DFL-Sicherheitskonzept: Das Schein-Papier
Deutschlands Profivereine haben das umstrittene Konzept der DFL mit großer Mehrheit beschlossen. Doch das Sicherheitspapier wird im Liga-Alltag nicht viel ändern, die Fronten bleiben verhärtet. Ein kluger Zug der Utras wäre jetzt: einfach auf Pyrotechnik zu verzichten.
So dicht lagen Schein und Sein selten beieinander. Auf der Pressekonferenz nach dem Sicherheitsgipfel lobte die DFL die Verabschiedung des Konzeptpapiers als großen Fortschritt bei der Befriedung des Fußballs aus - um gleich darauf zuzugeben, dass im Grunde kaum Neues beschlossen wurde. Warum auch? Ein "Sicheres Stadionerlebnis", so der Titel des Papiers, ist in Deutschland in der ersten und zweiten Liga bereits jetzt gewährleistet.
Das weiß jeder, der seine Wochenenden im Fußballstadion verbringt. Doch genau das ist das Problem an dem an sich harmlosen Papier: Es ist primär dem Druck einiger Politiker geschuldet, die so lange auf die Fußballverbände eingeredet haben, bis diese keine Chance mehr sahen, sich zu entziehen. Nun, so die Hoffnung in den Verbandszentralen von DFL und DFB, geben die Innenpolitiker Ruhe.
Das jetzt verabschiedete Papier beinhaltet einige Maßnahmen, gegen die kein vernünftiger Mensch etwas haben kann. Die Qualifizierung der Ordner ist offenbar nicht nur in Dortmund angezeigt. Ansonsten werden Dinge präzisiert, die in der Liga bereits seit langem umgesetzt werden. Nacktkontrollen sollen auch künftig nur im Ausnahmefall möglich sein - wie bisher. Und deswegen all der Ärger? Das Ganze sei ein Symbol, sagen Fanvertreter. Fans würden bei den Verbänden eben als Störenfriede gesehen, die möglichst effektiv gegängelt werden sollen.
Doch darum ging es weder den Vereinen noch der DFL. Sie mussten vielmehr dem hochgradig irrationalen Druck aus der Politik zuvorzukommen, um eine andere Diskussion abzuwürgen: Ob sie für Polizeieinsätze künftig selber zahlen müssen.
Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte die Latte hochgelegt - nicht inhaltlich, aber formal. DFL und Vereine sollten möglichst bald und möglichst geschlossen einen Beschluss fassen. Was konkret in dem Papier steht, so scheint es, war dabei fast einerlei. So ist es nun gekommen. Es wurde ein Beschluss gefasst. Am Alltag wird er wohl nicht viel ändern. Denn die Verbände und Fans haben sich in ihren Schützengräben gemütlich eingerichtet.
Wie wäre es, wenn die Ultras mal in Vorleistung gingen?
Ein Vorschlag zur Güte: Warum beauftragen die Verbände eigentlich nicht eine neutrale Instanz mit der Bewertung eines beliebigen - wie sie es nennen - "Risikospiels": Wie verhält sich der Ordnungsdienst, wie die Polizei, wie verhalten sich die Fans? Der Fußball ist ja nicht der einzige gesellschaftliche Bereich, in dem sich alle Parteien einig sind, dass es Probleme gibt, an denen der jeweils andere schuld ist. Der Fußball ist aber der einzige, der meint, er komme aus dem Dilemma allein wieder heraus.
Auch die organisierten Fans müssen sich bewegen. Ihre Achillesferse bleibt die Pyrotechnik. Nein, die Mehrheit der Stadionbesucher steht eben nicht (mehr?) hinter dem wilden Gezündel. Die Leute sind mehrheitlich nur noch genervt, wenn wieder ein Spiel unterbrochen werden muss, weil ein paar infantilen Geistern ihr Vergnügen wichtiger ist.
Wie wäre es denn, wenn die Ultras mal in Vorleistung gingen? Wenn sie bundesweit öffentlich erklären, dass sie auf Pyrotechnik verzichten? Wer als Politiker dann noch die Abschaffung der Stehplätze forderte, würde sich lächerlich machen.
Also, liebe Kurve, wie wär's? Oder ist bei euch auch mehr Schein als Sein?
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- Mittwoch, 12.12.2012 – 18:56 Uhr
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