Kopfstoß-Affäre Milde Strafen für Zidane und Materazzi

Was wurde nicht alles geraunt nach dem Kopfstoß von Frankreichs Zidane gegen Italiens Materazzi im WM-Finale: Aberkennung des Titels Bester Spieler, Aberkennung des WM-Titels. Heute sprach die Fifa nun das Urteil: Die Streithähne kamen glimpflich davon.


Zürich - Die Spekulationen schossen ins Kraut: Nachdem Zidane im Endspiel in der 110. Minute seinen italienischen Gegenspieler Materazzi mit einem Kopfstoß niedergestreckt und dafür vom argentinischen Schiedsrichter Horacio Elizondo vom Platz gestellt wurde, gingen Horrorszenarien um die Welt. Möglicherweise müsse Zidane den "Goldenen Ball" - die Auszeichnung für den besten Spieler der WM - zurückgeben.

Italien fürchtete sogar um die Aberkennung des Titels. Alles halb so wild: Zidane wurde heute vom Fußball-Weltverband Fifa mit einer Sperre von drei Spielen sowie einer Geldstrafe von 7500 Schweizer Franken belegt. Da Zidane seine Nationalmannschaftskarriere aber bereits beendet hat, erklärte sich der Superstar gegenüber der Kommission bereit, drei Tage Gemeinschaftsdienst mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen von humanitären Fifa-Aktivitäten zu leisten.

"Ich entschuldige mich bei den Kindern, die das gesehen haben", hatte der Franzose drei Tage nach seinem Kopfstoß in einem Fernseh-Interview gesagt und festgestellt: "So etwas ist unentschuldbar, Ich muss es laut und deutlich sagen, weil es von zwei bis drei Milliarden Fernsehzuschauern und Abermillionen Kindern gesehen wurde."

Materazzi, der Zidane beleidigt und zu der Kurzschlussreaktion provoziert hatte, erhielt zwei Spiele Sperre und muss 5000 Schweizer Franken zahlen. Beide Spieler gaben zu Protokoll, dass die Äußerungen Materazzis zwar ehrverletzend, aber nicht rassistischer Natur waren. Bei den Befragungen hatten sich sowohl Zidane als auch Materazzi ausdrücklich bei der Fifa für ihr Verhalten entschuldigt und die Vorkommnisse bedauert. Deshalb gab es keine weiteren Konsequenzen.

Materazzis Sperre hat bei Italiens Fußball-Prominenz Empörung ausgelöst. "Ich habe den Eindruck, die Fifa hat in einer gewissen Hinsicht Zidane retten wollen. Die Strafe für Materazzi ist absolut unfair", schimpfte die italienische Ikone Sandro Mazzola. Auch der frühere Starspieler Gianni Rivera reagierte mit Unverständnis: "Das ist unbegreiflich. Ich finde, Materazzi ist zu streng bestraft worden." Italiens ehemaliger Nationalmannschafts-Kapitän Paolo Maldini sagte: "Es ist eine Schande. Materazzi ist bestraft worden, nur weil er Italiener ist und sie einen großen Meister wie Zidane rechtfertigen wollten."

mig/sid



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