führung gibt.
3. VFB ist gut
Walther Kempinski 01.09.2013
Der VFB wird oben mitspielen. Denn die Truppe ist an und für sich recht gut gemixt (auch wenn die großen Namen vielleicht fehlen). Die jungen und talentierten Spieler, die der VFB schon immer hatte und die erfahrenen Hasen bilden eine gute Mischung. Schneider hat jetzt 2 Wochen Zeit um nochmal nachzujustieren, die Defensive zu stärken...möglicherweise gibts noch eine Verstärkung. Und dann gehts bergauf.
4.
frau_bert 01.09.2013
Labbadia wurde nicht müde, ständig und immer wieder zu betonen, das seine Mannschaft eigentlich nur aus Fallobst besteht, und man damit leider nicht mehr erreichen könne. Sowas entmutigt und ermüdet jeden, egal ob Zuschauer, Fan oder den Spieler selbst, egal wieviel diese verdienen. Die Bemerkung "scheiß Millionäre" ist somit ziemlich unangebracht, handelt es sich bei den Spielern doch in der Regel um junge Menschen, welche für solche Einflüsse noch recht empfänglich sind. Ich wünsche dem VFB viel Erfolg, und hoffe das es sich beim heutigem Sieg nicht um eine Eintagsfliege handelt.
5. heute topp
Krachledern 01.09.2013
man sollte nicht so tun als ob bei Bruno alles schlecht war. Und was der Sieg heute wert war wird sich erst noch zeigen
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