Fan-Krawalle DFB erwägt Verbot von Auswärtsfahrten

Funktionäre von DFB und DFL diskutieren mögliche Konsequenzen der jüngsten Ausschreitungen nach dem Rhein-Derby in Mönchengladbach. Beim Verband wird sogar über ein Verbot von Auswärtsfahrten nachgedacht.

Platzsturm in Mönchengladbach: Funktionäre diskutieren über Konsequenzen
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Platzsturm in Mönchengladbach: Funktionäre diskutieren über Konsequenzen


Hamburg - Die Krawalle von Mönchengladbach durch Hooligans des 1. FC Köln könnten drastische Maßnahmen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach sich ziehen. Sogar ein Verbot von Auswärtsfahrten ist kein Tabu. "Wenn der Veranstalter sonst keine Möglichkeiten mehr hat, muss man solch drastische Sanktionen ergreifen. Ob Auswärtsfahrten verboten werden, muss die unabhängige Sportgerichtsbarkeit prüfen und entscheiden", sagte DFB-Sicherheitschef Hendrik Große-Lefert der "Rheinischen Post".

Beim Derby in Mönchengladbach hatten rund 30 vermummte Chaoten nach dem Schlusspfiff den Platz gestürmt. Sie lieferten sich Jagdszenen und Handgreiflichkeiten mit der Polizei und den Ordnungskräften. Zwei Randalierer wurden festgenommen, ein Polizist wurde verletzt.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) beurteilt die Situation anders als der DFB. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig sagte, er halte nichts davon, Auswärtsfahrten zu verbieten: "Das wollen wir nicht." Die Atmosphäre in den Stadien lebe von den Gesängen der unterschiedlichen Fangruppen. Rettig kann sich jedoch andere Maßnahmen vorstellen. "Das Instrument der Reduzierung von Tickets für Gästefans ist natürlich grundsätzlich möglich. Aber komplett auf Gästefans zu verzichten, mit der Entscheidung hätte ich Kummer", sagte er dem Kölner "Express".

FC-Präsident verteidigt hartes Durchgreifen

Auch über personalisierte Tickets für sicherheitsrelevante Spiele könne man nachdenken. "Damit wurden beim Niedersachsen-Derby zwischen Braunschweig und Hannover gute Erfahrungen gemacht." Das harte Durchgreifen des 1. FC Köln, der die Ultra-Gruppierung Boyz am Montag aus dem Verein ausgeschlossen hatte, begrüßte Rettig.

Kölns Klubpräsident Werner Spinner hat unterdessen das harte Durchgreifen des FC verteidigt. Man könne einer Gruppe eine Beteiligung nachweisen, "die über Einzeltäter hinausgeht. Und wenn der Kopf des Fanklubs mit als Erster auf den Platz stürmt und andere auffordert hinterherzukommen, dann stimmt in dem Fanklub etwas nicht", sagte Spinner der "Bild"-Zeitung.

Köln hatte angekündigt, allen etwa 40 bekannten Mitgliedern noch vor dem Heimspiel am Samstag gegen Hannover 96 ein lokales, unbefristetes Stadionverbot erteilen zu wollen und sämtliche Dauerkarten für Heim- und Auswärtsspiele zu kündigen. Zudem werden alle Vereinsmitglieder, die den Boyz angehören, aus dem Gesamtverein ausgeschlossen.

cte/sid



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