Dortmund-Star Großkreutz: Halb Ultra, halb Profi

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Es waren hitzige Szenen: Kurz nach dem DFB-Pokalkrimi in Fürth beschimpfte der Dortmunder Kevin Großkreutz Gerald Asamoah. Ein Mitspieler beschuldigte Großkreutz, sich rassistisch geäußert zu haben. Doch der Dortmunder weist das zurück.

BVB-Profi Großkreutz: Dortmunder Dauerläufer Fotos
Getty Images

Kevin Großkreutz steht gern im Mittelpunkt. Leider nicht immer nur sportlich. Beim packenden 1:0-Sieg im DFB-Pokalhalbfinale in Fürth vergab der Dortmunder zahlreiche Großchancen. Am Ende traf er allerdings doch noch: auf Fürths Stürmer Gerald Asamoah. Während sich alle seine Kollegen auf den Siegtorschützen Ilkay Gündogan stürzten, bewegte sich Großkreutz schnellen Schrittes auf den ehemaligen Schalker zu. Der stand mit gesenktem Kopf, die Hände gegen die Knie gedrückt, auf dem Platz.

Die TV-Bilder zeigen einen feixend lachenden Großkreutz, der Asamoah einige Worte zuwirft. Über das, was er gesagt hat, wird nun heftig gestritten. Asamoah sagt dazu: "Der Typ ist es nicht wert, irgendwas über ihn zu sagen", doch sein Mannschaftskollege Mergim Mavraj erhebt schwere Vorwürfe gegen Großkreutz: "Asa hat seine Vorgeschichte. Trotzdem muss er sich nicht von einem pubertierenden Jungen wegen seiner Hautfarbe beleidigen lassen." Welche Worte konkret gefallen sein sollen, sagte Mavraj nicht: "Das bleibt auf dem Platz."

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE wollten sich bislang auch weder Mavrajs Club noch sein Management äußern. Der Fürther Abwehrspieler Mavraj war derjenige, der Asamoah und Großkreutz auseinander hielt. Er war nur wenige Zentimeter vom BVB-Mittelfeldmann entfernt.

Großkreutz dementiert

Großkreutz sagte zu SPIEGEL ONLINE: "So ein Quatsch. Natürlich habe ich ihn nicht rassistisch beschimpft, so etwas würde ich nicht machen. Ich habe ein bisschen gejubelt und ein paar harmlose Schalke-Sprüche gemacht." Sein Club stellt sich demonstrativ hinter Großkreutz. "Keiner bei uns hat diese Vorwürfe mitbekommen, wir weisen das entschieden zurück. Kevin sagt schon mal etwas gegen Schalke aber ganz sicher nicht gegen die Hautfarbe eines Menschen", sagte BVB-Pressesprecher Josef Schneck. Er wisse auch nicht, was "Mavraj geritten hat, so etwas zu behaupten".

Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp glaubt an die Unschuld seines Spielers: "Ich bin felsenfest überzeugt, dass Kevin keine dieser Aussagen getätigt hat. Kevin ist hier bei uns in der Mannschaft der Auslandsbeauftragte, er ist der beste Freund von Lucas Barrios, von Shinji Kagawa. Rassistisches Denken wohnt nicht in ihm", sagte Klopp am Mittwoch.

Zur Klärung der Situation könnte neben Mavraj nur Asamoah beitragen. Der ehemalige deutsche Nationalspieler, der 13 Jahre in Gelsenkirchen spielte und sich gern als personifizierter Schalker inszeniert, ist niemand, der ungern spricht. 2007, als Asamoah sich von Roman Weidenfeller rassistisch beleidigt fühlte, prangerte er dies sofort öffentlich an. Doch diesmal schweigt Asamoah. Somit steht Aussage gegen Aussage.

Großkreutz irritierte in der Vergangenheit schon mehrmals durch Sprüche und fragwürdiges Verhalten. Die Erzfeinde von Schalke bezeichnete er einst als "Pest". In einem Scherzfragebogen kreuzte der 22-Jährige an, er würde sein Kind ins Heim stecken, wenn es Schalke-Fan würde.

Im Revierderby 2009/2010 sorgte er sogar für einen Eklat. Am siebten Spieltag kam es beim Spiel zwischen der Borussia und Schalke zu einer massiven Rudelbildung. Grund für das Spieler-Knäuel nach der 0:1-Niederlage war eine Szene zwischen Großkreutz und Manuel Neuer. Anschließend erhob Großkreutz harte Vorwürfe gegen das damalige Idol der Schalker. Der BVB-Mittelfeldmann warf dem Nationaltorhüter vor, er hätte ihm kurz nach Spielschluss einen absichtlichen Ellenbogenstoß verpasst. Tagelang musste sich Neuer gegen die Vorwürfe wehren. Am Ende tauchten TV-Bilder auf, die Neuer vollständig entlasteten. Und Großkreutz als Lügner entlarvten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 105 Beiträge
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1. Schirri fragen!
kahabe 21.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs waren hitzige Szenen: Kurz nach dem DFB-Pokalkrimi in Fürth beschimpfte der Dortmunder Kevin Großkreutz Gerald Asamoah. Ein Mitspieler beschuldigte Großkreutz, sich rassistisch geäußert zu haben. Doch der Dortmunder weist das zurück. Dortmund-Star Großkreutz: Halb Ultra, halb Profi - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,822782,00.html)
Wenn der gut ist (Herr Meyer soll diese Qualifikation besitzen), hat er das im Spielbericht aufgenommen, als besonderes Vorkommnis. Ansonsten, abhaken! Ich komme zu dieser bewertenden Annahme, weil M. bei der wohl verbalen Auseinandersetzung direkt daneben stand.
2. Oh weia
fridolinkiesewetter 21.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesEs waren hitzige Szenen: Kurz nach dem DFB-Pokalkrimi in Fürth beschimpfte der Dortmunder Kevin Großkreutz Gerald Asamoah. Ein Mitspieler beschuldigte Großkreutz, sich rassistisch geäußert zu haben. Doch der Dortmunder weist das zurück. Dortmund-Star Großkreutz: Halb Ultra, halb Profi - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,822782,00.html)
... ich bin für einen Untersuchungsausschuss. Im Fußball fallen nunmal deftige Sprüche und die sind nunmal links und rechts angehaucht, aber wenn es persönlich wird. Ich würde gerne mal wissen, was da konkret gesagt wurde. Wenn Asamoah sonst so redselig ist und an dieser Stelle schweigt finde ich das verdächtig. Wie dem auch sei es steht Aussage gegen Aussage und jeder da genannte Zeug war Teil des Konflikts. Wird wohl schwer werden da die Wahrheit zu finden. ... und was seine Aussagen im Spaß als Ultra angeht (von wegen ins Heim) ... da hört man auf BAhnfahrten oder liest in Facebook schlimmeres von Fans aller Vereine. (Borrussia MG und DO, Fortuna ... oh weia und und und).
3. Großkreuz?
kbank 21.03.2012
Was soll man da schon zu sagen, wer einmal lügt, dem glaubt man halt nicht! Vielleicht sollte man ihn (Großkreuz) zukünftig erst einmal nach dem Spiel wegsperren?
4.
xRGBx 21.03.2012
---Zitat--- In einem Scherzfragebogen kreuzte der 22-Jährige an, er würde sein Kind ins Heim stecken, wenn es Schalke-Fan würde. ---Zitatende--- ZOMG!!!!11einself!! In einem Scherzfragebogen? Das ist ja ein amtliches Dokument!
5. Halbwahrheit
jüttemann 21.03.2012
Auch Asamoah hat in der Vergangenheit keine unsportliche Peinlichkeit ausgelassen, wenn es gegen die Dortmunder ging. Das rechtfertig nichts, aber hier den einen zum bösen Ultra abzustempeln und den anderen zum unschuldigen Opfer zu machen, geht an der Sache vorbei, die Fürther Ereignisse haben eine jahrelange Vorgeschichte.
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