Absteiger Freiburg und Paderborn Du fehlst

Paderborn und Freiburg steigen ab, der HSV, Hannover und der VfB Stuttgart retten sich. Was sagt uns das über die Bundesliga?

Ein Kommentar von

Freiburg-Trainer Streich: Liebe zum Klub
Getty Images

Freiburg-Trainer Streich: Liebe zum Klub


Der Hamburger SV hat in dieser Saison vier Trainer beschäftigt. Er hat erst Mirko Slomka entlassen, dann Josef Zinnbauer, schließlich den unerfahrenen Sportdirektor Peter Knäbel auf die Bank gesetzt, nur damit dieser sich selbst nach kürzester Zeit durch Bruno Labbadia ersetzte.

In der freien Wirtschaft ist dieses Prinzip als hire and fire bekannt; am Ende geht es darum, so oft wie nötig Menschen auszutauschen, bis ein gewünschtes Ergebnis eintritt. Dass dieses Prinzip in der Wirtschaft seit Jahrzehnten zur Anwendung kommt, hat wohl vor allem zwei Gründe: Es gab schon immer Unternehmenschefs, die ihre Fehlentscheidungen auf andere schieben mussten.

Und: Es funktioniert.

Auch in der Bundesliga. Der Hamburger SV, den als Chaosklub zu bezeichnen eine freundliche Untertreibung wäre, hat es in diesem Jahr mit seinen Trainer-Heerscharen erneut in die Relegation geschafft. Der VfB Stuttgart, der den glücklosen Sportdirektor Fredi Bobic durch den Don-Quijote-haften Robin Dutt ersetzte und den geflüchteten Trainer Armin Veh durch Huub Stevens, rettete sich auf Platz 14.

AP/dpa
Und schließlich Hannover 96, dieser den Fans entrückte feuchte Traum lokaler Investorengruppen. Der sehnte sich lange nach Europa, warf dann Trainer Tayfun Korkut raus, um erst mit dem 27-mal in Bochum und zweimal in Hannover gescheiterten Peter Neururer zu kokettieren - und dann den bislang erfolglosesten Trainer der Bundesligageschichte (mit mehr als 100 Spielen) zu holen: Michael Frontzeck.

Und e b e n f a l l s damit durchzukommen!

Es sind dies die bittersten Lehren dieser Saison: dass die unorganisierten, die erratischen und mäandernden, aber doch kalt kalkulierenden Klubs oben geblieben sind. Dass die, die sich wie Unternehmen verhielten, heuerten und feuerten, triumphierten. Dass die sich durchgesetzt haben, die Bedeutung aus Tradition ableiten und Größe aus ihrem Etat.

Fotostrecke

22  Bilder
Emotionen, Tore, Trauer: Das Abstiegsfinale in Bildern
Abgestiegen sind stattdessen der SC Freiburg und der SC Paderborn. Die beiden einzigen Klubs da unten, die ihre Trainer auch dann nicht rauswarfen, als die Lage längst prekär war oder noch schlimmer. Weil sie es sich nicht leisten können, einen zweiten Trainer zu bezahlen oder einen vierten. Oder die sich den Gesetzen des Marktes widersetzen, weil sich sowas einfach nicht gehört.

Man konnte in Hannover Christian Streich zuhören, mit welcher Liebe er über seinen Klub sprach. Wie entrüstet er auf die Frage reagierte, ob er in der nächsten Saison noch Trainer in Freiburg sei. Man muss sich das mal vorstellen: Da steigt ein Klub ab, und dann entscheidet nicht der Klub, sondern der Trainer, ob er bleibt. Das ist typisch Freiburg.

Natürlich haben sie in Paderborn oder im Breisgau weniger zu verlieren. Die Etats sind klein, was einen leicht zu der Argumentation verleiten kann, dass sich nach einem Abstieg dann auch nicht so viel ändert. Dass der Abstieg also nicht ganz so schlimm ist.

Das Schlimmste ist aber das Gefühl, dass es immer dieselben trifft. Und oft die Falschen.

Zum Autor
Christian Gödecke ist Sportchef von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Goedecke@spiegel.de

Mehr Artikel von Christian Gödecke



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.