Stuttgart-Abschied von Kevin Großkreutz Geschlagen

Kevin Großkreutz' Zeit beim VfB Stuttgart ist abgelaufen. Nach einer Schlägerei trennen sich Zweitligist und Weltmeister. Bei seinem tränenreichen Abschied kündigt der Verteidiger an, dem Profifußball erst einmal fernzubleiben.

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Am Ende steht die Reue: "Ich habe einen Fehler gemacht, der mir sehr leid tut. Ich akzeptiere die Konsequenzen und bedaure, dass meine Zeit beim VfB so zu Ende geht", teilte Kevin Großkreutz nach seinem Aus beim VfB Stuttgart mit.

Auf einer Pressekonferenz anlässlich der "beiderseitig einvernehmlichen Vertragsauflösung" wirkte er geknickt, mehrfach musste er seine Rede unterbrechen, Tränen stiegen auf, unter dem rechten Auge prangte immer noch ein Veilchen.


Sehen Sie hier das Video von der Pressekonferenz mit Kevin Großkreutz

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch war Großkreutz in der Stuttgarter Stadtmitte mit Nachwuchsspielern des VfB unterwegs gewesen und in eine Schlägerei geraten. Großkreutz musste daraufhin im Krankenhaus ärztlich versorgt werden, wird aber wohl keine langfristigen Schäden davon tragen. Obwohl Freizeit eigentlich Privatsache ist, sah sich der Verein genötigt, zu reagieren. "Gerade die Spieler der ersten Mannschaft haben eine besondere Vorbildfunktion für den Verein im Allgemeinen und unsere Jugendspieler im Besonderen", sagte VfB Sportvorstand Jan Schindelmeiser auf der Pressekonferenz.

Unterstützung bekam Großkreutz inzwischen von Lukas Podolski. Der ehemalige Mannschaftskollege aus der Nationalmannschaft schrieb auf Twitter: "Jeder macht Fehler, du hast immer dazu gestanden, wenn du Mist gebaut hat."

Großkreutz hat in seinem Fußballerleben schon eine Menge erlebt, er ist Weltmeister in Brasilien geworden (allerdings ohne Einsatz), zweifacher Deutscher Meister und Pokalsieger. Er sorgte in Dortmund, seiner sportlich erfolgreichsten Phase, für Glücksmomente wie etwa durch seinen Treffer 2013 zum 2:1 kurz vor Schluss in der Champions-League-Gruppenphase gegen Olympique Marseille, ohne den der BVB das Achtelfinale verpasst hätte. Und auch für witzige, wie bei seinem Einsatz als Ersatzkeeper für Roman Weidenfeller im Spiel gegen Hoffenheim, ebenfalls 2013.

Emotionale Höhepunkte, aber auch Spott und Kritik

Großkreutz ist ein besonderer Bundesliga-Spieler. Einsatz, Kampf und Leidenschaft sind die positiven Attribute, mit denen er sich in die Herzen vieler Fans gespielt hat. Ein echter "Typ" sei er, sagen die, die ihm wohlgesonnen sind. In einem Business, das komplett durchorchestriert ist, sorgte er immer wieder für ungeskriptete Momente, nicht nur als Torwart und Meister-Feierbiest, sondern vor allem auch in den sozialen Netzwerken, als er etwa zum Scherz einen Wechsel zu RB Leipzig verkündete (was nicht bei jedem gut ankam).

Doch das ist nur die eine Sichtweise. Denn neben den positiven gab es auch immer wieder negative Schlagzeilen, die Spott und Kritik hervorriefen. So pinkelte er nach dem verlorenen Pokalfinale 2014 gegen Bayern München in die Lobby eines Berliner Hotels, ein paar Wochen vorher hatte er einen Mann in Köln mit einem Döner beworfen. Doch diese Ausfälle zogen keine Konsequenzen nach sich. Zwar rüffelte Bundestrainer Joachim Löw den Verteidiger, nahm ihn dann aber dennoch mit nach Brasilien.

Manchmal hatte Großkreutz aber auch einfach Pech: Nachdem er bei seinem Heimatverein Dortmund nicht mehr angesagt war, wollte er 2015 in der Türkei Fuß fassen. Doch sein neuer Klub Galatasaray Istanbul vergaß Unterschriften in seinem Vertrag, die Fifa erteilte Großkreutz keine Spielberechtigung. Er ging trotzdem in die Türkei, wollte sich bis zur nächsten Transferperiode im Training fit halten, doch die Pendelei zwischen der türkischen Metropole und der Familie in Dortmund gefiel ihm nicht. Also wechselte er für 2,2 Millionen Euro zum VfB - ohne ein Spiel für "Gala" gemacht zu haben.

"Ich möchte jetzt ruhiger machen"

In Stuttgart hatte sich Großkreutz eigentlich gut eingefügt. Trotz Abstiegs aus der Bundesliga blieb er, absolvierte in dieser Saison 17 Partien beim Tabellenführer. Bei der Mannschaft entschuldigte er sich nun dafür, "dass so viel Unruhe rein kam". Es sei besser, wenn jetzt Ruhe einkehrt "und sie ihr Ziel erreichen können und aufsteigen werden". Er hoffe, dass er dann eingeladen werde, "und ich mit den Jungs den Aufstieg feiern kann".

Großkreutz will sich nun mit seiner Familie zurückziehen, um nachzudenken. Seit Dezember des vergangenen Jahres ist er Vater einer kleinen Tochter, er bat die Presse darum, in Ruhe gelassen zu werden. Auf dem Fußballplatz wird man ihn naher Zukunft eher nicht sehen. Zum einen, weil er erst zur neuen Saison wieder spielberechtigt ist, zum anderen aber auch, weil er es nicht will: "Ich möchte jetzt ruhiger machen und mit dem Profi-Fußball nichts mehr zu tun haben."

Mit der tränenreichen Abschiedspressekonferenz endet also das Stuttgart-Kapitel in Kevin Großkreutz' bewegter Fußball-Vita. "Ich entschuldige mich bei den Leuten, ich muss damit leider leben", sagte er noch. Man ahnt: Er trägt mehr als nur ein Veilchen davon.

insgesamt 50 Beiträge
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miggelbauer 03.03.2017
1. Kevin allein nach Haus
Warum er wirklich supendiert worden ist, werden wir wohl nie erfahren...Bisher sieht es ja aus, als wäre er unschuldig und als Opfer in eine Schlägerei geraten - ein Ereignis, das Mitgefühl nach sich ziehen sollte und keine Konsequenzen. Scheinbar hat das Stuttgarter Managment einen billgen Vorwand gesucht und gefunden, ihn los zu werden. Hat er nicht verdient!
Sal.Paradies 03.03.2017
2. Bitte mal ein wenig menschlich bleiben!
Diesen Unsinn von wegen "Vorbildfunktion" kann ich bald nicht mehr hören. Natürlich ist es gut, wenn Menschen wie Großkreuz sich in der Öffentlichkeit einigermaßen zu benehmen wissen. Aber nur, weil die faktisch kein echtes Privatleben haben und mehr Geld wie normale Arbeitnehmer verdienen, kann doch nicht verlang werden, dass die alle Fehler/Attitüden ablegen, welchen wir Alle unterlegen sind. Und wenn wir dann schon beim Thema sind, wo ist denn die Vorbildfunktion von unseren Politikern? Leben die auch Alle wie Gott so völlig ohne Sünde? Auch Profifussballer unterliegen psychischen Schwankungen, die sie nicht permanent kompensieren können. Nur weil jemand verletzt ist, bedeutet dies nicht, dass man als Privatmensch nicht auch mal Abends weg gehen darf. Glaubt Ihr eigentlich, dass ein Profifussballer 24Std.am Tag permanent verfügbar sein muss? Auch Fussballer haben ein Privatleben, was weder den Verein und schon gar nicht Foristen bei SPON irgend etwas angehen. Nur weil ein verletzter Spieler Abends länger auf bleibt und eventuell 2 Bierchen trinkt, bedeutet das doch nicht, dass damit die gesamte Rehe unterminiert wird. Der VFB und Kevin haben sich nach Gesprächen auf die Auflösung geeinigt, wobei ich davon ausgehen, dass Großkreuz gar nicht viel anderes übrig blieb, als damit einverstanden zu sein ohne eine noch größere Welle zu erzeugen. Aber all das ist kein Grund, dass hier SPON-Foristen den lieben Gott spielen und nebenbei K.Großkreuz diffamieren. Schaut lieber erst mal selbst in den Spiegel und erinnert Euch, was Ihr schon so alles falsch gemacht habt. Würdet Ihr wollen, dass dann so über Euch gesprochen/geurteilt wird....?
widower+2 03.03.2017
3. Spielberechtigt
"Auf einer Pressekonferenz anlässlich der "beiderseitig einvernehmlichen Vertragsauflösung" wirkte er geknickt." Wenn es eine Vertragsauflösung gab, wäre er meiner Kenntnis nach auch für einen anderen Verein wieder spielberechtigt, da vertragslose Spieler auch außerhalb der Transferperiode verpflichtet werden dürfen. Oder liege ich da falsch?
markus.w77 03.03.2017
4.
ich mochte ihn schon immer. Es gibt halt Menschen die in einem anderen Umfeld als der "normale Spiessbürger" groß werden. Dann fällt es natürlich schwerer sich dort einzufügen. Ein Jagdhund wird nie ein Schoßpudel. Schade drum und alles gute Kevin. Lasdt ihn in Ruhe!
thommy2130 03.03.2017
5. Einfach nur Peinlich
wie der VFB sich von seinem ungeliebten Spieler trennt. Bei anderen Gelegenheiten war der Vorstand nicht so konsequent. Das Kevin nicht verdient. Vielleicht rächt sich das noch, indem der VFB nicht aufsteigt !
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