Hamburg - Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nach den Vorkommnissen beim Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden Ermittlungen eingeleitet. Das gab der Verband auf seiner Internetseite bekannt. Demnach seien beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert worden.
Im Dresdner Zuschauerblock war unmittelbar vor Spielbeginn und während der zweiten Halbzeit mehrfach Pyrotechnik gezündet worden. Zudem hatte die Polizei einschreiten müssen, als eine Gruppe Dynamo-Anhänger den Nachbarblock stürmen wollte. Nach Vorlage und Auswertung der Stellungnahmen will der DFB-Kontrollausschuss über den Fortgang der Verfahren entscheiden, hieß es in der Stellungnahme weiter.
Auch außerhalb des Stadions war es nach der Partie zu Ausschreitungen gekommen. Dynamo-Hooligans stoppten und beschädigten Shuttle-Busse und warfen Fensterscheiben ein. Ein Businsasse erlitt Schnittwunden durch herumfliegende Splitter, eine Frau einen Schock. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf 70.000 Euro. Fest- oder Ingewahrsamnahmen gab es offiziellen Angaben zufolge trotz der Krawalle nicht.
Als Reaktion auf die Vorfälle bildete die Polizei in Rheinland-Pfalz am Montag eine 13-köpfige Ermittlungsgruppe, die die Ereignisse rund um das Spiel aufarbeiten und die Täter ausfindig machen soll. "Nach diesen unschönen Szenen gilt es für uns, alles zu tun, um die Verantwortlichen zu ermitteln", sagte Einsatzleiter Franz-Josef Brandt.
Dynamo Dresden steht wegen seiner gewalttätigen Anhänger derzeit stark unter Druck. Gegen den Verein ist noch ein anderes Verfahren beim DFB anhängig. Wegen der Ausschreitungen beim Pokalspiel in Hannover hatte der Verband die Dresdner aus dem Pokalwettbewerb für die kommende Saison ausgeschlossen. Gegen dieses Urteil legte Dynamo Berufung ein. Bis Freitag muss der Club dem DFB eine Berufungsbegründung liefern.
Dynamo-Chef beruft Krisensitzung ein
Bereits eine Stunde bevor der DFB die Ermittlungen gegen den Zweitligisten offiziell bestätigte, hatte Dynamo-Chef Andreas Ritter für Dienstagabend eine außerordentliche Präsidiumssitzung einberufen. Dabei sollen die Vorkommnisse rund um das Auswärtsspiel in Kaiserslautern ausgewertet und Konsequenzen besprochen werden.
"Wir stehen als Verein am Scheideweg und sehen uns aufgrund der abermaligen Ausschreitungen in Kaiserslautern in unserer Existenz bedroht", sagte Dynamos Geschäftsführer Christian Müller in einer Stellungnahme auf der Internetseite des Clubs: "Leute, die im Namen des Vereins für solche Ausschreitungen sorgen, sind keine Fans von Dynamo Dresden, es sind Kriminelle, die unseren Verein zerstören wollen."
In der Krisensitzung soll auch über die Berufungsbegründung wegen des Pokalausschlusses für die kommende Saison diskutiert werden. Die Bilder von Kaiserslautern seien diesbezüglich ein "verheerendes Signal" gewesen, betonte Müller. Man glaube zwar, weiterhin gute Argumente gegen einen Pokalausschluss zu haben, aber "sicherlich werden Dinge anders zu betrachten sein, als es noch vor Freitag der Fall war", sagte der Geschäftsführer dem TV-Sender Sport1.
Bereits in der vergangenen Saison hatten die Dresdner nach Ausschreitungen beim Pokalspiel in Dortmund im Oktober 2011erst in der Berufung vor dem DFB-Bundesgericht die bislang einmalige Strafe abwenden können.
mib/sid
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