Kick It Wozu brauchen Schwaben Fußball?

Warum es bundesweit betrachtet durchaus gerecht zu nennen ist, wenn der VfB Stuttgart mal wieder in die Zweite Liga verschwinden würde.

Von Katrin Weber-Klüver


Fleißige Schwaben im Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen
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Fleißige Schwaben im Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen

Landsmannschaftlich betrachtet hat die Bundesliga Lücken. Es gibt keinen Holsteiner Verein, was schon deshalb tragisch ist, weil es niemals anders war und niemals anders sein wird. Nördlich von Hamburg gedeihen nur so verschrobene Körperertüchtigungen wie Handball.

Es gibt auch keinen sächsischen Verein in der Bundesliga, aber in Sachsen gibt es immerhin Fußballtradition und also auch Hoffnung. Gerade gibt es auch keinen fränkischen Verein. Aber das wird sich garantiert bald ändern, was schön für Nürnberger ist, weil sie außer Fußball und Lebkuchen nicht viel haben, woran sie sich freuen können.

Im Ruhrgebiet gibt es gleich drei Bundesligavereine, was Sinn macht, weil es hilft, den Malochermythos am Leben zu halten und man sich schließlich über irgendetwas ja definieren muss. Ein Verein in Berlin ist auch vernünftig, denn jede Hauptstadt sollte einen haben. Aber: Wozu brauchen Schwaben Fußball? Sie haben eh alles im Überfluss und genug zu tun: Geld zählen, dicke Autos fahren, Häuser bauen. Fußball und der VfB dienen da bestenfalls der Zerstreuung.

Feist und fett auf der Haupttribüne

Natürlich gibt es Schwaben, die Fußball sehr lieben, jene beispielsweise, die am Sonnabend im Parkstadion bitterlich in ihre roten Schals geweint haben wegen der Niederlage des VfB Stuttgart. Aber es gibt vor allem Schwaben, die sich feist und fett auf der Haupttribüne niederlassen, nur um von dort ihre eigene Mannschaft zu beleidigen.

Dieses griesgrämige, gelangweilte Haupttribünenkeifen beherrschen Schwaben wie sonst nur Anhänger von Bayer Uerdingen. Einstmals. Wie weit es mit dem kleinen Club aus Krefeld dann gekommen ist, weiß man ja.

Bei Uerdingen war die Angelegenheit allerdings immer überschaubar: Die blieben schön zu Hause und meckerten unter sich. Bei den Schwaben zu Hause aber ist die Laune so runter, dass ihr Stadion immer halb leer ist. Kein anderes Bundesligastadion ist auch nur annähernd so schlecht ausgelastet.

Keine Ironie, keine Zuneigung, keine Hoffnung

Also fallen die Schwaben andernorts ein, um schlechte Laune zu verbreiten. Das machen sie so gnadenlos, dass es einen am Sinn des Fußballs zweifeln lässt, am Guten im Menschen sowieso.

Schwäbische Fußballunterhaltung geht nämlich so: Drei Schwaben sitzen auf der Haupttribüne, gerade ist die zweite Halbzeit angepfiffen und der Ausgleich für den VfB gefallen. Da sind die Schwaben kurz baff und schweigen beleidigt. Dann kommt der vierte Schwabe vom Würstchenholen und fragt: "Was passiert?" Sagt einer: "Ausgleich geschossen." Fragt die Bratwurst: "Wer?" Sagt ein anderer: "Ganea." Sagt die Bratwurst: "Der Blinde."

Das ist keine Spur ironisch, da steckt kein Hauch Zuneigung drin, von stillem Glück oder einem Funken Hoffnung ganz zu schweigen. So sind Schwaben. Sie hätten sich einen Abstieg wirklich verdient.



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