Hannover gegen Braunschweig Hass auf den Rängen, Müll auf dem Rasen

Leuchtraketen, Böller, Hass-Plakate: Die Stimmung beim Derby zwischen Hannover und Braunschweig war angespannt. In einem fußballerisch erschreckend schwachen Match beeindruckten nur die 96-Fans mit einer prachtvollen Choreografie - die sie sich selbst wieder kaputt machten.

Aus Hannover berichtet

DPA

Passanten schüttelten verdutzt die Köpfe. "Was ist denn das für eine Demo?", fragte ein offenbar Ortsfremder, als gegen 17.30 Uhr mehrere hundert teilweise vermummte Gestalten von der Markthalle in Hannover gen Stadion zogen. "Das ist keine Demo, heute ist Derby, Hannover gegen Braunschweig, und das sind Idioten", klärte ein offenbar Ortskundiger seine Mitmenschen auf, ehe er sein Fahrrad nahm und sich von der Masse wegbewegte.

Die Anhänger von Hannover 96 zogen derweil weiter über die Kreuzung vor dem neuen Rathaus. Immer wieder flogen Böller und Bengalos in Richtung der Polizei. Dazu skandierte der Mob: "Tod und Hass dem BTSV." Die befürchteten schweren Krawalle blieben dann aber doch aus.

Zweimal drohte die Stimmung rund um das Stadion zu kippen. Den traurigen Anfang machten einige hundert 96-Anhänger, die rund zwei Stunden vor dem Spiel ihr eigenes Stadion stürmen wollten. Polizeibeamte wurden mit Böllern und Bengalos beworfen. Insgesamt gab es 14 leicht verletzte Beamte, wie die Polizei mitteilte. Sie war mit rund tausend Einsatzkräften vor Ort und ihr gelang es, den Sturm zu verhindern.

Eine halbe Stunde später dann Ärger auf der anderen Seite. Einige hundert Gäste-Anhänger versuchten ebenfalls, den Eingangsbereich zu stürmen. Die Polizei setze zunächst rund 200 Gäste-Anhänger fest, begleitete diese später ins Stadion.

Leuchtrakete auf das Spielfeld gefeuert

Dort ging das Gehabe der beiden verfeindeten Fangruppen weiter. Die 96-Fans werteten ihre beeindruckende Choreografie zu Beginn des Spiels mit Bannern wie "Abschaum" und "Tod und Hass dem BTSV" selbst ab. Sowohl im Heim- als auch im Gästeblock wurden Bengalos gezündet. Im weiteren Verlauf der erschreckend schwachen Partie, die folgerichtig 0:0 endete, fielen besonders die 96-Anhänger im Oberrang der Nordtribüne negativ auf. In der siebten Minute - Eintracht Braunschweig hatte sich gerade den ersten Eckball erkämpft - flog eine Leuchtrakete auf das Spielfeld.

Immer wieder zündeten die 96-Anhänger anschließend Bengalos. Hannovers Stadionsprecher konnte einem leidtun. All seine Appelle, die Zündeleien zu unterlassen, verpufften. Da half es auch nichts, dass er vehement darauf hinwies, dass es bei weiteren Verfehlungen zu einem Spielabbruch kommen könne. 96-Präsident Martin Kind nannte die Situation "beschämend. Das ist ein Niveau, das wir so nicht akzeptieren können", so Kind in der Halbzeitpause beim Pay-TV-Sender Sky.

Schiedsrichter Knut Kircher ließ die angespannte Stimmung allerdings recht kalt. Er sah keinen Anlass, das Spiel zu unterbrechen. Dennoch wird es sehr wahrscheinlich für die Wiederholungstäter von Hannover 96 eine hohe Geldstrafe geben. Denn auch in der zweiten Halbzeit brannten fast ununterbrochen Bengalos auf der Nordtribüne. Auch die gegenseitigen Provokationen gingen weiter. 20 Minuten vor dem Ende präsentierten 96-Fans Braunschweiger Fanutensilien im Block. Die Gäste wiederum zündeten ein Hannover-Banner an.

Immerhin: Nach 90 Minuten hatte dieses unwürdige Schauspiel ebenso ein Ende wie das Spiel, an dessen Anschluss es weitestgehend ruhig blieb. "Nach der Partie gab es rund um das Stadion keine Auseinandersetzungen mehr", sagte Polizeisprecher Holger Hilgenberg auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Wir haben die Braunschweiger zum Zug eskortiert, die Fantrennung hat funktioniert."



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Seite 1
clubmate 09.11.2013
1.
Na toll, jetzt wird sich wieder heftig pseudo-empört über die "Pyro-Chaoten" seitens der Journaille. Aber in den Fotoserien werden die Bilder von den brennenden Bengalos in aller Breite ausgewalzt, beeindruckend sind sie ja dann doch. Doppelmoral allez! Aber für ein Foto von der im Text positiv erwähnten Choreografie hat der Platz dann anscheinend nicht mehr gereicht. Musste ja unbedingt noch das fünfte identische Bild von zündelnden Fans gebracht werden.
zberg 09.11.2013
2. mal ne frage
wie lange noch werden uns steuerzahlern die kosten für den reibungslosen zugang und späteren abgang der zuschauer abverlangt die polizei hat bei der organisation nix zu suchen. sind diese spiele ohne die öffentliche ordnung zu gefährden nicht durchführbar ,sind diese zu untersagen mein geschäfts- und gewerbebetrieb wird doch auch nicht durch abgestellte polizeikrafte unterstützt übrigens,wie werden denn die polizeikräfte abgerechnet
LaPoldi 09.11.2013
3.
1.000 Polizisten die bestimmt im Schnitt pro Beamten acht Stunden im Dienst waren...was man mit 8.000 mannstunden nicht alles hätte machen können? Irrsinn. Und das alles für den sogenannten Mannschaftssport für die ganze Familie. Lächerlich...aber Hauptsache das Brot-und-spiele-Konzept greift und DFB, DFL, Vereine und Co reiben sich die Hände bei diesem Reibach. Die zeche zählen die, denen dieser rasensport überhaupt nicht interessiert, und ja, es ist die Mehrheit...
chuckal 09.11.2013
4. 1000 Polizisten
und wer zahlt das alles? jedenfalls nicht Hannover 96 oder der BTSV. Nö, der ganz normale Steuer-Michel - ob er sich nun für Fußball interessiert oder nicht. Macht nix - wir zahlen ja auch die Bischofsgehälter, auch wenn wir nicht in der Kirche sind...Ist schon ein tolles Land
masbate 09.11.2013
5. optional
Der Herr Glindmeier ist scheinbar enttäuscht das es so friedlich abgelaufen ist.Abgesehen von paar Kleinigkeiten ist nichts vorgefallen.Und das mal paar Bengalos angezündet werden passiert nicht nur in Hannover.
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