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Lazio gegen AS Rom: Derby der Gewalt

Von , Rom

Tränengas, Straßenschlachten, Messerstecherei - Ausschreitungen und Krawalle prägten das römische Stadtderby zwischen Lazio und AS Rom. Es gab mehrere Verletzte. Die Polizei entdeckte vor dem Spiel ein Waffenlager in der Nähe das Stadions.

Krawalle in Rom: Stöcke, Steine, Knallkörper Fotos
DPA

Das Spiel hatte noch nicht begonnen, als die Gewalt eskalierte. Schon zwei Stunden vor Anpfiff des Derbys zwischen Lazio und AS Rom (1:1) prallten am Montagabend die Fans beider Vereine aufeinander. Berichten italienischer Medien zufolge lauerten zunächst Lazio-Anhänger AS-Fans auf, die gerade ihre Fahrzeuge geparkt hatten. Zwei AS-Sympathisanten wurden durch Messerstiche verletzt und noch vor Ort behandelt.

Wenig später lieferten sich die Ultra-Gruppen beider Clubs eine Straßenschlacht mit der Polizei. Steine und Flaschen flogen, Müllbehälter wurden aus den Verankerungen gerissen und Feuerwerkskörper gezündet. Als "Krieg der Ultras" beschrieb die römische Zeitung "Il Messaggero" die Szenen.

Es waren wieder einmal wenige Gewalttäter, die für Schlagzeilen sorgten. Zwar pilgerten zeitgleich Tausende andere Fans aus allen Richtungen friedlich zum 140. römischen Stadtderby zwischen AS Rom und Lazio. Doch in Erinnerung werden einmal mehr die Straßenschlachten bleiben. Die Polizei setzte schließlich Tränengas ein, sperrte zeitweilig mehr Straßen ab als üblich und öffnete in Stadionnähe nur für Busse die Barrikaden. Im benachbarten Viertel Flaminio hatten Geschäftsinhaber aus Angst vor Ausschreitungen schon frühzeitig ihre Geschäfte geschlossen und sich aus der Gefahrenzone begeben.

"Das war heftiger als sonst beim Fußball"

Sechs weitere Personen wurden im Laufe des Abends verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Vier von ihnen wurden Opfer von Messerattacken, die beiden anderen wurden von einer Flasche am Kopf getroffen. Die Polizei nahm vier Männer an Ort und Stelle fest. Bei zwei von ihnen soll der "Gazzetta dello Sport" zufolge gerade ein mehrjähriges Stadionverbot abgelaufen sein. Weitere Festnahmen werden nach Überprüfung der Videoaufnahmen erwartet.

"Das war heftiger als sonst beim Fußball.", sagte ein Polizist SPIEGEL ONLINE nach Spielende. "Allerdings auch nicht viel schlimmer als bei anderen Derbys", relativierte er sofort. Größere Eskalationen, die offenbar geplant waren, hatten seine Kollegen tagsüber verhindert, als sie ein regelrechtes Waffenlager in Stadionnähe aushoben. Von "etwa 30 Waffen verschiedenster Art, darunter Messer, Knüppel und drei Molotow-Cocktails sowie diverses pyrotechnisches Material" berichtete "Il Messaggero" unter Berufung auf Polizeiquellen.

Auch das Spiel selbst war geprägt von Szenen, wie man sie beim Fußball nicht sehen will. Fans zündeten Böller, der Rauch versperrte für einige Minuten den Blick auf den Rasen. Infolge zahlreicher rüder Fouls zerfaserte die Partie, darunter ein mit gelb geahndetes Einsteigen von Daniele De Rossi gegen Miroslav Klose. Lazio-Verteidiger Giuseppe Biava wurde nach einem Foul an Marquinho mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Einem Angriff im Karatestil von Romas Torosidis gegen Lazio-Mann Onazi folgte lediglich ein Freistoß.

Am Ende stand es 1:1-Unentschieden. Hernanes (16.) sorgte mit einem Treffer aus gut 25 Metern zunächst für die Gästeführung. Francesco Totti (57.) schaffte mit einem verwandelten Strafstoß den Ausgleich. Kurz nach der Pause hatte Hernanes einen Elfmeter und damit die 2:0-Führung für Lazio vergeben.

Im Kampf um die Plätze für den europäischen Fußball ist das Remis zu wenig für beide Mannschaften. Immerhin umarmten sich die Stars Klose und Totti nach dem Spiel. Auch die Fans blieben nach Abpfiff friedlich. Lediglich der Polizeihubschrauber, der noch zwei Stunden später im nächtlichen römischen Himmel knatterte, erinnerte an die gewalttätigen Ereignisse zuvor.

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
jankut 09.04.2013
Dagegen wirken doch die angeblichen "Probleme"die wir in Deutschland mit den ach so gewalttätigen Fans und der Pyrotechnik haben wie Kindergeburtstag.
2. Kindergeburtstag
Schotty 09.04.2013
Wie schön unqualifiziert - genau darum geht es in Deutschland doch: Wehret den Anfängen, damit es eben genau nicht so weit kommt, dass aus Kindergeburtstag Ernst wird. Aber die ganzen Holzköppe werden das wohl nie verstehen.
3. beugehaft...
spargel_tarzan 09.04.2013
Zitat von sysopDPATränengas, Straßenschlachten, Messerstecherei - Ausschreitungen und Krawalle prägten das römische Stadtderby zwischen Lazio und AS Rom. Es gab mehrere Verletzte. Die Polizei entdeckte vor dem Spiel ein Waffenlager in der Nähe das Stadions. http://www.spiegel.de/sport/fussball/krawalle-beim-stadtderby-lazio-gegen-as-rom-a-893243.html
könnte vielleicht helfen. der staat hat doch da das eine oder andere probate mittel. mit fankultur ist dies wohl kaum zu umschreiben. elektronische fußfesseln könnten vielleicht auch helfen und an spieltagen dürfen sich die herrschaft nicht unter 3 km dem stadion nähern. macht sie zwar nicht friedlicher, hilf nur anderen bei ihrer unversertheit.
4. Fußballfans...
beegee 09.04.2013
... sind keine Verbrecher?? Ich lach mich schlapp, liebe Ultras. Würde man Euch hier so machen lassen, wie Ihr wollt, hätten wir in kürzester Zeit solche Zustände wie in Italien - wo sich "Normalos" und Familien nicht mehr ins Stadion trauen und selbst bei Spitzenspielen die Bude halbleer bleibt. Deswegen sollte es hier auch schon bei geringsten Verstößen Stadionverbote hageln - und nicht nur für den Rest der Saison. (Und nicht gleich wieder meckern: Bin Fußballfan, gehe ins Stadion, habe eine Dauerkarte! Weiß als, wovon ich rede.)
5. Man darf nicht vergessen,...
f13 09.04.2013
dass es in Italien aber auch keine soziale Fanarbeit gibt so wie in Deutschland. Deswegen halte ich einen Vergleich hier nicht für so angebracht. In vielerlei Hinsicht würde ein "Abrüsten" und entspannen auf beiden Seiten mehr bringen als weiter die Law&Order Keule zu schwingen. Viele Menschen wollen einfach nur ein Spiel besuchen und werden z.T. drastisch in ihren Grundrechten eingeschrenkt, mit teils sehr repressiven und fragwürdigen Maßnahmen.
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