KSC-Talent Calhanoglu Pogo auf dem Platz

Er gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball - und wurde schon mit Mesut Özil verglichen. Den Karlsruher SC führte Hakan Calhanoglu zum Aufstieg in die zweite Liga. Nun wechselt der Teenager zum Hamburger SV.

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Eigentlich ist er nicht nah am Wasser gebaut. Aber als er da so vor der Fankurve stand, in all die glücklichen Gesichter sah, und als er sich dann vorstellte, dass er schon bald in Hamburg spielen würde - da übermannte es ihn einfach. Hakan Calhanoglu weinte am Samstag, als der Aufstieg des Karlsruher SC in die zweite Liga unter Dach und Fach war, hemmungslos. "Ich habe mich einfach für den Verein und die Fans gefreut", sagt er ein paar Tage später: "Das war die Wiedergutmachung für den Abstieg."

Noch am selben Abend statteten Spieler und Offizielle des Clubs ihren treuesten Anhängern einen Besuch in der Zentrale des Fanprojekts ab und wurden dort ausgelassen begrüßt. "Unbeschreibliche Szenen" hätten sich dort abgespielt, erzählt Calhanoglu. Als die Fans anfingen, Pogo zu tanzen ("die haben sich angerannt und geschubst"), wurde es dem schmächtigen 19-Jährigen aber zu viel: "Ich habe mich hinter einer Stange versteckt."

Karlsruhes Trainer Markus Kauczinski, der vor seiner Beförderung lange im Nachwuchsbereich des KSC gearbeitet hatte, ist mit U15-Coach Tim Walter der Entdecker des fraglos besten Technikers im KSC-Trikot seit Mehmet Scholl (1982 bis 1992). Er lotste den Deutsch-Türken als 15-Jährigen von Waldhof Mannheim nach Karlsruhe. Am damaligen Teenager waren auch Hoffenheim, Mainz und Kaiserslautern interessiert.

"Hakan ist absolut klar im Kopf"

Kauczinskis Vorgänger Jörn Andersen warf Calhanoglu im Februar 2012 ins kalte Wasser - und ließ ihn nicht mehr an den Beckenrand. Der damals gerade 18 Jahre alt gewordene Mittelfeldakteur spielte meist durch und wurde vom norwegischen Coach sogar mit Madrids Spielmacher Mesut Özil verglichen. Experten schüttelten den Kopf, schließlich widersprach all das dem Gebot, Talente behutsam aufzubauen und regelmäßige Pausen zuzulassen. Kauczinski musste bremsen, als die Erwartungen in die Höhe schossen: "Hier vergessen einige schnell, dass wir von einem Teenager reden."

Im Sommer 2012 hatte Kauczinski seinen Schützling zur Seite nehmen müssen, der frühe Ruhm schien Calhanoglu nur noch an eine glanzvolle Zukunft und nicht mehr an den tristen Drittliga-Alltag denken zu lassen. "Da machte er den Eindruck, als säße er auf gepackten Koffern", erinnert sich Kauczinski. "Das hat sich aber schnell gegeben. Hakan ist absolut klar im Kopf." Calhanoglu hat das Vorgehen von Andersen nie als Hypothek empfunden. "Das war ein entscheidender Schritt für mich", sagte er damals, "und Özil kann natürlich vieles, das ich nicht kann. Aber umgekehrt ist das in mancher Hinsicht vielleicht ähnlich."

Schnell machte im vergangenen Frühjahr die Nachricht die Runde, dass bei dem designierten Absteiger ein Ausnahmetalent die Fäden im Mittelfeld zog, einer mit überragender Schusstechnik, der ab dem ersten Zweitligaspiel so gut wie alle Standards schoss. Im Saison-Finish saßen deshalb Dutzende Scouts auf der Haupttribüne.

Calhanoglu beim KSC eigentlich unverzichtbar

Warum er sich aus dem Gros der Interessenten für den HSV entschied, kann Calhanoglu genau sagen. Die Erfolge der Vergangenheit? "Nö." Eine attraktive Großstadt? "Hm. Nein, ich war einfach von klein auf von vielen HSV-Spielern begeistert." Sagt's und schwärmt von Mladen Petric und Ze Roberto ("Damals mein absoluter Lieblingsspieler"). Seit der Wechsel feststeht, hat sich Calhanoglu jedes Spiel der Hamburger in voller Länge im Fernsehen angeschaut. "Einige richtig gute Kicker" hat er gesehen, sagt er. Und dass ihm bewusst sei, dass er sich wohl erst mal hinten anstellen müsse.

Insgeheim traut er sich einen Stammplatz wohl schon zu: "Ich bin sehr selbstbewusst, weiß aber, dass ich bisher noch nichts Großes erreicht habe." HSV-Trainer Torsten Fink scheint angedeutet zu haben, dass er ihn sich durchaus auf einer Position hinter den Spitzen vorstellen könne, sowohl im 4-2-3-1-System als auch in der Raute. Im August im Pokal hatte der Hamburger Coach gesehen, wie Calhanoglu den KSC zum 4:2-Sieg gegen den HSV führte.

In Karlsruhe können sie auf Calhanoglu eigentlich nicht verzichten, das zeigte sich am Samstag. Als Spieler und Fans zu vorgerückter Stunde dem Pogo frönten, war Calhanoglu mit ziemlicher Sicherheit der einzige, der nüchtern war. Er rührte auch kein Bier an, als die Kollegen weiterzogen und die Clubs unsicher machten. Er ging als einziger ins Hotel und schlief sich aus.

Denn keine 24 Stunden nach dem Aufstieg musste Calhanoglu, der in der dritten Liga 16 Tore geschossen und zwölf vorbereitet hat, wieder ran: A-Jugend-Bundesliga, Abstiegskampf. Der KSC gewann 1:0 gegen Nürnberg. Klar, von wem die Vorlage zum einzigen Treffer kam.

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Seite 1
sinjin 20.05.2013
1. Karriere ...
... (sportlich) scheint ihn nicht zu interessieren - da geht man doch nicht zum HSV ... hat sich wohl in den Raum Baden noch nicht rumgesprochen. :o)
DorianH 20.05.2013
2.
Zitat von sysopDPAEr gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball - und wurde schon mit Mesut Özil verglichen. Den Karlsruher SC führte Hakan Calhanoglu zum Aufstieg in die zweite Liga. Nun wechselt der Teenager zum Hamburger SV. http://www.spiegel.de/sport/fussball/ksc-spielmacher-hakan-calhanoglu-wirbelt-kuenftig-fuer-den-hsv-a-900106.html
Der HSV bekommt ein Juwel, und hoffentlich verpasst er ihm den richtigen Schliff. Nur schade, daß ich ihn nicht mehr live spielen sehen werde. Viel Erfolg, Hakan. Bleib auf dem Boden, dann wirst du ein Großer.
DorianH 20.05.2013
3.
Bildunterschrift zu Bild 3: Der Torschütze war nicht Calhanoglu, sondern Kempe.
FireStar 20.05.2013
4. Hakan
^Hakan geht als absoluter Publikumliebling. War sich zu keiner Zeit zu schade irgendwie den Ar... hochzukriegen. Steigt auf mit dem KSC, spielt einen Tag darauf überraschent seid Monaten wieder für die U19... Spielt ohne not im Fainale des Badischenverbandspokals usw. Wir werden dich vermissen, ich hoffe die Hamerburger wissen deine Qulitäten zu würdigen, wenn nicht, wir tun es.
roka1894 20.05.2013
5.
Zitat von sinjin... (sportlich) scheint ihn nicht zu interessieren - da geht man doch nicht zum HSV ... hat sich wohl in den Raum Baden noch nicht rumgesprochen. :o)
wenn man aus "dem Raum Baden" kommt, geht man vor allem nicht nach Hoppenheim oder zum VfBäääh. Somit eine kluge Entscheidung an die Waterkant zu gehen :-))
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