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Ex-Fifa-Funktionär unter Verdacht: Eine Million vom Freund des Emirs

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Ging bei der Vergabe der WM 2022 an Katar alles mit rechten Dingen zu? Die Zweifel werden nun durch die Enthüllung von Millionenzahlungen an den Ex-Fifa-Vize Jack Warner befeuert. Diese könnten zwar auch andere Hintergründe haben. Aber auch die wären nicht seriöser.

  Funktionär Jack Warner (Archiv): Rechnung über 1,2 Millionen Dollar  Zur Großansicht
AP/dpa

Funktionär Jack Warner (Archiv): Rechnung über 1,2 Millionen Dollar

SPIEGEL ONLINE Fußball
Die seit 2010 anhaltenden Diskussionen über Korruption bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar erhalten eine neue Qualität. Die Londoner Zeitung "The Telegraph" berichtet von mehreren Überweisungen - insgesamt mehr als zwei Millionen US-Dollar - an den langjährigen Fifa-Vizepräsidenten Jack Austin Warner (Trinidad und Tobago) und dessen Söhne Daryan und Daryl, die derzeit im erzwungenen Exil in Miami leben. Erstmals wären damit Millionentransfers aus Katar an ein Exekutivmitglied des Fußball-Weltverbands belegt.

Daryan, das wurde vor einem Jahr bekannt, kooperiert als Kronzeuge mit der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, um einer langjährigen Haftstrafe wegen Geldwäsche zu entgehen. Die Warner-Familie ist seit Jahrzehnten in zahlreiche bestens belegte Korruptionsaffären verstrickt und verantwortlich für ein flächendeckendes Betrugssystem innerhalb der Fifa.

Eine englische Journalistin, die nun die "Telegraph"-Enthüllung veröffentlicht, hatte im Herbst 2010 maßgeblich an einer schlagzeilenträchtigen Geschichte der "Sunday Times" mitgewirkt: Undercover-Reporter hatten damals Fifa-Exekutivmitgliedern fiktive Geldsummen für ihre WM-Stimmen geboten. Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti waren interessiert. Sie wurden im November 2010 noch vor der WM-Vergabe suspendiert. Am 2. Dezember 2010 entschieden deshalb nur 22 statt 24 Exekutivmitglieder der Fifa: die WM 2018 ging an Russland, die WM 2022 an Katar.

Zwei Wochen später, am 15. Dezember 2010, stellte der damalige Fifa-Vizepräsident Jack Warner der in Katars Hauptstadt Doha ansässigen Firma Khalid Electrical and Mechanical Est (Kemco) eine Rechnung über 1,2 Millionen Dollar. Inhaber der Kemco: das Fifa-Exekutivmitglied Mohamed Bin Hammam, Jugendfreund des Emirs von Katar und neben Warner bis dahin wichtigster Wahlhelfer des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter.

"Professionelle Dienste 2005-2010"

Das Geld wurde im Juli 2011 zunächst auf ein Konto Warners bei einer Bank auf den Cayman Islands überwiesen - mit dem Vermerk "für juristische und andere Ausgaben". Zu diesem Zeitpunkt war Warner bereits von seinen Funktionen in der Fifa und als Präsident der nordamerikanischen Konföderation Concacaf zurückgetreten. Die Bank auf den Cayman Islands vermutete offenbar einen erneuten Skandal und überwies die 1,2 Millionen am 4. Juli 2011 zurück nach Katar. Am selben Tag ging die Summe erneut auf die Reise und landete auf einem Warner-Konto in New York - diesmal mit dem Zahlungsgrund "professionelle Dienste 2005-2010". Warners Söhne und ein Mitarbeiter des korrupten Fifa-Funktionärs erhielten ebenfalls Zahlungen in einer Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Dollar.

Warner und Bin Hammam wollten sich nicht zu den Überweisungen äußern. Das Organisationskomitee der WM 2022 wies den Vorwurf der Korruption zurück. Katars Bewerbung sei stets im Einklang mit den Ethikregeln der Fifa erfolgt. Und theoretisch könnten die Millionenzahlungen tatsächlich einen anderen Hintergrund haben: Denn Bin Hammam bereitete damals seine Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft vor. Er hatte sich mit Blatter entzweit und Warner als Unterstützer gewonnen.

Im Mai 2011 traf sich Bin Hammam in Trinidads Hauptstadt Port of Spain mit Warner und Delegierten der Concacaf und zahlte 40.000 Dollar pro Landesverband. Daraufhin wurde er kurz vor der Fifa-Präsidentschaftswahl suspendiert und später lebenslang gesperrt - den Bann hob der Weltsportgerichtshof Cas 2012 allerdings auf. Seither wurden Bin Hammams zahlreiche Vergehen als Präsident der asiatischen Konföderation AFC ebenfalls dokumentiert, zuletzt in einem spektakulären Untersuchungsbericht der Firma PricewaterhouseCoopers.

Katar auf Tagesordnungspunkt 30.2

Auf der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees, die ab dem kommenden Donnerstag in Zürich stattfindet, wird erneut über die WM 2022 debattiert. Das deutsche Exekutivmitglied Theo Zwanziger legt seinen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen auf den Baustellen des Emirats vor. Michael Sommer, Chef des deutschen und des internationalen Gewerkschaftsbunds, hat wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen und vielen hundert Todesfällen unter den Bauarbeitern gerade wieder gefordert, Katar die WM 2022 zu entziehen.

Katar wirft Gewerkschaftern und Menschenrechtsorganisationen eine Kampagne und falsche Informationen vor. Fifa-Boss Blatter, der seinen Aufstieg im Weltverband erwiesenermaßen den korrupten Funktionären Warner, Bin Hammam und der Unterstützung des Emirs von Katar verdankt, hat das Thema zur Chefsache gemacht. Aufregung und Empörung über Katar sind weltweit groß, doch in der Traktandenliste der Exko-Sitzung taucht die Thematik erst ganz hinten auf, unter "Verschiedenes", Punkt 30.2 von 32 Tagesordnungspunkten: "Bericht des Fifa-Präsidenten zu den Arbeitsbedingungen in Katar".

Mehr zum Thema im Blog des Autors.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Schweinerei!
eslimofo 18.03.2014
Wie man überhaupt auf die Idee kommen konnte die WM in Katar auszurichten erschließt sich mir nicht. Keine fußballbegeisterte Bevölkerung, keine Stadien und ungeeignetes Klima sind deutliche Faktoren gegen eine WM dort!!!
2. Hä!
dieteroffergeld 18.03.2014
Dass ausgerechnet eine derartig wichtige Fußball- nation wie Trinidad & Togo den Ausschlag für die Vergabe der WM gegeben hat, das dürfte jedem Fußballinteressierten doch plausibel sein oder? Und auch Mr Warner und seine durch und durch saubere Firma, die sich seit Generationen in Familienbesitz waqren allen durchaus bekannt. Genug des Sarkasmus: Warum ist es nicht möglich diese "feinen" Herrschaften von den Tafeln fern zu halten? Und warum verkommen immer mehr Sportarten zu Gelddruckmaschinen, ohne dass sich massivster Widerstand regt? Es ist zum Ko.....!
3. Bestechung und Korruption bei einer WM- Vergabe ?!
spon-facebook-10000026491 18.03.2014
Das kann ich mich nicht vorstellen ...
4.
osnase92 18.03.2014
Natürlich wurden da Schmiergelder bezahlt, eine Frechheit dort die WM zu veranstalten, über Fussballchaoten regen sich die Massenmedien künstlich auf, aber massenweise tote Arbeiter in Katar sind maximal ne Randnotiz wert! Fussballmafia FIFA!
5. Rhetorisch
Peter.Lublewski 18.03.2014
"Ging bei der Vergabe der WM 2022 an Katar alles mit rechten Dingen zu?" Ist mehr so eine rhetorische Frage, nicht wahr :-)
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