Kritik am Trainer Lautern trennt sich von Sforza

Der abstiegsgefährdete Fußball-Bundesligist 1. FC Kaiserslautern und Ciriaco Sforza gehen ab sofort getrennte Wege. Der bis Saisonende laufende Vertrag mit dem Schweizer wurde aufgelöst. Sforza will die Entscheidung aber nicht akzeptieren.


Kaiserslautern - "Nach einer anfangs sehr konstruktiven Zusammenarbeit mit Ciriaco Sforza hat er in letzter Zeit leider eine Vorgehensweise gewählt, durch die das Funktionieren einer Fußball-Mannschaft unterlaufen wird und die von mir als Trainer in keiner Weise akzeptiert werden kann", begründete Cheftrainer Michael Henke die Trennung von Sforza. Eine konfliktfreie Zusammenarbeit in Trainings- und Spielbetrieb sei nicht mehr gesichert, hieß es in einer Pressemitteilung des FCK.

Profi Sforza (r.): "FCK hatte keine andere Alternative"
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Profi Sforza (r.): "FCK hatte keine andere Alternative"

Henke, der Lauterer Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi und Teammanager Olaf Marschall hatten sich am Montagabend mit Sforza getroffen. In der Sitzung wurde dann beschlossen, den bis zum 30. Juni 2006 laufenden Vertrag mit dem 35-Jährigen "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in sportlichen Fragen" aufzulösen.

Sforza war seit 2002 beim 1. FC Kaiserslautern. Der frühere Schweizer Nationalspieler spielte bereits von 1993 bis 1995 und von 1997 bis 2000 für den Traditionsclub (insgesamt 199 Bundesligapartien). Sforza will sich mit der vom FCK verkündeten Entscheidung nicht abfinden. "Ich sehe noch keine getrennten Wege. Über eine Vertragsauflösung und deren Modalitäten wurde überhaupt noch nicht gesprochen."

Ausschlaggebend für die Entscheidung des FCK war ein Gespräch zwischen Sforza und Jäggi am Freitagabend vor dem Punktspiel gegen Borussia Dortmund (3:3). In diesem kritisierte der Mittelfeldspieler, der gegen Dortmund zur Halbzeit wegen Problemen mit der Achillessehne ausgewechselt wurde, die sportliche Leitung. Diese Position bekräftigte Sforza im Beisein von Henke am Montag in der Krisensitzung. Jäggi und Marschall stellten sich allerdings auf die Seite des 48 Jahre alten Chefcoach-Neulings, der den FCK seit Saisonbeginn trainiert.

Sforza will noch länger spielen

"Grundsätzlich bedauere ich es, dass ein so verdienter Spieler den Verein verlässt. Persönlich wünsche ich ihm alles Gute. In dieser Situation blieb dem FCK aber keine andere Alternative, um ein qualifiziertes und vertrauensvolles Zusammenarbeiten für Trainer Michael Henke zu gewährleisten und die verantwortliche Tätigkeit des Cheftrainers in keiner Weise in Frage stellen zu lassen", sagte Jäggi. Der frühere FCK-Coach Kurt Jara hatte nach seiner Entlassung am Ende der vergangenen Saison behauptet, Sforza habe mit dazu beigetragen, dass er den Club verlassen musste.

Der Vertrag Sforzas war erst im Sommer des vergangenen Jahres geändert worden. Ursprünglich hatte der frühere Bayern-Profi mit der ehemaligen Clubführung um Jürgen Friedrich vereinbart, ab Juli 2004 als Sportdirektor zu arbeiten. Mit Jäggi einigte sich Sforza dann auf eine Verlängerung seines Profivertrags. Der Kicker hatte unlängst angekündigt, seine Karriere auch nach Ablauf des Vertrages in Kaiserslautern fortsetzen zu wollen.

Sforza war im November des vergangenen Jahres nach einer 18-monatigen Pause aufgrund einer Achillessehnenverletzung ein Comeback gelungen. Mit guten Leistungen war er mitverantwortlich für den Klassenerhalt der Lauterer. Derzeit belegt der Club Rang 14, der Abstand zu einem Abstiegsplatz beträgt nur einen Punkt.



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