Allofs-Dementi: Verzicht aufs Paradies?

Von Nils Lehnebach

Klaus Allofs galt über Jahre als einer der besten Manager der Liga, blieb aber dennoch im beschaulichen Bremen. Doch zuletzt ging es mit Werder sportlich bergab. Jetzt hat Allofs ein kolportiertes Interesse des potenten Konkurrenten Wolfsburg dementiert. Dabei würde vieles für einen Wechsel sprechen.

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Bremens Manager Allofs: Vor einem Wechsel nach Wolfsburg

Die Stimmung kann nur bescheiden sein, wenn man ein Minus von knapp 14 Millionen Euro verkünden muss. Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, Klaus Allofs, musste dies am Montag bei der Mitgliederversammlung tun, als er die Bilanz des Geschäftsjahres 2011/2012 offenlegte. Allofs sagte: "Wir fühlen uns nicht wohl in unserer Haut."

Nun kann der Club kurzfristig wenig an seiner Situation, an seiner Haut, ändern. Allofs hingegen schon: Er kann sich einen anderen Verein suchen. Und offenbar hat der 55-Jährige zumindest darüber nachgedacht. Nach übereinstimmenden Medienberichten steht der Manager kurz vor einem Wechsel zum VfL Wolfsburg, schon im Winter könnte dieser vollzogen werden. Allofs selbst dementierte. "Mir liegt kein Angebot des VfL Wolfsburg vor", sagte er, auch Gespräche habe es noch nicht gegeben. Wolfsburgs Aufsichtsratsmitglied Stephan Grühsem klang da deutlich anders: "Klaus Allofs ist mit seinem Profil ein Manager, der sicher jedem Club gut zu Gesicht stehen würde."

Und dass der VfL Allofs offenbar als Manager-Nachfolger für Felix Magath verpflichten möchte, ist nachvollziehbar. Allofs Arbeit erhielt über Jahre viel Wertschätzung. Er verpflichtete mit Johan Micoud, Diego, Mesut Özil, Miroslav Klose und Per Mertesacker zahlreiche Profis, die in Bremen zu Stars reiften. Zumeist für relativ wenig Geld, um sie dann nach einigen Jahren für ein Vielfaches zu verkaufen.

Diese Praxis machte das kleine Bremen, von den Voraussetzungen im Bereich Stadion und Sponsoren deutlich benachteiligt gegenüber Clubs wie dem Hamburger SV, Schalke 04 oder Dortmund, über Jahre zur Nummer zwei in Deutschland. Der Club war Stammgast in Europa, holte 2004 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Als Väter des Erfolgs galten Allofs und Trainer Thomas Schaaf, vom "Kicker" einst als "Traumpaar der Liga" bezeichnet. Doch nicht nur die Bremer Spieler waren bei anderen Clubs begehrt, auch Allofs selbst.

Im Herbst 2005 wurde er als Nachfolger von Uli Hoeneß als Bayern-Manager gehandelt, zeigte aber kein Interesse. Dem "Bundesliga Magazin" sagte Allofs damals über seinen Posten bei Werder: "Es gibt für mich keinen interessanteren Job in Deutschland."

Die heile Werder-Welt bekam zuletzt Risse

Allofs hat seine Meinung mittlerweile wohl geändert - verständlicherweise. Werder spielte über Jahre am absoluten Limit. Nun hat der Club zweimal in Folge das europäische Geschäft verpasst, auch in dieser Saison wäre der Einzug in die Europa League eine Überraschung. Die Perspektive, sportlich kurzfristig wieder Erfolge zu feiern, ist nicht gegeben. Auch weil der Verein sparen muss.

In Wolfsburg aber hat man mit dem Sparen nicht viel am Hut. In den vergangenen drei Jahren gab der Club gut 120 Millionen Euro für neue Spieler aus. Trainermanager Felix Magath durfte verpflichten, wen er wollte. Ein Paradies für einen Manager. Einen wirklichen Plan schien Magath dabei nicht zu haben, ohne die notwendigen sportlichen Erfolge musste er Ende Oktober gehen.

Allofs traut man in Wolfsburg als Nachfolger offenbar zu, die Millionen von Geldgeber VW deutlich zielgerichteter zu investieren. Zwar lag der 55-Jährige in Bremen zuletzt auch einige Mal daneben und leistete sich mit Mehmet Ekici (5 Millionen Euro Ablöse), Wesley (7,5), Carlos Alberto (7,8) und Boubacar Sanogo (4,5) diverse Fehleinkäufe. Magaths Transfergebaren aber hatte noch einmal eine ganz andere Qualität.

Doch es wäre zu einfach, Allofs nur finanzielle Motive zu unterstellen. Die heile Werder-Welt hatte zuletzt Risse bekommen, das Arbeiten an der Weser wurde ungemütlicher. Der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke bewilligte 2011 zwischenzeitlich kein Geld mehr für Zugänge, jetzt wurde Marco Bode in den Aufsichtsrat berufen. Wohl auch, um Allofs auf die Finger zu schauen. "Marco Bode ist sicher ein Gewinn für Werder Bremen, er wird sich aber zunächst orientieren müssen, um dann seine Rolle im Aufsichtsrat zu finden", sagt Allofs etwas abfällig.

Es sind Probleme, die in Wolfsburg nicht warten. Und für den Job beim VfL spricht noch etwas: Nach dem Magath-Abschied könnte Allofs zudem die Trainerposition nach seinen Vorstellungen besetzen. Zumal es mit Mirko Slomka, Armin Veh und Huub Stevens erfolgreiche Bundesliga-Trainer gibt, deren Verträge am Saisonende auslaufen.

Der Kontrakt von Allofs-Spezi Schaaf läuft noch bis 2014. Auch Allofs hat in Bremen noch einen Vertrag - bis 2015. Stand heute.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Ziemlich langer Artikel...
Wagnerf 08.11.2012
... um zuzugeben, dass man eine Ente in die Welt gesetzt hat.
2. optional
-neutral- 08.11.2012
und ich war schon geschockt. Besser so als es gar nicht zuzugeben
3. ...
eknoes 08.11.2012
Zitat von sysopKlaus Allofs galt über Jahre als einer der besten Manager der Liga, blieb aber dennoch im beschaulichen Bremen. Doch zuletzt ging es mit Werder sportlich bergab. Jetzt hat Allofs ein kolportiertes Interesse des potenten Konkurrenten Wolfsburg dementiert. Dabei würde vieles für einen Wechsel sprechen. Klaus Allofs soll neuer Manager in Wolfsburg werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/klaus-allofs-soll-neuer-manager-in-wolfsburg-werden-a-866141.html)
Der "potente" Konkurrent Wolfsburg? Alles was an diesem Club "Potenz" hat, ist die verlässliche und ewig sprudelnde Geldquelle, aus der er sich speist.
4. optional
MrSelfDestruct 09.11.2012
"Marco Bode ist sicher ein Gewinn für Werder Bremen, er wird sich aber zunächst orientieren müssen, um dann seine Rolle im Aufsichtsrat zu finden", sagt Allofs etwas abfällig." Oh ja, total abfällig. Da hat er dem Bode ja ordentlich einen mitgegeben! Der tritt bestimmt direkt zurück von seinem Amt!
5. also
1895olé 09.11.2012
Zitat von sysopKlaus Allofs ... Wolfsburg ... Wechsel Klaus Allofs soll neuer Manager in Wolfsburg werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/klaus-allofs-soll-neuer-manager-in-wolfsburg-werden-a-866141.html)
Ich finde Klausi-Mausi darf ruhig so 2-3 Jahre in Wolfsburg noch 'mal richtig Kasse machen. Danach kann er es sich leisten, zuhause der Nachfolger von Wolf Werner zu werden. Sein kleiner Bruder wird da bestimmt was machen können ...
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