Serie A Kevin-Prince Boateng beklagt Rassismus in Italiens Stadien

Kevin-Prince Boateng gilt als Symbolfigur im Kampf gegen Fremdenhass. In einem Interview hat er nun wachsenden Rassismus in den Fußballstadien kritisiert und Italiens Innenminister Matteo Salvini attackiert.

Kevin-Prince Boateng
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Kevin-Prince Boateng


Der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng hat sich nach den jüngsten Vorfällen im italienischen Fußball zum Thema Rassismus geäußert. "Ich habe nicht den Eindruck, dass Fortschritte gemacht worden sind. Die Lage hat sich in den letzten fünf Jahren noch mehr verschlechtert", sagte Boateng, der aktuell in der Serie A für Sassuolo Calcio spielt, in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera.

Boateng erklärte sich mit Kalidou Koulibaly, einem Verteidiger der SSC Neapel, solidarisch, der beim Serie-A-Spitzenspiel gegen Inter Mailand am Mittwoch Opfer rassistischer Beleidigung geworden war. Der italienische Fußballverband hatte Inter daraufhin zu zwei Heimspielen vor leeren Rängen verurteilt. In einem dritten Spiel muss die Fankurve im Giuseppe-Meazza-Stadion leer bleiben.

Rassismus ist im italienischen Fußball schon lange ein Problem. Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger hatte im Vorfeld der WM in Russland im SPIEGEL-Interview über seine Erfahrungen in der Serie A gesprochen. Auch die Fans von Inter Mailand sind nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen: 2013 führte Fremdenfeindlichkeit im Spiel gegen Juventus zu einem Teilausschluss der Inter-Fans, 2014 musste der Klub zwei Spiele ohne Fankurve auskommen, Auslöser dafür waren diskriminierende Fangesänge gegen Neapel.

"Das ist Rassismus"

Boateng war im Januar 2013 selbst rassistisch beleidigt worden, als er als Milan-Profi bei einem Testspiel gegen den Klub Pro Patria im lombardischen Busto Arsizio angetreten war. Er hatte damals nach 26 Minuten den Platz verlassen, weil Fans von Pro Patria ihn und die übrigen dunkelhäutigen Mailänder Spieler fortwährend rassistisch beleidigt hatten. Das Spiel wurde abgebrochen, die Pro-Patria-Fans freigesprochen. Im selben Jahr sprach Boateng am Uno-Sitz in Genf über seine Erfahrungen.

"Ich wurde damals von circa 50 Fans beleidigt, im San-Siro-Stadion waren es 10.000. Das ist Rassismus. Für einige Personen sind farbige Menschen Affen", sagte Boateng. "Auch die Lage in Deutschland ist nicht sehr anders. Im Alltag habe ich nie diskriminierende Vorfälle erlebt, doch ich bin 1,90 Meter groß und wiege 90 Kilo. Vielleicht überlegt da einer vorher."

Boateng kritisiert Salvini

Boateng kritisierte auch den italienischen Innenminister Matteo Salvini, der erklärt hatte, dass das Spiel zwischen Inter und Neapel wegen der rassistischen Beleidigungen gegen Koulibaly nicht hätte unterbrochen werden sollen. "Das wäre auch für die Millionen Menschen, die das Spiel im Fernsehen gesehen haben, richtig gewesen", sagte Boateng.

Nach dem Spiel war es in der Nähe des Stadions zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Vereine gekommen. Dabei kam ein Fan von Inter Mailand ums Leben. Vier Napoli-Fans wurden durch Messerstiche verletzt.

tbe/dpa/sid

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