Nach Forderung an Platini Rummenigge kritisiert DFB-Kapitän Lahm

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm gerüffelt. Der Abwehrspieler hatte in einem SPIEGEL-Interview die politischen Verhältnisse im EM-Gastgeberland Ukraine kritisiert und Uefa-Boss Michel Platini aufgefordert, Stellung zu beziehen.

Bayern-Boss Rummenigge: "Hätte er wohl besser gelassen"
dapd

Bayern-Boss Rummenigge: "Hätte er wohl besser gelassen"


Hamburg - Tadel vom Boss: Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, hat Philipp Lahm für dessen Forderung an Michel Platini gerüffelt. Lahm hatte von dem Uefa-Chef verlangt, zur politischen Situation in der Ukraine Stellung zu beziehen. "Das hätte er wohl besser gelassen", sagte Rummenigge der "Welt am Sonntag".

Lahm hatte in einem Interview mit dem SPIEGEL die politische Führung der Ukraine wegen des Umgangs mit der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko kritisiert und von der Uefa gefordert, sich deutlich zur Frage der Menschenrechte in der früheren Sowjetrepublik zu äußern.

In Richtung Uefa-Chef Platini sagte der DFB-Kapitän: "Ich glaube, dass er Position beziehen sollte. Und ich bin gespannt, was er zu sagen hat." Platini hatte diese Forderung zurückgewiesen. "Er kann sagen, was er will. Das ist mir egal. Herr Lahm ist nicht mein Chef. Er hat von mir nichts zu fordern."

Auch Rummenigge empfand die Aufforderung Lahms als unpassend. "Das ist nicht seine Aufgabe", sagte der 57-Jährige, der jedoch nicht Lahms kritische Töne in Richtung Ukraine-Regime tadelte: "Vom Kapitän der Nationalmannschaft wird erwartet, dass er dazu Stellung bezieht."

Bundestrainer Joachim Löw hatte sich zum Vorstoß seines Kapitäns nicht geäußert. Der DFB-Chefcoach will vor Turnierbeginn am 8. Juni seine Spieler nochmals grundsätzlich über die Situation in der Ukraine aufklären lassen. "Wir werden ihnen Wissen vermitteln. Die Spieler können ihre Meinung äußern, wenn sie wollen", sagte Löw.

bka/dpa



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
donadoni 27.05.2012
1. Die EM wird für Deutschland ein Fiasko
....und nicht nur aus sportlichen Gründen, wie man gestern bei dem Testspiel sehen konnte. Das Gebiet der Ukraine und Polen ist extrem historisch belastet, was die deutsche Vergangenheit anbetrifft. Wenn man dann auch noch die Vorgänge von 1998 betrachtet, als deutsche Hooligans einen französischen Polizisten zusammen schlugen, kann man sich schlimme Szenarien vorstellen. Man braucht sich nur ausmalen, Deutschland verliert ein Spiel und deutsche Hoologangs marschieren in dem ehem. KZ Auschwitz (heute Polen) auf und schänden die Gedenkstätten. Die Charkow (Ukraine) wurde von deutschen Truppen extrem zerstört, von Judenmassenerschießungen in der Ukraine ganz zu schweigen. Nun haben auch noch Merkel und Co. und auch Nationalspieler politische Kritik an den Gastgebern geäußert, unabhängig von der Unbeliebtheit Deutschlands in Sachen EURO. Am besten wäre es, Deutschland würde die Mannschaft zurück ziehen. Die Gemengelage ist dermaßen explosiv, dass man das Schlimmste befürchten muss. Der Verlierer wird Deutschland sein, nach der EM.
Santiago15 27.05.2012
2. Forderung?
Es wurde zwar verschiedentlich so publiziert, und Herr Platini hat entsprechend dünnhäutig reagiert, aber so wie ich Lahms Worte lese, hat er doch nichts gefordert, sondern lediglich seine Meinung kundgetan. Dass er es eben gut fände, wenn sich Herr Platini äußern würde. Das ist doch keine Forderung. Aber ist schon klar, die osteuropäischen Verbände haben ihn seinerzeit auf den UEFA-Thron gebracht, und will er da auch weiterhin bleiben, sollte er sich natürlich auch weiterhin dort lieb Kind machen...
sappelkopp 27.05.2012
3. Hut ab vor Philipp Lahm...
Zitat von sysopdapdBayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm gerüffelt. Der Abwehrspieler hatte in einem SPIEGEL-Interview die politischen Verhältnisse im EM-Gastgeberland Ukraine kritisiert und Uefa-Boss Michel Platini aufgefordert, Stellung zu beziehen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,835492,00.html
...der Mann ist wenigstens erwachsen und nutzt seine Position aus. Genau das erwarte ich, schließlich repräsentiert er Deutschland. Und wir sollten in Deutschland endlcih mit dem Harmoniegesülze aufhören und Ar.....cher auch Ar.....cher nennen.
Jule25 27.05.2012
4. .
Zitat von sappelkopp...der Mann ist wenigstens erwachsen und nutzt seine Position aus. Genau das erwarte ich, schließlich repräsentiert er Deutschland. Und wir sollten in Deutschland endlcih mit dem Harmoniegesülze aufhören und Ar.....cher auch Ar.....cher nennen.
Das dürfen wir nicht. Es wird sich immer jemand finden, der uns belehrt: "Das darf man so nicht sagen!" Selbst Kabarettisten wie der linke Volker Pispers machen über diese deutsche Eigenart lustig. (Der erwähnte Herr Pispers beim Thema "Diskussion um die Unterschicht".)
rob_t 27.05.2012
5. optional
Lahm repräsentiert Deutschland und deswegen sollte er auch den Mund halten und keine große Lippe riskieren, um bei der Öffentlichkeit als verkappter Menschenrechtler zu punkten. Herr Lahm verdient bei Bayern 9 Mio. Brutto plus Werbeverträge - dann soll er als Vorbild vorangehen und mit seinem Geld eine Privatkampagne lancieren. Das wär doch mal was.
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