Krawalle von Dresdner Hooligans: DFB leitet Ermittlungen ein

Dresdner Anhänger in Lautern: 70.000 Euro Sachschaden, null Festnahmen Zur Großansicht
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Dresdner Anhänger in Lautern: 70.000 Euro Sachschaden, null Festnahmen

Sie zündeten Pyrotechnik, versuchten einen Block zu stürmen und sorgten auch außerhalb des Stadions für Krawalle: Der DFB hat auf das erneute Fehlverhalten von Dresden-Anhängern beim Spiel in Kaiserslautern reagiert und Ermittlungen eingeleitet. Dynamo hat eine Krisensitzung einberufen.

Hamburg - Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nach den Vorkommnissen beim Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden Ermittlungen eingeleitet. Das gab der Verband auf seiner Internetseite bekannt. Demnach seien beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert worden.

Im Dresdner Zuschauerblock war unmittelbar vor Spielbeginn und während der zweiten Halbzeit mehrfach Pyrotechnik gezündet worden. Zudem hatte die Polizei einschreiten müssen, als eine Gruppe Dynamo-Anhänger den Nachbarblock stürmen wollte. Nach Vorlage und Auswertung der Stellungnahmen will der DFB-Kontrollausschuss über den Fortgang der Verfahren entscheiden, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Auch außerhalb des Stadions war es nach der Partie zu Ausschreitungen gekommen. Dynamo-Hooligans stoppten und beschädigten Shuttle-Busse und warfen Fensterscheiben ein. Ein Businsasse erlitt Schnittwunden durch herumfliegende Splitter, eine Frau einen Schock. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf 70.000 Euro. Fest- oder Ingewahrsamnahmen gab es offiziellen Angaben zufolge trotz der Krawalle nicht.

Als Reaktion auf die Vorfälle bildete die Polizei in Rheinland-Pfalz am Montag eine 13-köpfige Ermittlungsgruppe, die die Ereignisse rund um das Spiel aufarbeiten und die Täter ausfindig machen soll. "Nach diesen unschönen Szenen gilt es für uns, alles zu tun, um die Verantwortlichen zu ermitteln", sagte Einsatzleiter Franz-Josef Brandt.

Dynamo Dresden steht wegen seiner gewalttätigen Anhänger derzeit stark unter Druck. Gegen den Verein ist noch ein anderes Verfahren beim DFB anhängig. Wegen der Ausschreitungen beim Pokalspiel in Hannover hatte der Verband die Dresdner aus dem Pokalwettbewerb für die kommende Saison ausgeschlossen. Gegen dieses Urteil legte Dynamo Berufung ein. Bis Freitag muss der Club dem DFB eine Berufungsbegründung liefern.

Dynamo-Chef beruft Krisensitzung ein

Bereits eine Stunde bevor der DFB die Ermittlungen gegen den Zweitligisten offiziell bestätigte, hatte Dynamo-Chef Andreas Ritter für Dienstagabend eine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen. Dabei sollen die Vorkommnisse rund um das Auswärtsspiel in Kaiserslautern ausgewertet und Konsequenzen besprochen werden.

"Wir stehen als Verein am Scheideweg und sehen uns aufgrund der abermaligen Ausschreitungen in Kaiserslautern in unserer Existenz bedroht", sagte Dynamos Geschäftsführer Christian Müller in einer Stellungnahme auf der Internetseite des Clubs: "Leute, die im Namen des Vereins für solche Ausschreitungen sorgen, sind keine Fans von Dynamo Dresden, es sind Kriminelle, die unseren Verein zerstören wollen."

In der Krisensitzung soll auch über die Berufungsbegründung wegen des Pokalausschlusses für die kommende Saison diskutiert werden. Die Bilder von Kaiserslautern seien diesbezüglich ein "verheerendes Signal" gewesen, betonte Müller. Man glaube zwar, weiterhin gute Argumente gegen einen Pokalausschluss zu haben, aber "sicherlich werden Dinge anders zu betrachten sein, als es noch vor Freitag der Fall war", sagte der Geschäftsführer dem TV-Sender Sport1.

Bereits in der vergangenen Saison hatten die Dresdner nach Ausschreitungen beim Pokalspiel in Dortmund im Oktober 2011erst in der Berufung vor dem DFB-Bundesgericht die bislang einmalige Strafe abwenden können.

mib/sid

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insgesamt 32 Beiträge
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1. optional
sorlag 11.02.2013
Da die Geschichten von Dresdner Vollassis inzwischen so unertragbar sind, bleibt mir als "Ossis" leider nur ein Empfehlung: Dauerhafter Lizenzentzug für den Profibetrieb!
2. Was kann..
Gerüchtsvollzieher 11.02.2013
Dynymo Dresden dafür, wenn sich Dresden-Fans im Stadion in Kaiserslautern danebenbenehmen? Wie kommen die mit Pyros ins Stadion? Hat da nicht die Einlasskontrolle in KL versagt? Schuldig ist für mich der Verein, der diese Typen und ihre Pyros/Waffen u. ä. ins eigene Stadion reinlässt! Bin kein Fussballfan, schon gar kein Dynamo Dresden-Fan, aber diese DFB-Ermittlungslogik erschliesst sich mir nicht, oder betreibt DD ein Reisebüro und organisiert die Reisen für diese "Fans"? Wenn ich irgendwo im Stadion randaliere, dann bekomme ich die Strafe und nicht der Verein meiner Heimatstadt, oder?
3.
franko_potente 11.02.2013
Zitat von sysopSie zündeten Pyrotechnik, versuchten einen Block zu stürmen und sorgten auch außerhalb des Stadions für Krawalle: Der DFB hat auf das erneute Fehlverhalten von Dresden-Anhängern beim Spiel in Kaiserslautern reagiert und Ermittlungen eingeleitet. Krawalle Dresdner-Hooligans: DFB leitet Ermittlungen ein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/krawalle-dresdner-hooligans-dfb-leitet-ermittlungen-ein-a-882620.html)
Liebe Dresdner, ich habe euch lange in Schutz genommen, trotz bestehenden Sympahtisierungszugehörigkeitskonfliktes. Ich fand die Pyroshow sogar toll, aber was ihr da "drumrum" wieder geleistet habt ist einfach nicht mehr weg- oder gar schönzureden. WARUM? Die SGD hat über 1Mio an Strafzahlungen geleistet, Geld was euch für die Verstärkung in der WP gefehlt hat. Ich wünsche euch von ganzem Herzen den Klassenerhalt, aber fangt doch mal an, wenigstens außerhalb der Arenen den Kopf einzuschalten. Pyro ja, Gewalt nein!
4. Übrigens...
Hartmut Meier 11.02.2013
transfermarkt.de/de/wie-immer-unschuldig--aktion-zum-sandhausenspiel/topic/ansicht_169_5367_seite1.html Ist vielleicht in ein paar Tagen auch mal einen Artikel wert. ;)
5. Ttiel
choke123 11.02.2013
Zitat von sorlagDa die Geschichten von Dresdner Vollassis inzwischen so unertragbar sind, bleibt mir als "Ossis" leider nur ein Empfehlung: Dauerhafter Lizenzentzug für den Profibetrieb!
Was genau kann jetzt der Verein dafür, wenn auswärts irgendwelche Leute randalieren? In Dresden passiert praktisch nie etwas. Könnte es sein, dass sich da Leute austoben, die schon lange nicht mehr in Sachsen leben bzw. die einfach nur die Tribüne Dynamo für Verbrechen benutzen wollen? Dynamo Dresden kann man jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie nichts gegen diese Auswüchse tun. Es wird eine vorbildliche und nicht ganz billige Fan- und Präventionsarbeit gemacht und daheim fruchtet das auch. Nur auswärts sind den Verantwortlichen halt in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden. Weiterhin den Verein zu bestrafen macht keinerlei Sinn. Das verhindert keine zukünftigen Ausschreitungen, aber das Geld wird für Fanarbeit fehlen.
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