Kritik von Politik und Sportverband Neonazi pfeift Jugend-Fußballspiel

Für die NPD sitzt er im Kreistag, nun wurde er als Schiedsrichter eingesetzt: Das sportliche Engagement eines Rechtsextremen aus Sachsen-Anhalt ruft weiterhin Empörung in der Politik und beim Landessportbund hervor. Ein Einsatz als Referee sei "skandalös" und "nicht hinnehmbar".


Hamburg - Der Rechtsextreme Lutz Battke hat am Samstag ein Jugend-Fußballspiel in Laucha, Sachsen-Anhalt, gepfiffen. Dies bestätigte der Vorsitzende des Sportvereins BSC 99 Laucha, Klaus Wege, der "Mitteldeutschen Zeitung". Battke leitete ein Übungsspiel der Lauchaer F-Jugend gegen eine Mannschaft von Naumburg 05. "Wenn die Naumburger etwas dagegen gehabt hätten, dann hätte er nicht gepfiffen", sagte Wege dem Blatt. Ein Einsatz des Rechtsextremen bei Pflichtspielen sei jedoch nicht geplant.

Battke sitzt für die NPD im Kreistag des Burgenlandkreises sowie im Gemeinderat der Stadt Laucha und war von seinem Verein vor rund einem Monat nach erheblichem öffentlichen Druck seines Amtes als Nachwuchstrainer enthoben worden. Er blieb jedoch Mitglied des Vereins. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) nannte die Entscheidung damals "überfällig".

Der neuerliche Einsatz Battkes im Jugendfußball hat Empörung hervorgerufen: "Ich habe langsam den Eindruck, dass die Funktionäre des BSC Laucha die Öffentlichkeit täuschen und Lutz Battke schützen", sagte der Staatssekretär im Innenministerium von Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erben (SPD): "Ein Schiedsrichter hat noch viel mehr die Aufgabe, auf die Kinder einzuwirken, als ein Trainer." Insofern sei der Einsatz des Rechtsextremen schlicht skandalös.

Die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde, Jana Grandi (CDU), nannte den Einsatz eine "Umgehung" der Entscheidung, dass Battke von der Kinder- und Jugendarbeit des Vereins entbunden sei.

Beim Landessportbund (LSB) fiel die Reaktion ähnlich kritisch aus: "Für uns ist das überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Präsident Andreas Silbersack. Er kündigte an, dass man auf den Lauchaer Verein Druck ausüben werde. Der LSB stehe für eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber rechtsextremen Tendenzen.

bka/ddp



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