Kopfnuss-Attacke Duisburg und Meier trennen sich

Zwei Tage nach dem Kopfstoß gegen den Kölner Albert Streit hat sich Fußball-Bundesligist MSV Duisburg von Trainer Norbert Meier getrennt. Es sei eine einvernehmliche Trennung gewesen, erklärte Clubchef Walter Hellmich, der eigentlich auf das Urteil des DFB warten wollte.


Duisburg - Der 47-Jährige war nach seiner Tätlichkeit im Spiel gegen den 1. FC Köln am Dienstag vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einem vorläufigen Berufsverbot belegt worden. Meier drohte eine mehrwöchige Sperre. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Bis auf weiteres und damit auch im Spiel am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Arminia Bielefeld wird Co-Trainer Heiko Scholz die Mannschaft als Interimscoach betreuen.

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Streit-Fall: Duisburg, Köln und die Kopfnuss

"Durch die Vorfälle ist der Druck auf den Trainer sehr groß geworden. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", erklärte Hellmich, der noch gestern das Schicksal seines Trainers vom endgültigen Urteil des DFB-Sportgerichtes abhängig gemacht hatte. Ein Nachfolger für Meier steht noch nicht fest.

"In absehbarer Zeit müssen wir eine Neuverpflichtung tätigen. Wir werden uns dabei aber nicht unter Druck setzen lassen", sagte Hellmich, der vor der Beurlaubung des früheren Nationalspielers die Mannschaft von der Entwicklung informiert hatte. Eine Rückkehr des kürzlich bei Hannover 96 entlassenen Ewald Lienen schloss Hellmich nicht aus, ein weiterer Kandidat ist der frühere Nationalverteidiger Jürgen Kohler. "Es hat bisher noch keine konkreten Verhandlungen gegeben, aber einige Kontakte", so Hellmich.

Der MSV hatte sich am Dienstag zunächst mit einer Abmahnung und einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro begnügt. Doch das DFB-Sportgericht gab wenig später einem Antrag von Chefankläger Klaus Hilpert statt und erließ eine einstweilige Verfügung, die Meier umgehend jegliche Trainertätigkeit untersagte. Aus der Entwicklung zog der Aufsteiger die Konsequenzen.

Meier waren beim 1:1 gegen Köln kurz vor Schluss die Nerven durchgebrannt. Er geriet mit Albert Streit aneinander, versetzte dem Gästespieler an der Seitenlinie einen Kopfstoß und ging daraufhin selbst theatralisch zu Boden. Zunächst bestritt Meier eine eigene Schuld an dem Vorfall. Nach Ansicht der TV-Bilder aber sei er selbst über sich erschrocken gewesen, erklärte der Coach. Telefonisch entschuldigte er sich anschließend bei Streit für seine Kurzschlussreaktion.

Meier, der den MSV seit dem 4. Januar 2003 betreut hatte und vor der Saison den Aufstieg erreichte, muss als fünfter Trainer der laufenden Saison nach Klaus Augenthaler (Bayer Leverkusen), Wolfgang Wolf (1. FC Nürnberg), Ewald Lienen (Hannover 96) und Michael Henke (1. FC Kaiserslautern) vorzeitig seinen Stuhl räumen. Es war die 289. Trainerentlassung seit Gründung der Bundesliga 1963.



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