Kölner Remis gegen Fürth Nüchtern in den Karneval

Ausgleich kurz vor Schluss: Das Unentschieden im Zweitliga-Topspiel gegen Fürth hat bestätigt, dass der 1. FC Köln noch nicht auf Bundesliga-Niveau agiert. Trainer Peter Stöger schien der Dämpfer gelegen zu kommen.

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Ein etwas ratloses Gemurmel erfüllte das Stadion, nachdem der Abpfiff ertönt und das 1:1 des 1. FC Köln gegen die SpVgg Greuther Fürth amtlich war. Jenseits des Gästeblocks, der anerkennend applaudierte, jubelte niemand, aber es pfiff auch niemand. Vielmehr lag ein unbestimmtes Gefühl der Ernüchterung über den Rängen.

"Wir hätten heute einen Big Point machen können, jetzt haben wir einen kleinen Punkt", sagte Kölns Trainer Peter Stöger, der trotz eines späten Ausgleichstores der Fürther (Ilir Azemi, 86. Minute) überhaupt nicht unzufrieden wirkte. Die Stadt hätte sich drei Tage vor Karneval so gerne einem großen Aufstiegstaumel hingegeben; Stöger hingegen schien es beinahe gelegen zu kommen, dass seine Mannschaft durch eine Unaufmerksamkeit in der Schlussphase einen Tritt auf die Euphoriebremse erlebt hat.

Denn Nüchternheit und sachliche Argumente sind unverzichtbare Zutaten zum Erfolg des 1. FC Köln in der laufenden Saison. Es wird nicht mehr gelobt, geschwärmt oder geträumt, vielmehr werden die Realitäten betrachtet. "Wir haben noch nicht die Qualität, dass wir so ein Spiel komplett nach Hause spielen können", sagte der Trainer.

Er hätte auch das Pech beim späten und von Zufällen begünstigten Gegentor erwähnen können, oder die Abseitsposition des Torschützen. Aber Stöger zog es vor, eigene Defizite in den Mittelpunkt der Analyse zu stellen. Ganz leidenschaftslos, ohne klagenden Unterton.

Podolskis blasierte Haltung beim Halbzeit-Interview

Wer zuvor im Fernsehen die Halbzeitanalyse von Lukas Podolski gehört hatte, der bekam den Unterschied zwischen den alten, zügellosen Kölnern und dem neuen FC wunderbar vor Augen geführt. Podolski, der zwei freie Tage beim FC Arsenal für einen Heimatbesuch genutzt hatte, redete über seinen Herzensverein, als stünde der Aufstieg bereits fest, und sinnierte fröhlich über seine mögliche Rückkehr. Der Held von einst nahm jene blasierte Haltung ein, die in den vergangenen Monaten so erfolgreich bekämpft worden war.

Tatsächlich würde der Fußballer Podolski dieser Mannschaft guttun, denn es mangelt ihr an offensiver Durchschlagskraft. Aber jenseits des Rasens wäre der ehemalige Superheld mittlerweile eine Art Kulturschock für dieses Team, das derzeit mit Demut und Besonnenheit an der Rückkehr in die Bundesliga arbeitet. Der ehemalige Skandalclub ist zu einer Art Musterbeispiel für vortreffliche Facharbeit auf allen Ebenen geworden.

Trainer Stöger entwickelt ein Team, das geprägt ist von jungen, größtenteils selbst ausgebildeten Spielern. Manager Jörg Schmadtke hat es geschafft, dieses Gerüst mit erfahrenen Kräften wie Daniel Halfar, Patrick Helmes, Slawomir Peszko oder Anthony Ujah zu ergänzen, und Geschäftsführer Alexander Wehrle hat dafür gesorgt, dass trotz hoher Schulden von mehr als 30 Millionen Euro die nötigen Mittel für diese Transfers verfügbar waren.

Die drei Herren aus dem operativen Geschäft, in dem auch Kaderplaner Jörg Jakobs eine wichtige Rolle spielt, haben eine Arbeitsebene gefunden, die keine Angriffsflächen mehr bietet. "Wir gehen einen gradlinigen Weg - und stehen alle dazu", hat Stöger vor einiger Zeit gesagt, "das ist für jeden Club wichtig, in Köln vielleicht noch etwas mehr." Denn hier wurden aus internen Meinungsverschiedenheiten in den vergangenen Jahren immer wieder dicke Schlagzeilen, die dem sportlichen Erfolg abträglich waren.

Herausgespielte Chancen gibt es nicht im Überfluss

Es ist den Kölnern sogar gelungen, Yannick Gerhardt davor zu schützen, in die Rolle eines neuen Podolski zu geraten. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler stammt aus der Region, wird von den Fans angehimmelt, liebt den FC und ist gleich in seiner ersten Saison zu einer Säule des Teams geworden. Doch Lobgesänge auf Einzelne sind mittlerweile tabu. "Wir sind als Mannschaft wirklich gut unterwegs", wich der Trainer auch am Montag entsprechenden Nachfragen aus.

Die professionelle Ruhe in der Clubführung lässt allerdings keineswegs den Schluss zu, dass das Team schon wieder bundesligatauglich ist. Defensiv arbeitet das Kollektiv zwar ganz hervorragend, zwölf Gegentore sind ein Spitzenwert. Aber fußballerisch sind die Leistungen längst nicht immer überzeugend. Das Tor gegen Fürth erzielte der starke Innenverteidiger Kevin Wimmer (36.) nach einer Ecke und einem Missverständnis der Gäste. Herausgespielte Chancen gibt es nie im Überfluss. Dennoch führen die Kölner die Tabelle souverän an. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf Fürth, sieben auf Karlsruhe, Union Berlin und Paderborn.

Doch wer nicht nur auf die Tabelle schaut, sieht schnell: Diese Kölner sind weder eine Über-Mannschaft in der Liga, noch spielen sie auf dem Niveau, das in der ersten Liga gefordert ist. Das war schon in den ersten beiden Partien des Jahres (0:1 gegen Paderborn, 1:0 gegen Sandhausen) zu besichtigen gewesen. "Es ist jedem klar, dass wir nicht in jedem Spiel ein Feuerwerk abbrennen können", sagte Patrick Helmes. Diese Einsicht hat die Mannschaft gerade rechtzeitig vor dem Karnevalsirrsinn noch einmal eindrucksvoll bestätigt.

1. FC Köln - SpVgg Greuther Fürth 1:1 (1:0)
Köln:
Horn - Brecko, Maroh, Wimmer, Hector - Lehmann, Gerhardt - Risse, Daniel Halfar (88. Matuschyk) - Helmes (79. Peszko), Ujah
Fürth: Hesl - Brosinski, Mavraj, Benedikt Röcker, Baba - Sparv (74. Azemi), Fürstner - Weilandt (46. Stieber), Trinks (89. Sukalo), Gießelmann - Füllkrug
Schiedsrichter: Marco Fritz
Tore: 1:0 Wimmer (36.), 1:1 Azemi (86.)
Zuschauer: 45.500
Gelbe Karten: Ujah (2), Brecko (4)

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Seite 1
cafe_kehse 25.02.2014
1. Es ist beschämend....
.....dass Mannschaften wie Augsburg, Freiburg, Hoffenheim, Wolfsburg und Mainz in der 1. Liga kicken, aber ein Klub wie Köln in der 2. 1860 München, Kaiserslautern, Düsseldorf, Karlsruhe wären ebenfalls attraktiver als die vorstehend genannten. Diese 1. Liga ist nicht nur wegen der Bayern-Dominanz so was von uninteressant. Nächstes Jahr kicken möglicherweise "Kracher" wie Paderborn und Fürth in der 1. Liga.
hfftl 25.02.2014
2. .
Zitat von cafe_kehse.....dass Mannschaften wie Augsburg, Freiburg, Hoffenheim, Wolfsburg und Mainz in der 1. Liga kicken, aber ein Klub wie Köln in der 2. 1860 München, Kaiserslautern, Düsseldorf, Karlsruhe wären ebenfalls attraktiver als die vorstehend genannten. Diese 1. Liga ist nicht nur wegen der Bayern-Dominanz so was von uninteressant. Nächstes Jahr kicken möglicherweise "Kracher" wie Paderborn und Fürth in der 1. Liga.
Haben Sie dafür auch nur die geringste Begründung anzubieten? Oder ist das einfach nur mal so ins Blaue hinein fabuliert? Neben allem Kommerz ist Fußball in den jeweils 90 Minuten auf dem Platz immer noch Sport. Und sportlich gesehen sind sämtliche Vereine, die Sie benennen, völlig zu Recht dort, wo sie jetzt stehen.
Greg84 25.02.2014
3.
Zitat von cafe_kehse.....dass Mannschaften wie Augsburg, Freiburg, Hoffenheim, Wolfsburg und Mainz in der 1. Liga kicken, aber ein Klub wie Köln in der 2. 1860 München, Kaiserslautern, Düsseldorf, Karlsruhe wären ebenfalls attraktiver als die vorstehend genannten. Diese 1. Liga ist nicht nur wegen der Bayern-Dominanz so was von uninteressant. Nächstes Jahr kicken möglicherweise "Kracher" wie Paderborn und Fürth in der 1. Liga.
Vielleicht sollten die von Ihnen genannten Vereine einfach besser arbeiten, dann würden sie vermutlich alle noch in der ersten Liga spielen. Dafür qualifiziert man sich nun mal sportlich und nicht nach Anzahl der Fans, Tradition oder ähnlichen Faktoren.
rettungsroutine12 25.02.2014
4. Interessant
Zitat von cafe_kehse.....dass Mannschaften wie Augsburg, Freiburg, Hoffenheim, Wolfsburg und Mainz in der 1. Liga kicken, aber ein Klub wie Köln in der 2. 1860 München, Kaiserslautern, Düsseldorf, Karlsruhe wären ebenfalls attraktiver als die vorstehend genannten. Diese 1. Liga ist nicht nur wegen der Bayern-Dominanz so was von uninteressant. Nächstes Jahr kicken möglicherweise "Kracher" wie Paderborn und Fürth in der 1. Liga.
Können Sie mir das bitte näher erläutern? Beschämend für wen? Für die Vereinsführung der von Ihnen genannten "Traditionsvereine"? Sollte dann Ihrer Meinung nach überhaupt noch jemand absteigen? Oder möchten Sie vielleicht lieber selbst bestimmen, wer absteigt? Und wenn wir schon dabei sind, möchten Sie möglicherweise ein bisschen schlechtes Management oder schlechteres Fußballspiel verordnen, um Ihnen unliebsame Meisterschaften zu verhindern? Damit es Ihnen nicht langweilig wird? Haben Sie sich dann auch in den zwei Jahren gelangweilt, als Dortmund Meister wurde? Ein bisschen Respekt schadet nie, sei es jetzt vor neuen, nicht ganz so illustren Aufsteigern, oder sei es vor gut wirtschaftenden Vereinen wie (neuerdings/viel Glück heute Abend) dem BVB oder (seit ein paar Jahrzehnten) dem FC Bayern.
swestside 25.02.2014
5. @cafe_kehse
Sie müssen die Sache etwas differenzierter betrachten. Dass Vereine wie Wolfsburg und Hoffenheim oder - Gott bewahre - Red Bull Leipzig in ein paar Jahren, die finanzstarke Konzerne bzw. Einzelpersonen hinter sich stehen haben und ihr Stadion nicht voll kriegen und kaum Fans zu Auswärtsspielen mitbringen, nichts in der Bundesliga zu suchen haben und Vereine wie St. Pauli oder Köln die Liga viel eher bereichern, da gebe ich Ihnen voll und ganz Recht. Mainz und Augsburg hingegen haben mit bescheidenen Mitteln und jahrelangem soliden Wirtschaften sich den Weg in die 1. Liga aus eigener Kraft erkämpft und stehen verdient da. Freiburg ist noch viel länger dabei und auch das von Ihnen diffamierte Fürth hat eine traditionsreiche Geschichte. Der Niedergang zahlreicher Traditionsvereine (siehe HSV) ist selbstverschuldet.
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