Krise bei den Bayern Das Feierbiest vermiest seinen Ruf

Beim FC Bayern geht's drunter und drüber: Trainer van Gaal mischt sich öffentlich in die Belange von Manager Nerlinger ein, prompt reagiert Vorstandschef Rummenigge mit einer deftigen Rüge. Der Coach steht derzeit ziemlich allein im Verein.

Bayern-Trainer Louis van Gaal: "Das ist nicht seine Entscheidung"
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Bayern-Trainer Louis van Gaal: "Das ist nicht seine Entscheidung"

Von Jan Reschke


Beim FC Bayern München fallen in Zeiten, in denen es sportlich nicht gut läuft, meist deutliche Worte. So war es im November 2009, als Philipp Lahm seine Fundamental-Kritik an der Ausrichtung des Vereins äußerte. So war es beim Rundumschlag von Uli Hoeneß vor rund drei Wochen, als der Bayern-Präsident Führungsstil und Personalentscheidungen von Trainer Louis van Gaal barsch attackierte. Am Ende hatten sich alle Beteiligten wieder lieb. So war es 2009, nachdem Lahm sich entschuldigt hatte. So war es nun auch nach den Vorwürfen von Hoeneß. Der Präsident und van Gaal gaben sich die Hand, und alles sollte wieder eitel Sonnenschein sein.

Denn es gab eine klare Vereinbarung: Der Führungskreis mit den Vorständen Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner, Sportdirektor Nerlinger, Hoeneß und van Gaal solle künftig häufiger tagen und alle anstehenden Themen besprechen. Zum Wohle des Vereins solle künftig verantwortungsvoll zusammengearbeitet werden.

Doch diese Vereinbarung ist schon wieder hinfällig. Es kracht beim deutschen Rekordmeister, der 14 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmundhat und derzeit nur auf einem enttäuschenden achten Rang liegt.

"Meine Vereine haben immer viel Geld verdient"

Diesmal war es van Gaal, der sich in Dinge eingemischt hat, die ihn eigentlich nichts angehen. Angesprochen auf Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, dessen Kontrakt im Sommer 2012 ausläuft und dem angeblich ein Angebot des Champions-League-Siegers Inter Mailand vorliegen soll, sagte van Gaal vor dem dürftigen 1:1 gegen Bayer Leverkusen: "Ich denke, dass Bayern ein Unternehmen ist. Meine Vereine haben immer viel Geld verdient. Fußball ist Geschäft." Um dann weniger verklausuliert nachzulegen, dass der Club die kolportierte Ablöse in Höhe von 30 Millionen Euro, die Mailand im Anschluss an die aktuelle Saison angeblich zu zahlen bereit wäre, "nicht einfach ins Wasser kippen" könne. Sollte der Mittelfeldspieler seinen Vertrag bis dahin nicht verlängern, sei es besser, ihn zu verkaufen.

Da war sie wieder, die von Hoeneß in seinem öffentlichen Ausbruch kritisierte van gaalsche "One-Man-Show".

Vertragsverlängerungen und Transferentscheidungen sind beim FC Bayern der Kompetenzbereich von Sportdirektor Nerlinger. Der hat sich denn auch prompt zu Wort gemeldet. "Van Gaal soll uns nicht reich machen. Er soll uns erfolgreich machen. Dafür brauchen wir Spieler wie Schweinsteiger", so Nerlinger.

Noch deutlicher wurde Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag: "Das liegt nicht in der Entscheidungsgewalt des Trainers." Damit zeigte der FCB-Boss van Gaal deutlich auf, wer im Club das Sagen hat. "Auch wenn Schweinsteiger nicht vorzeitig verlängern sollte, spielt er definitiv bis zum 30. Juni 2012 bei uns. Da nehme ich mir heraus, das letzte Wort zu haben."

Van Gaal revanchierte sich auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Champions-League-Gruppenspiel gegen den AS Rom am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Bezogen auf Rummenigges Rat, angesichts der personellen Probleme könne van Gaal doch dem ein oder anderen Reservisten Spielpraxis geben, sagte der: "Ich denke nicht, dass der Vorstandsvorsitzende die Aufstellung macht."

Der Vorsprung des BVB macht alle Beteiligten offenbar nervös

Unstimmigkeiten zwischen der Führungsebene des FC Bayern und dem Trainer gibt es auch in der Einschätzung der sportlichen Situation. Ziemlich exklusiv vertritt van Gaal noch immer die Meinung, dass "unser Ziel die Meisterschaft ist". Realistischer gibt sich da schon Nerlinger: "Von der Meisterschaft brauchen wir nicht mehr zu reden." Klartext redet Ehrenpräsident Franz Beckenbauer: Bayern sei "keine Spitzenmannschaft", die Dortmunder "Lichtjahre entfernt". Die gegensätzlichen Ansichten zeigen vor allem eines: Beim FC Bayern ist man sich in wichtigen Fragen uneins.

Durch seine forschen Aussagen hat sich van Gaal angreifbar gemacht. Die geballten Zurechtweisungen belegen, dass es um das Binnenklima nicht gut bestellt - und van Gaal im Club derzeit sehr allein ist.

Van Gaals größtes Faustpfand ist derzeit noch das gute Abschneiden in der Champions League. Vier Siege aus vier Spielen sind eine optimale Bilanz, schon vor dem Spiel beim AS Rom haben sich die Münchner für das Achtelfinale qualifiziert. Andernfalls würde dem im Sommer noch hymnisch verehrten "Feierbiest" wohl noch größere Kritik zuteil werden.

Zumal die zuletzt so starken Leistungen von Torjäger Mario Gomez mit acht Toren in sechs Spielen und die ansehnlichen Darbietungen von Anatoly Timotschuk Hoeneß in seiner Kritik bestätigt haben dürften. Er wähnte die beiden Spieler durch van Gaal nicht genügend gewürdigt.

Harmonie ist vorerst nicht in Sicht. Rummenigge erklärte am Montag, "in der Defensive im Winter nachzurüsten", falls man die hohe Fehlerquote in der Abwehr nicht abstellen könne. Van Gaal sieht dagegen keinen Handlungsbedarf.

Mit Material des sid

insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
the_flying_horse, 22.11.2010
1. Naja, wenns Dicke kommt
Naja, wenns Dicke kommt, kann Bayern ja mit Werder Bremen die Trainer tauschen... hätten wohl beide etwas davon.
Haio Forler 22.11.2010
2. .
Zitat von sysopBeim FC Bayern geht's drunter und drüber:*Trainer van Gaal mischt sich öffentlich in die Belange von Manager Nerlinger ein, prompt reagiert Vorstandschef Rummenigge mit einer deftigen Rüge. Der Coach steht derzeit ziemlich allen im Verein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,730434,00.html
Herrlich. In 3 Wiochen ist eh wieder alles in Ordnung :) Immerhin sind wir hier nicht auf Schalke ;)
Boesor 22.11.2010
3. -
Zitat von Haio ForlerHerrlich. In 3 Wiochen ist eh wieder alles in Ordnung :) Immerhin sind wir hier nicht auf Schalke ;)
Wenn man bis dahin den Rückstand auf Dortmund verkürzt hat. Sonst brodelt es weiter.
mm01 22.11.2010
4. ....
Zitat von Haio ForlerHerrlich. In 3 Wiochen ist eh wieder alles in Ordnung :) Immerhin sind wir hier nicht auf Schalke ;)
Wie sagte der "Kaiser" Franz Beckenbauer vor ein paar Jahren in einer Werbesendung: "Is' denn schon wieder Weihnachten"? Oder: Schaun' mer mal...
Martinsto 22.11.2010
5. ...
Van Gaal ist verbraucht. Es muss ein frisches Gesicht her, das bisher maximalen Erfolg hatte: Löw dürfte mit viel Geld an die Isar gelockt werden können, und zwar schon ab der Winterpause, sonst geht der FC Bayern unter, obwohl doch der CL-Titel im CL-Finale 2012 in München verteidigt werden soll.
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