Paris Saint-Germain schlägt Chelsea Auf Trapp gehalten

Er wurde in Paris wegen seiner Fehler verlacht. Jetzt hat Kevin Trapp PSG mit zwei Paraden den Sieg gegen Chelsea gerettet - und damit sogar dem Liebling von Guus Hiddink die Show gestohlen.

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Ausgangslage des Abends: Zum dritten Mal in Folge trafen Paris Saint-Germain und Chelsea in der K.o.-Phase der Champions League aufeinander. Vor zwei Jahren hatten sich die Londoner im Viertelfinale durchgesetzt, vergangene Saison kam PSG im Achtelfinale weiter. Jedes Mal entschieden die Auswärtstore. Ein enges Match war es auch jetzt wieder.

Ergebnis des Abends: 2:1 (1:1)

Die erste Hälfte: Chelsea überließ dem Gegner den Ball und wollte mit zwei tiefen Viererketten den Druck der Gastgeber aufsaugen. Das hatten wir doch schon mal. Und es funktionierte zunächst auch im Prinzenpark ganz gut: PSG hatte in der ersten halben Stunde vor allem Fernschüsse zu verzeichnen. Dann, sechs Minuten vor der Pause, ein Freistoß: Zlatan Ibrahimovic schießt, John Obi Mikel fälscht ab. 0:1. Doch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: Ecke Chelsea, Ibrahimovic springt unter dem Ball hindurch. Mikel trifft aus wenigen Metern. Jetzt waren sie quitt.

Die zweite Hälfte: Wesentlich dramatischer als die erste. PSG machte noch mehr Druck, Chelsea konnte die Pariser immer schlechter aus dem eigenen Strafraum fernhalten. Aber lange hielt Chelsea-Keeper Thibaut Courtois das Unentschieden fest. Dann zwei Wechsel: Óscar kam bei Chelsea und vergab Minuten später eine Riesenchance. PSG brachte Edinson Cavani. Der erzielte drei Minuten später das Siegtor.

Rückkehrer des Abends: Guus Hiddink hat zum zweiten Mal die Rolle des Übergangstrainers beim FC Chelsea übernommen. Der Niederländer ist bis zum Saisonende Nachfolger von José Mourinho. Die Niederlage in Paris war die erste unter seiner Leitung im 13. Pflichtspiel. Aber die Ausgangslage ist nicht schlecht. Kann Hiddink sogar die Champions League gewinnen? Es wäre sein zweiter Titel in Europas wichtigstem Wettbewerb nach dem Erfolg mit PSV Eindhoven. Das war 1988. 28 Jahre Warten zwischen zwei CL-Titeln: Das sind sogar 13 mehr als bei Josef Heynckes, der 1998 mit Real Madrid und 2013 mit den Bayern triumphierte.

Trainerliebling des Abends: John Obi Mikel. Der Nigerianer spielte bei Chelsea in den vergangenen Jahren eher die Rolle des Ergänzungsspielers. Aber unter Hiddink hatte er schon bei dessen erstem Einsatz fast alle Spiele in der Startelf erlebt - und nie verloren. Auch jetzt bestand eine der ersten Amtshandlungen des Trainers darin, Mikel wieder in der Mannschaft zu installieren. Im Prinzenpark stand Mikel im Mittelpunkt. Er foulte Lucas Moura und verschuldete damit den Freistoß zum 1:0. Der war nur drin, weil Mikel selbst den Schuss von Ibrahimovic abfälschte. Minuten später erzielte Mikel selbst den Ausgleich. Es war erst sein sechstes Tor im 355. Spiel für Chelsea.

Vermisster Profi des Abends: John Terry muss seinen Klub am Saisonende verlassen, nach 18 Profijahren beim FC Chelsea. Das vielleicht letzte Champions-League-Auswärtsspiel konnte der Kapitän der Blues nicht auf dem Platz erleben. Er hatte sich am Wochenende verletzt. In Terrys Abwesenheit übernahm Branislav Ivanovic die Kapitänsbinde und Terrys Platz in der Innenverteidigung. Der Serbe machte ein gutes Spiel, konnte die Niederlage aber nicht verhindern.

Nicht vermisster Profi des Abends: PSG hatte seinen Außenverteidiger Serge Aurier vor dem Spiel suspendiert. Weil er sich als homophober Idiot geoutet hat. Als Signal wichtig. Und sportlich kein Problem: Ersatz Marquinhos spielte tadellos.

Ex-Bundesligaspieler des Abends: Durch Terrys Ausfall wurde in Chelseas Abwehr eine Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende der Einsatz von Baba Rahman als Linksverteidiger stand. Der ehemalige Fürther und Augsburger bekam es mit keinem Geringeren als Ángel di María zu tun. Nach vorne sah es gut aus, als der Ghanaer eine perfekte Flanke auf Diego Costa zirkelte. Der kam zum Kopfball, es schien das sichere 0:1 - aber Kevin Trapp im Pariser Tor lenkte den Ball mit einer grandiosen Reflexparade an die Latte. Nach der Pause parierte der Deutsche erneut stark gegen den Stürmer.

Für Baba hingegen lief nicht alles rund: Sein Defensivverhalten wurde von den Mitspielern mehrfach kritisiert. Allerdings war diese Pariser Mannschaft auch wirklich schwerer zu verteidigen als die Gegner, die einst am Fürther Ronhof vorstellig wurden.

Ausblick des Abends: In drei Wochen gibt es das Rückspiel an der Stamford Bridge. Ein 1:0 würde Chelsea reichen. Dann würden einmal mehr die Auswärtstore zwischen diesen beiden Teams entscheiden.

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foolbar 17.02.2016
1.
Hab heute in der Zusammenfassung nur seine Hand-Parade gesehen. Hammer. Gilt wohl wie immer... an deutschen Torhütern soll die (Sport-)Welt genesen. Und nein, das war jetzt nicht in dem Sinne von der Schnodderbremse. Ich find es nur interessant, wie Deutschland immer wieder klasse Torhüter hervorbringt in sämtlichen Sportarten. Muss wohl an unserer destruktiv zweifelnder Art liegen.
aurichter 18.02.2016
2. @ foolbar
Ich würde glatt behaupten, daß weitsichtige Ex-Spitzenkeeper wie Sepp Meier, Gary Ehrmann, sowie die vielen Torwarttrainer wie Uwe Kamps und wie Sie alle heissen, dies sehr gut gesehen haben, daß eine fundierte Ausbildung und permanente Arbeit den Erfolg mit Spitzentorhütern schon fast garantiert. Diese exzellente Arbeit wird m.E. viel zu wenig gewürdigt. Zu oft stehen die Trainer im Focus, die junge Talente in den Teams fördern, von den Torwart-Ausbildern, die in der Regel im Einzeltraining diese Keeper permanent verbessern, davon redet fast kein Mensch. Wie wichtig diese Förderung dieser speziellen Charakteren ist die da zwischen den Pfosten stehen, haben wir doch bei sehr vielen Top-Torhütern in der NM gesehen, die Liste ist lang und entwickelt sich auch zunehmend zum Exportschlager. Wann hat es schon mal soviel deutsche Torhüter in ausländischen Ligen gesehen? Ich behaupte sogar, daß es in den Jahren noch wesentlich mehr werden.
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