Krawalle von Catania Zweifel an Todesursache von Polizist Raciti

Vor gut zwei Monaten starb der Polizist Filippo Raciti bei Ausschreitungen nach einem Fußballspiel auf Sizilien. Lange Zeit galt ein 17-Jähriger als Hauptverdächtiger, doch nun berichtet ein Polizeibeamter, Raciti bei der Flucht vor Hooligans angefahren zu haben.


Rom - "Ich hörte einen Schlag auf das Auto, und dann sah ich Raciti mit den Händen an seinem Kopf. Ich stoppte und sah einige Kollegen, die ihn stützten", sagte der Beamte in der vom Magazin "L'Espresso" veröffentlichten Aussage. Der Polizist gab an, mit seinem Auto rückwärts fahrend vor den Hooligans geflüchtet zu sein. Bislang wird ein 17 Jahre alter Hooligan verdächtigt, Raciti beim Spiel Catania Calcio gegen US Palermo mit einem aus den Toilettenräumen des Stadions herausgerissenen Waschbecken erschlagen zu haben. Der seit 8. Februar in Untersuchungshaft sitzende Jugendliche beteuert jedoch seine Unschuld.

Nach Meinung seiner Verteidiger werfe die Aussage des Beamten ein anderes Licht auf die Vorfälle. "Ich denke, der Junge hat damit nichts zu tun. Die Verbindung mit dem Unfall scheint sehr plausibel", sagte Giuseppe Lipera der Nachrichtenagentur Reuters. Italienische Politiker forderten unterdessen eine schnelle Untersuchung der Behauptungen. "Die Aussage beinhaltet Elemente, wonach sich ein völlig anderer Fall als nach der offiziellen Version ergibt. Das veranlasst uns stark zu der Annahme, dass der Tod Racitis ein tragischer und banaler Unfall war", sagte Rechtsexperte Orazio Licandro von der kommunistischen Partei PDCI.

Catanias Staatsanwalt Gaspare La Rosa sagte heute, dass die Aussage des Beamten dem Richter bei der Anordnung der Untersuchungshaft für den 17 Jahre alten Tatverdächtigen bekannt gewesen sei. Untersuchungen in eine andere Richtung seien damals allerdings nicht in Betracht gezogen worden.

pav/sid



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