Kritik an Zorc "Bestbezahlter Spielerbetreuer der Bundesliga"

Der abstiegsgefährdete und hoch verschuldete Bundesligist Borussia Dortmund kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Trubel um den Rücktritt von Teammanager Stefan Reuter sorgt Großaktionär Florian Homm für Ärger. Der Unternehmer verlangt von Sportmanager Michael "Susi" Zorc einen Gehaltsverzicht. Der verbittet sich jede Einmischung.


Ex-Profi Zorc: "Ich bin kein Spielerbetreuer, sondern Sportmanager"
DDP

Ex-Profi Zorc: "Ich bin kein Spielerbetreuer, sondern Sportmanager"

Dortmund - "Es gibt in der Bundesliga keinen Spielerbetreuer, der soviel Geld verdient wie Zorc. Ich kann nicht weiter Kaviar essen, wenn rechts und links die Schiffe untergehen", sagte Homm der "Bild"-Zeitung. Lob hatte Homm dagegen für Reuter, der am Dienstag als Teammanager zurückgetreten war: "Hut ab! Reuter hat die Notwendigkeit verstanden, Opfer zu bringen. Er ist ein wahrer Borusse."

Zudem kritisierte Großaktionär Homm erneut Chefcoach Bert van Marwijk öffentlich. "So eine platte Truppe wie zuletzt kann man keinem Fan mehr zumuten", sagte er. Bereits im November hatte Homm van Marwijk attackiert: "Ich will so einen wie Bielefelds Trainer Uwe Rapolder. Was dieser Mann in Bielefeld geleistet hat, ist eine Super-Show. So sieht moderner Fußball aus." Nach der Hinrunde trennen den Tabellen-14. nur vier Punkte von der zweiten Liga.

Zorc kann Homms verbalen Angriff auf seine Person nicht nachvollziehen. "Seine Aussagen sind von Unkenntnis geprägt. Bereits vor Saisonbeginn habe ich mich in Gesprächen mit der Geschäftsführung zu einem deutlichen Gehaltsverzicht bereit erklärt. Außerdem bin ich kein Spielerbetreuer, sondern Sportmanager", sagte Zorc pikiert. "Herr Homm ist anscheinend über unsere Situation sehr schlecht informiert und kennt überhaupt nicht mein Aufgabengebiet. Die Gespräche mit den Spielern über eine Gehaltsreduzierung habe ich entscheidend mitgeführt, wenn nicht sogar in Gänze."

Investor Homm: "Opfer bringen"
AP

Investor Homm: "Opfer bringen"

Eine Unterredung mit Homm strebt Zorc nicht an. "Dafür bin ich viel zu beschäftigt." Im Übrigen könne Homm gar nicht beurteilen, wer ein echter Borusse sei und wer nicht. "Ich habe bereits 1984 für den BVB gespielt und damals auch eine schwierige Situation, unter anderem mit dem Präsidenten Reinhard Rauball, mitgemacht", sagte Zorc. Insgesamt bestritt der ehemalige Mittelfeldspieler 463 Bundesligapartien für Borussia Dortmund und erzielte 131 Tore.

Offenbar hatten Differenzen mit Zorc zu Reuters Rücktritt geführt. "Es war nicht die Idealkonstellation", sagte der Welt- und Europameister in einem "Kicker"-Interview, "aber in so einer schwierigen Phase für den Verein müssen der Erfolg und das Team im Vordergrund stehen." Reuter beklagte ein Kompetenzgerangel: "Ein klares Konzept braucht Entscheidungsbefugnisse, das Management darf nur eine Sprache sprechen, und es braucht eindeutige Verantwortlichkeiten. Es ist ein zielorientiertes Handeln notwendig."



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