Überraschender Wechsel Boateng wäre "auch nach Barcelona gelaufen"

Kevin-Prince Boateng äußerte sich bei seiner Vorstellung überrascht, aber auch glücklich über seinen Wechsel zum FC Barcelona. Spanische Medien sind verblüfft - und sprechen von einem "surrealen Wechsel".

Kevin-Prince Boateng
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Kevin-Prince Boateng


"Ich weiß, dass ich nicht unbedingt Stammspieler sein werde", sagte Kevin-Prince Boateng, als er vom FC Barcelona als Zugang für die Rückrunde vorgestellt wurde. Gezögert habe der 31-Jährige dennoch nicht, als das überraschende Angebot kam: "Ich musste diese Chance beim FC Barcelona nutzen. Ich hätte gar kein Flugzeug benötigt, ich wäre auch nach Barcelona gelaufen."

Ähnlich gering wie der Spieler selbst schätzen auch spanische Medien die Chancen Boatengs ein, sich in der ersten Elf der Katalanen zu etablieren. "Viele werden heute beim Lesen dieser Nachricht gedacht haben, dass es sich um Fake News handelt. Und es gibt viele Gründe, das zu glauben", schrieb das Blatt "Marca" und nannte den Transfer einen "surrealen Wechsel". Einsatzchancen werden ihm nur eingeräumt, sollte sich Luis Suárez verletzen und ausfallen.

Ob die Sportzeitung recht behält, wird die weitere Saison zeigen: Bei Verpflichtungen des Klubs in Liga, zwei nationalen Pokalwettbewerben und der Champions League sollten Einsätze für Boateng auch ohne Ausfall des Superstars realistisch sein.

Barcelona leiht Boateng bis zum Saisonende vom italienischen Erstligisten US Sassuolo aus und besitzt eine Kaufoption über acht Millionen Euro. Der Deutsch-Ghanaer kennt die Primera División aus seiner Zeit bei der UD Las Palmas, wo er in der Saison 2016/2017 spielte. Seit diesem Engagement soll Boateng auch gut Spanisch sprechen.

"Ein großer Traum"

Die sprachliche Eignung scheint für spanische Medien die Zweifel nicht aufzuwiegen, die mit dem Boateng-Transfer verbunden sind. "Warum", fragte ein Kommentator der Zeitung "Sport", leihe sich der Klub einen Spieler aus, der bereits bei elf Arbeitgebern unter Vertrag stand, der einen "exzentrischen Charakter hat und der heute eher für sein außersportliches Leben als für seinen Fußball bekannt ist?"

Kevin-Prince Boateng (M.) in Barcelona
DPA

Kevin-Prince Boateng (M.) in Barcelona

Tatsächlich äußerte sich der Spieler selbst sehr offen zu unprofessionellem Verhalten in seiner Vergangenheit und sagte dem britischen "Guardian" 2017 in Bezug auf seine frühen Jahre als Spieler: "Ich war jede Nacht feiern bis sechs Uhr. Ich wog etwa 95 Kilo, war dick vom Trinken und schlechten Essen. Jetzt weiß ich, wie schlimm das war."

In der Bundesliga hatte Boateng zuletzt für Eintracht Frankfurt gespielt und mit dem Klub sowohl den DFB-Pokalsieg als auch den Einzug in die Europa League gefeiert. Zur laufenden Saison wechselte er nach Sassuolo, Berichten zufolge um näher bei seiner italienischen Frau und seinem Sohn zu sein. Umso mehr überraschte sein Wechsel nach Spanien. Boateng sagte über die Entscheidung: "Ich denke, für jedes Kind, das anfängt, Fußball zu spielen, ist es ein großer Traum, für einen Klub wie Barcelona zu spielen."

tip/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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wi_hartmann@t-online.de 22.01.2019
1. Fußballsöldner
Den Ruf des Geldes folgend eine ehrliche Antwort. Besser bei Barca auf der Bank als bei einem Bundesligaspitzenclub wöchentlich zu spielen.
Pränki 22.01.2019
2. Respekt!
Alle Achtung, vor einigen Jahren wurde er noch als kommender Sportinvalide gehandelt und das erste Mal von Milan nach guten Jahren abgegeben. Am Ende ist die Achterbahnfahrt des Kevin Prince super verlaufen. Frankfurt war ja auch schon ein lohnendes Jahr. Meinen Respekt Herr Boateng
derfalscheprophet 22.01.2019
3. Alles richtig gemacht!
Glückwunsch. Mit der professionellen Einstellung kommt er noch sehr weit. Kann mir vorstellen, dass er als 6er fungieren kann. Mental ein Monstrum und hievt das Team nach ganz oben!
inge-p.1 23.01.2019
4. Gratulation, Kevin-Prince Boateng
Ja, Sie wären auch zu Fuß nach Barcelona gelaufen - das kann ich verstehen. Barcelona ist neben Madrid und Liverpool einer der Spitzenclubs in Europa. Es wird einige Neider geben, die auch nach Barcelona auf allen Viren gekrochen wären, aber das Desinteresse und die Mittelmäßigkeit verhindert dieses Schauspiel. Viel Glück, Kevin-Prince Boateng
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