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Fußball im TV: Mehr Klopp!

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Für Taktik-Analysen bleibt bei der Berichterstattung rund um Live-Fußballspiele wenig Zeit. Stattdessen gibt es oft flache Fragen wie jene, die Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im ZDF so aufregten. Dabei war man bei dem Sender doch schon mal weiter.

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Es geht nicht nur um ein missratenes Interview. Das verunglückte Gespräch, das ZDF-Moderator Jochen Breyer mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp führte, hat auch die Frage nach der Qualität der Sportberichterstattung im Fernsehen aufgeworfen. Wie peppig, wie populär darf er denn sein, der Fußball im TV, wie fachmännisch sollte er kommentiert werden?

Zunächst einmal die Fakten: Das ZDF hat viel Geld für die Übertragung der Champions-League-Spiele hingeblättert. Für die gut 50 Millionen Euro, die das ZDF pro Saison für die bis zu 18 Partien bezahlt, hat der Sender auch das Recht erworben, als erster mit den Trainern der deutschen Teams Interviews führen zu können. Wenn Jürgen Klopp nach einem Spiel der "Königsklasse" also seine Medientour beginnt, hat er bei dem Zweiten Deutschen Fernsehen zu beginnen, bevor es zum anderen Erstverwerter, dem Bezahlsender Sky, geht - sofern das ZDF überträgt.

Sky besitzt die Rechte an sämtlichen Champions-League-Partien und tritt bei allen anderen Spielen der deutschen Clubs als "audiovisueller Erstverwerter" auf, wie es die Uefa so stilvoll formuliert. Die Verpflichtungen beginnen für die Trainer - und auch für die Spieler - schon am Tag vor einer Champions-League-Partie.

  • Vor dem Spieltag: Die Uefa hat die Vereine verpflichtet, am Vortag eine Pressekonferenz abzuhalten, an der der Coach sowie mindestens ein Profi, besser zwei, teilnehmen. Außerdem müssen der Trainer und ein Spieler dem wichtigsten TV-Rechteinhaber ihres Landes für ein "kurzes Interview" (Champions-League-Regularien) zur Verfügung stehen. Im Falle von Klopp also dem ZDF und Sky.
  • Kurz vor dem Spiel: Sofern Trainer und Spieler einverstanden sind, sind Interviews nach der Ankunft am Stadion möglich. Sogar in der Halbzeit kann mit dem Coach oder einem seiner Assistenten gesprochen werden, falls der Verein sein Okay gibt.
  • Unmittelbar nach dem Spiel: Nach dem Abpfiff müssen die Vereine den Trainer oder einen Schlüsselspieler neben dem Spielfeld für mindestens zwei Flash-Interviews (circa drei Fragen) zur Verfügung stellen, so dass die übertragenden TV-Sender eine erste Stellungnahme bekommen. Je ein weiteres Gespräch pro Sender ist auf Antrag bei der Uefa möglich.
    In der Nähe der Umkleidekabinen müssen danach noch der Trainer sowie zwei bis vier Spieler allen TV-Erstverwertern Rede und Antwort stehen. Der Coach geht dabei oft in ein Studio - in einem solchen kam es auch zum Gespräch zwischen Breyer und Klopp.
  • Mixed Zone: Alle Spieler sind verpflichtet, nach der Partie durch die gemischte Zone zu gehen. Dort haben TV-Teams, Radio-, Print- und Online-Journalisten die Möglichkeit, mit den Profis zu sprechen.
  • Pressekonferenz nach dem Spiel: Obligatorisch ist für die Trainer im Anschluss an die Partie noch die abschließende Pressekonferenz. Sie beginnt spätestens 20 Minuten nach dem Abpfiff.

Rund um das Spiel in Madrid musste Klopp also mindestens sieben Interviews geben - sehr wahrscheinlich waren es aber deutlich mehr. Im Rahmen von Bundesliga-Spielen liegt das Minimum in der Regel bei vier Gesprächen. Eine Anzahl, die es sicher nicht einfacher macht, immer wieder interessante Antworten auf die möglicherweise immer gleichen Fragen zu geben.

Dass Klopp Auslöser der Debatte geworden ist, ist dabei eine schöne Fußnote. Der 46-Jährige hat als Trainer von Mainz 05 jahrelang nebenbei als Experte fürs ZDF gearbeitet. Er war es, der mit seinen Analysen den deutschen Fernsehzuschauer für Taktikaspekte interessiert hat. Klopp konnte komplexe Vorgänge mit einfachen Worten erklären. Seit seinem Abschied als TV-Experte klafft eine Lücke. Oliver Kahn kann sie nicht im Ansatz ausfüllen.

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Legendär war der Taktiktisch von Sport1

Taktikanalysen gibt es mittlerweile zwar bei fast allen Fernsehsendern, die sich mit Fußball befassen. Schon legendär ist der Taktiktisch, bei dem Größen wie Peter Neururer bei Sport1 sich mühten, die Struktur des Fußballspiels einer breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Meistens fallen diese Analysen wie im "Aktuellen Sportstudio" (ZDF) allerdings eher holzschnittartig aus, der Kürze der Zeit geschuldet. Für eine Tiefenbetrachtung fehlt es an Raum. Eine Ausnahme bildet Sky, wo bei Champions-League-Partien der ehemalige Bundesliga-Profi Erik Meijer vor und nach dem Spiel ausführlich erklärt und auch Experten im Studio sind, die die Fähigkeitkeit besitzen, Fachverstand fernsehgerecht zu vermitteln.

Bei der Vor- und Nachberichterstattung großer Livespiele auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern geht es eher darum, vermeintliche oder tatsächliche Konflikte breit darzustellen oder emotionale Porträts von Spielern zu präsentieren, gerne mit dramatischer Musik unterlegt.

Dazu kommt der Brauch, den Moderatoren ehemalige Profis mit möglichst prominenten Namen als Sidekicks an die Seite zu stellen, von Günter Netzer über Franz Beckenbauer bis Mehmet Scholl. Gesprächspartner für einen launigen Small Talk, Sprüche sind erwünscht, echte Fachgespräche jedoch sollte man einfach nicht erwarten.

Dabei gäbe es in der Bundesliga genug Kompetenz, die Anforderungen zu erfüllen, Expertise und Entertainment zu verknüpfen, ohne "doofe Fragen zu stellen", wie Klopp es formuliert hat. Fachleute wie der Mainzer Coach Thomas Tuchel, beim ZDF direkt um die Ecke angesiedelt, oder der Augsburger Trainer Markus Weinzierl wären Personen, die eloquent und klug genug sind, fachliche Tiefe einzubringen, ohne die Zuschauer zu überfordern.

Sie haben bedauerlicherweise aber keinen berühmten Namen.

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insgesamt 111 Beiträge
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1. Sehr gut!
cjbrummer 03.04.2014
Dem ist nichts hinzuzufügen!
2. sehe ich auch so
Nonvaio01 03.04.2014
die interviews sind egal, die taktik analyse ist wichtiger, ich lebe in Irland und schue immer MOTD auf BBC, da sind immer klasse analysen zu sehen zu jedem spiel.
3.
adal_ 03.04.2014
Zitat von sysopGetty ImagesFür Taktik-Analysen bleibt bei der Berichterstattung rund um Live-Fußballspiele wenig Zeit. Stattdessen gibt es oft flache Fragen wie jene, die Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im ZDF so aufregten. Dabei war man bei dem Sender doch schon mal weiter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/klopp-vs-breyer-zu-wenig-taktik-in-der-tv-berichterstattung-a-962413.html
Yep. Jochen Breyer sieht nicht nur aus wie ein Milchbubi, sondern stellt auch solche Fragen. Kahns immer gleiche, umständlich vorgetragene, Plattitüden nerven.
4. Andererseits...
dango 03.04.2014
...nervt es aber auch ungemein, wenn dieser Sport zu einer Wissenschaft verklärt wird. Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ist Fußball und seine Regeln - genau wie viele seiner prominenten Betreiber - ziemlich simpel und doofenkompatibel. Dementsprechend finde ich es lächerlich, einen solchen Mythos darum aufzubauen, Spieler zu Helden zu glorifizieren und so zu tun, als wären diese überhaupt geistig dazu in der Lage, all das zu bewältigen, was die Experten am grünen Tisch hineininterpretieren. Ich wäre insgesamt vor allem für Mut zu weniger Fußball !! Zumindest im zwangsfinanzierten Fernsehen ! 50 Mio. und dafür darf das ZDF nicht einmal alle Spiele übertragen ?!? Man könnte weinen...
5.
Andr.e 03.04.2014
Zitat von sysopGetty ImagesFür Taktik-Analysen bleibt bei der Berichterstattung rund um Live-Fußballspiele wenig Zeit. Stattdessen gibt es oft flache Fragen wie jene, die Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im ZDF so aufregten. Dabei war man bei dem Sender doch schon mal weiter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/klopp-vs-breyer-zu-wenig-taktik-in-der-tv-berichterstattung-a-962413.html
Zu diesem Artikel von P. Ahrens hier passt auch gut dieser Artikel von P. Ahrens: http://www.spiegel.de/sport/fussball/klopp-legt-sich-im-zdf-mit-jochen-breyer-a-962322.html
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