Klinsmann-Erscheinung in München Ein bisserl Arroganz zum Einstand

Eklat bei der ersten Pressekonferenz: Jürgen Klinsmann, neuer Trainer des FC Bayern, verkündet in München seine Ziele - und lässt dabei keine Fotografen zu. Seine großzügig gewährte Drei-Minuten-Aufnahmeerlaubnis wurde prompt beantwortet: mit einem Bildboykott.

Aus München berichtet


Alles neu beim FC Bayern. Jürgen Klinsmann ist da, das neue Trainingszentrum an der Säbener Straße fast fertig, die Spieler bekommen den Acht-Stunden-Tag. Und die Medienarbeit wird neu organisiert: Geordneter wird es zugehen, meint die Vereinsführung. Soll heißen: restriktiver.

Einen Vorgeschmack bot der erste Auftritt Klinsmanns vor der Presse in den Katakomben der Münchner Allianz-Arena. Nur in den ersten drei Minuten dürfe fotografiert werden, verkündet FC-Bayern-Sprecher Markus Hörwick. Denn Klinsmann möge die Blitzlichtgewitter und Geräusche der Kameras nicht.

Klinsmanns Allergie ist bekannt aus seinen Bundestrainer-Zeiten. Nichtsdestotrotz ist Blitzlicht Standard auf öffentlichen Pressekonferenzen. Aber eben nicht mehr hier. Wieder etwas Neues beim einstigen FC Hollywood. Die Reaktion der rund 30 Fotografen: Sie ziehen geschlossen ab. Die 15 Kamerateams bleiben.

Und was macht Klinsmann? Der tut so, als ginge ihn das gar nichts an. Schaut in die Ferne - und lächelt. Links und rechts neben ihm sitzt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß. Die beiden können das auch mit dem Blick in die Ferne. Aber bei ihnen funktioniert die Kombination mit dem Lächeln nicht so gut.

Der freundliche Herr Klinsmann und um ihn herum die Lordsiegelbewahrer des FC Bayern München. Ein schönes Bild. Nur ist ja nun leider keiner mehr da, der das festhalten könnte.

Klinsmann blendet Mini-Eklat und Machtprobe zum Start sogleich per Klinsmann-Vokabular aus: "Riesige Freude" und "Enthusiasmus" verspüre er bei seiner Trainertätigkeit in München. Es sei "überwältigend positiv". Die neue Säbener Straße nennt er "ein Schmuckstück". Da muss sogar Rummenigge mitmachen. "Wir haben die perfekte Oase für unsere Spieler geschaffen." So einen Satz muss man erstmal ohne Glanz in den Augen sagen. Karl-Heinz Rummenigge kann das.

Wellness-Welle und Klinsmann-Sound auf dem Podium überdecken nicht, dass hier ein außergewöhnlicher Trainer antritt, mit detaillierten Vorstellungen und ambitioniertem Programm: Jeder Spieler solle jeden Tag besser gemacht werden, "das ist meine Philosophie", sagt Klinsmann. Deshalb werde die Arbeit mit der Mannschaft individualisiert.

"Es liegt an mir, viel zu kommunizieren", denn diese junge Spielergeneration "wartet darauf, inspiriert, stimuliert und motiviert zu werden". Man werde den Spielern Angebote machen, wie etwa mentales Training – "und wenn einer Yoga machen möchte, dann werden wir das organisieren". Auch ein tägliches Deutsch-Sprachtraining ist im Angebot.

Aber was hilft all das, wenn sich einer nicht wohl fühlt bei den Bayern, wie Lukas Podolski? Klinsmann lächelt. Natürlich. Bei Podolski und auch Bastian Schweinsteiger sei "noch viel Potential da". Die beiden hätten in der Nationalmannschaft seit 2005 "schon Dinge erlebt, die andere Spieler in ihrer gesamten Karriere nicht erleben", das seien "Extreme" gewesen. Nun benötigten sie aber "Stabilität" – und genau das sei "unser Job", so Klinsmann. Er könne beiden aber "keine Garantien" auf einen Stammplatz geben, "dafür ist unser Kader zu gut besetzt". Es ist dem Mann im blauen Trainingsanzug mit dem Logo "JK" auf der Brust da vorne anzumerken, dass er die beiden gern im Team behielte.

Rummenigge scheint nichts dagegen zu haben. Die Wechselgerüchte um Podolski und den 1. FC Köln seien "eine große und totale Ente". Er habe an diesem Morgen mit dem Kölner Manager Michael Meier telefoniert: "Ich habe ihm gesagt, dass es die endgültige Meinung des FC Bayern ist, Podolski nicht zu verkaufen." Das sei "eine grundsätzliche Entscheidung". Gleiches gelte für Schweinsteiger. Zudem habe er, Rummenigge, den Kollegen Meier "gebeten", seinen Trainer Christoph Daum "entsprechend zu sensibilisieren". Der hatte die Gerüchte um Podolski zuletzt immer wieder befeuert.

Klinsmann sagt nichts dazu. Einmal gibt er eine entsprechende Frage an Hoeneß weiter: "Uli, wenn Du das vielleicht …" Klar, das ist das Geschäft vom Uli. Fragen zu den sportlichen Zielen dagegen beantwortet Klinsmann gern, knapp und entschieden: Ganz einfach, es seien "die höchsten". Die Fans wünschten sich "zwei nationale Titel und dass wir in der Champions League bis zum Schluss dabei sind."



Forum - Klinsmann - der richtige Trainer für die Bayern?
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Tomislav, 11.01.2008
1.
Zitat von sysopJürgen Klinsmann wird Nachfolger von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern München. Der frühere Bundestrainer wird seinen neuen Job zum 1. Juli 2008 antreten. Ist der Startrainer der richtige Mann für die Bayern?
Ich denke, das er auf jeden fall ein guter Trainer ist und was aus der Mannschaft rausholen kann. Ein ehrgeiziger Mann mit klaren Vorstellungen, in die er sich nicht von aussen reinreden läßt. Allerdings könnte genau das für Zündstoff sorgen. ;)
nephrom 11.01.2008
2.
Der nächste Bayern-Thread... Auf jeden Fall ist es eine überraschende und mutige Entscheidung der Bayern-Führung, einen nicht so arrivierten Trainer zu engagieren. Ob Klinsmann der richtige Mann ist, wird man erst nächste Saison sagen können. Was mich aber interessiert: Was macht Klinsmann denn zum Startrainer?
anselmi 11.01.2008
3.
Nur die allerdümmsten Kälber... Der Vorstand wird das Gehüpfe und Gezappel von Klinsmann ein halbes Jahr lang ansehen, um in der Winterpause einen vernünftigen Trainer zu verpflichten, der wenigstens einen UEFA-Cup-Platz retten kann.
anselmi 11.01.2008
4.
... bin ja mal gespannt, ob man den FC Bayern von Kalifornien aus trainieren kann.
lemmiecaution 11.01.2008
5.
Das ist ja nun die größte Lachnummer aller Zeiten und ein Indiz, dass Weißwürste gefährliche Nebenwirkungen haben. Dem Quatsch, Magath rauszuschmeissen, um Hitzfeld zurückzuholen, setzen die Bayern-Chefs jetzt die Krone auf. Klinsmann als Klubtrainer ? Wer soll denn da trainieren, Jogi Löw als Assistenztrainer ? Seine amerikanischen Kasperfreunde als Konditions- und Techniktrainer ? Welche Aufgaben übernimmt Bierhoff ? Und vor allem : Jede Woche First-Class-Tickets nach Kalifornien und zurück, wer zahlt das ? Als erstes wird er seine früheren Gegner und Kritiker im Verein rausschmeissen, Sepp Maier wird sich schon freuen. Vielleicht kann sein Spätzle-Spezi Mayer-Amselfelder den Bayern-Vorstand ablösen. Ein Schlag ins Gesicht für alle gestandenen Fußballtrainer. Ein Witz, wie gesagt : eine Lachnummer.
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