Krise in München FC Bayern feuert Trainer Klinsmann - Heynckes übernimmt

Rauswurf in München: Der FC Bayern hat sich nach nur zehn Monaten von Trainer Jürgen Klinsmann getrennt. Nachfolger bis zum Saisonende wird Jupp Heynckes, sein Assistent Amateurtrainer Hermann Gerland.


München - Jürgen Klinsmann ist nach nicht einmal zehn Monaten als Trainer bei Bayern München gescheitert. Zwei Tage nach der 0:1-Niederlage gegen Schalke 04 zogen die Verantwortlichen des Deutschen Meisters die Notbremse. "Der Vorstand sah nach den letzten Ergebnissen die Mindestziele für diese Saison gefährdet und hat sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen", heißt es in der offiziellen Erklärung auf der Homepage des Clubs. Auch Klinsmanns Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof wurden entlassen. "Natürlich bin ich im Moment sehr enttäuscht. Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern München, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken", sagte Klinsmann. "Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison Deutscher Meister werden kann", so Klinsmann.

Interims-Trainer wird ein alter Bekannter: "Der Vorstand des FC Bayern München hat bis zum Saisonende Jupp Heynckes als Cheftrainer und Hermann Gerland als seinen Assistenten mit der Leitung der Lizenzspielermannschaft beauftragt", heißt es in der Erklärung. Assistent vom 64-jährigen Heynckes wird Hermann Gerland (53), Trainer der Drittliga-Mannschaft des Rekordmeisters. Beide werden ab Dienstag das Training leiten.

Jupp Heynckes war bereits von 1987 bis 1991 Trainer des FC Bayern. Er feiert sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet am Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Mit den abstiegsbedrohten Gladbachern war er als Spieler viermal Deutscher Meister geworden und arbeitete dort später auch zweimal als Trainer.Heynckes' Assistent Hermann Gerland trainiert seit 2001 die zweite Mannschaft des Clubs, war davor bereits von 1990 bis 1995 Amateurtrainer des FC Bayern. "Mit Jupp Heynckes und Hermann Gerland haben wir zwei erfahrene Trainer, denen wir die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht", versicherte, "aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise wie diese zustande kamen und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Club gegenüber zu handeln."

Klinsmanns Vertrag wäre noch bis zum 30. Juni 2010 gelaufen, noch am Samstag zeigte er sich von einer Fortsetzung seiner Arbeit beim Rekordmeister überzeugt. "Der Vorstand dankt Jürgen Klinsmann und seinem Trainerteam für die Zusammenarbeit, und wünscht ihnen alles Gute für die Zukunft", so die Abschiedsfloskel in der Erklärung des Clubs.

Am 30. Juni 2008 war der ehemalige Bundestrainer beim FC Bayern mit hohen Ansprüchen und viel Elan in seine erste Amtszeit als Vereinstrainer gestartet. Jeden Spieler wollte der 44-Jährige besser machen, eine neue Spielphilosophie entwickeln und zudem möglichst viele Titel gewinnen - doch nach exakt 302 Tagen ist davon nicht viel übrig geblieben.

In der Champions League und im DFB-Pokal war für die Münchner im Viertelfinale Endstation. Immer mehr Auflösungserscheinungen machten sich breit, schon seit Wochen stand der frühere Torjäger massiv in der Kritik. In der Bundesliga gab es unter Klinsmann in 29 Spielen bereits sieben Niederlagen. Für die Bayern ist es schon jetzt die zweitschlechteste Liga-Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Nur 2006/07 hatte es zehn Pleiten in einer Saison gegeben.

Bei den Fans hatte Klinsmann schon länger jeden Kredit verspielt. Tiefpunkte waren zuletzt das 0:4 in der Champions League beim FC Barcelona und das 1:5 in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg. Nach dem 0:1 gegen Schalke war nun laut "Bild"-Zeitung auch der Vorstand mit seiner Geduld am Ende. Rummenigge, Manager Uli Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner beschlossen demnach in einer mehrstündigen Krisensitzung den Rauswurf von Klinsmann. Am Montagmorgen wurde Klinsmann von diesem Entschluss unterrichtet.

Wer in der kommenden Saison Cheftrainer beim Rekordmeister sein wird, teilte der Verein zunächst nicht mit, betonte aber, dass es sich bei Heynckes um eine Interimslösung handele. Für Heynckes spricht seine Erfahrung: Begonnen hatte er seine Trainer-Karriere bei Borussia Mönchengladbach, wo er von 1978 bis 1987 an der Seitenlinie stand - allerdings ohne einen Titel zu gewinnen. Danach folgte seine Münchner Zeit, mit den Meisterschaften 1989 und 1990, sowie dem Supercup-Gewinn 1990. Seinen größten Erfolg feierte er 1998. Mit Real Madrid gewann er die Champions League, wurde jedoch trotzdem entlassen. Zuletzt hatte er zwei Bundesligamannschaften trainiert: Von 2003 bis September 2004 war er bei Schalke 04 tätig, von 2006 an erneut bei den Gladbachern. Dort trat er am 31. Januar 2007 zurück.

mig/har/sid

Forum - Bayern-Flop - weshalb ist Jürgen Klinsmann gescheitert?
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Seite 1
Schwabenpower 27.04.2009
1.
Zitat von sysopNach nur zehn Monaten haben sich die Bayern von Trainer-Neuling Jürgen Klinsmann getrennt. Warum war der frühere Nationalcoach so erfolglos? Oder lag es gar nicht an Klinsmann?
Wenn man die Meinung vertritt, dass der Fisch vom Kopf her stinkt, kann man nur zu einem Schluss kommen.
Polar, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopNach nur zehn Monaten haben sich die Bayern von Trainer-Neuling Jürgen Klinsmann getrennt. Warum war der frühere Nationalcoach so erfolglos? Oder lag es gar nicht an Klinsmann?
Quatsch erfolglos - erst jetzt ist Klinsmann ein richtiger Trainer. Und das ist nur der, der mindestens einmal achtkantig ´rausgeflogen ist. Fragt mal den Osram, der weiß das.
noodl 27.04.2009
3.
Ich denke nicht, dass Klinsi alleine die Schuld trägt. Da hat einfach nichts gepasst - die Ziele waren zu hoch, die Versprechungen zu euphorisch und die Medien zu gnadenlos. Ich bin davon überzeugt, dass Klinsmann ein guter Trainer ist, wenn man ihm Zeit gibt. Diese bekommt man bei Bayern aber nicht. Für die Spielweise, die sich Klinsmann vorgestellt hat, waren einfach nicht die Spieler da. Bayern hat zuvor unter Hitzfeld, Magath und Hitzfeld 2 defensiv gespielt. Die Umstellung war zu groß. Auch die Einstellung macher Spieler sind negativ. Immerhin hat nahezu die selbe Mannschaft letztes Jahr phasenweise Traumfussball gespielt.Und zuguterletzt hatte Bayern dieses Jahr mit ziemlichen Verletzungspech zu kämpfen. An all diesen Faktoren is Klinsmann letztendlich gescheitert, wobei die Medien eine große Mitschuld tragen.
Hercules Rockefeller, 27.04.2009
4. Komisch
Ich wundere mich ein bischen, dass offenbar so derart viel am Trainer hängen soll? Weshalb bekommen dann eigentlich die Spieler die ganzen Millionen und nicht die Trainer? Ausserdem werden doch in unserem Land wenn was schief läuft immer die Arbeiter gefeuert, niemals jemand aus der Leitungsebene. Die Spieler müssten auf Hartz4 und Klinsmann einen Bonus von mehreren Millionen bekommen.
economist1, 27.04.2009
5.
Die Trennung von Jürgen Klinsmann war richtig und logisch, da die von ihm angesprochenen Chemie in der Mannschaft nicht mehr zu stimmen schien. Auch ist Herrn Klinsmann an seinen eigenen hohen Ansprüchen gemessen mehr als gescheitert und daher nicht länger zu halten. Die Schuld der jetzigen Bayern-Misere alleine bei Herrn Klinsmann zu suchen, greift aber zu kurz. In den letzten Jahren hat der Vorstand in Person der Herren Rummenige und Hoeneß dazu reichlich beigetragen. Die strategische Fehlentscheidung der Ablösung des Herrn Magath sowie die fehlende Bereitschaft, das Engagement mit Ottmar Hitzfeld zu verlängern, resultierten ja erst im fatalen und letztendlich gescheiterten Experiment Klinsmann. Für die Zukunft meines FC Bayern sehe ich nicht nur auf der Trainerposition Handlungsbedarf.
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