Kuriose Trainerentlassungen Rauswurf nach der Ehrenrunde

Von Jan Reschke

5. Teil: Willi Entenmann - Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten in der täglichen Zusammenarbeit


Auch Siege schützen nicht vor dem Rauswurf. Willi Entenmann wurde 1993 trotz eines 2:0-Erfolges gegen Bayern München beim Bundesligisten 1. FC Nürnberg entlassen. Der damalige Präsident Gerhard Voack beendete die Zusammenarbeit mit Entenmann "wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten in der täglichen Zusammenarbeit". Zuvor hatte Entenmann bereits eine Abmahnung erhalten. Nürnberg absolvierte ein Testspiel im rund 45 Kilometer entfernten Ansbach. Anschließend drängten die Spieler auf die Abfahrt des Mannschaftsbusses. Der mit der Abrechnung beschäftigte Geschäftsstellenleiter Bernd Ingerling wurde in der Eile vergessen. Das legte Voack Entenmann zur Last, der damit gar nichts zu tun hatte und dennoch entlassen wurde. Aufgebrachte "Club"-Fans hatten anschließend vor dem Vereinsgelände für Entenmann demonstriert.

Der eigentliche Grund war ein anderer: Mitglieder des Finanz- und Verwaltungsrats hatten sich an Entenmanns Umgang mit Spielern, die sie dem Verein finanziert hatten, gestört. "Herr Entenmann hat nie akzeptiert, wie schlimm es uns ging. Wir waren kurz vor dem Bankrott. In solch einer Situation kann man unsere Werbepartner, die uns gerettet haben, nicht wie Schulbuben behandeln", so Voack im Nachhinein.

Entenmann sagte später einmal: "Es mag verrückt klingen: Mich persönlich hat dieser Rauswurf, so schmerzhaft er war, sogar weitergebracht. Leider hat dies nicht für den Club gegolten, denn er war der einzige große Leidtragende."

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Gottistrund 11.12.2008
1.
Trainer mit uneingeschränkter Macht gab es schon immer: Rehagel, Happel, Lattek, Csernai. Neu ist, daß Trainer keine Hierarchien mehr brauchen, wie es gerade Hoffenheim vormacht (vorher Löw in Stuttgart, Doll in Hamburg). Weder für sich selbst noch in der Mannschaft. Dieser Spruch von "Das Team ist der Star" scheint sich tatsächlich durchzusetzen. Erinnern Sie sich noch an das Theater mit Ballack bei Bayern? Die Großkopferten wollten in ihm unbedingt einen Leader sehen, so wie früher mit Beckenbauer und so. Hat aber nicht geklappt, und die Bayern-Bosse verhielten sich deswegen mal fies, mal ratlos. Weil sie nicht verstanden, daß Ballack schon einer neuen Generation von Fußballverständnis angehört. Übrigens ist die freie Verantwortungsteilung spätestens seit dem Internet-Boom auch in der Wirtschaft angekommen...
weisswas 11.12.2008
2. gibt bereits vorbilder
das modell hat bereits mindestens einen erfolgreichen vorgänger, der alle strukturmerkmale aufweist. die konzentration der verantwortung auf den trainer beim sc freiburg unter volker finke. er war chef-trainer, chef-manager und chef-sportdirektor. der erfolg dieses modells, sofern die protagonisten über ein überdurchschnittliches potential verfügen, spricht für sich. magath, ragnik und sicherlich noch ein paar andere trainer verfügen über diese potentiale, aber ein universell einsetzbares modell ist es sicherlich nicht. a. weil nicht genügend trainer dieses potential aufweisen, wie man es am nachfolger von volker finke in freiburg sehr schön exemplarisch nachvollziehen kann b. das modell selber widersprüche aufweist. je mehr druck diese "alleinherrscher" aufbauen, um ihre ziele durchzusetzen, desto mehr widerstand provozieren sie. das ist so lange kein problem wie der erfolg vorhanden ist. aber wird sofort zu einem "mörderischen" problem, sofern der erfolg ausbleibt. auch das konnte man sehr schön im fall von volker finke nachvollziehen.
Tomislav, 11.12.2008
3.
Zitat von GottistrundTrainer mit uneingeschränkter Macht gab es schon immer: Rehagel, Happel, Lattek, Csernai. Neu ist, daß Trainer keine Hierarchien mehr brauchen, wie es gerade Hoffenheim vormacht (vorher Löw in Stuttgart, Doll in Hamburg). Weder für sich selbst noch in der Mannschaft. Dieser Spruch von "Das Team ist der Star" scheint sich tatsächlich durchzusetzen. Erinnern Sie sich noch an das Theater mit Ballack bei Bayern? Die Großkopferten wollten in ihm unbedingt einen Leader sehen, so wie früher mit Beckenbauer und so. Hat aber nicht geklappt, und die Bayern-Bosse verhielten sich deswegen mal fies, mal ratlos. Weil sie nicht verstanden, daß Ballack schon einer neuen Generation von Fußballverständnis angehört. Übrigens ist die freie Verantwortungsteilung spätestens seit dem Internet-Boom auch in der Wirtschaft angekommen...
Dann hat sich Ballacks Fußballverständnis wohl in der Zwischenzeit zurückentwickelt. ;)
henry75 11.12.2008
4. Hype um Hoffenheim und WOB, warum?
Vorweg: Ein gut gemachter Artikel, Herr Biermann!! Dennoch als langjähriger Fußballfan (nicht Modefan!) empfinde ich dies alles nicht als Neuigkeit. In den 80ern hat ein gewisser Otto Rehhagel mit Werder Bremen mit seinem "Konzept/Philosophie (oder wie man es auch neumodisch nennen mag...)"Kontrollierte Ofensive" spielen lassen und hatte dadurch seinen Mannschaften eine Handschrift gegeben. Stabile Abwehr. Schnelle Überbrückung des Mittelfeldes durch Passpiel auf die Außenpositionen, Flanke, Tor! Damit knackt man bestimmt auch die modernen Hoffenheimer... Rehhagel hatte zudem im Verein das Sagen und man ließ ihn machen. Gewiß hatte er formal nicht die Machtfülle wie Magath, seine Situation (Zusammenarbeit Management/Präsidium/Trainer und das letzte Wort hatte dann der Trainer, gerade bei den Neuverpflichtungen) ist mit der Rangnicks jedoch zu vergleichen. Bleibt abzuwarten ob der "Hurrafußball" eines R. Rangnick nicht zu schnell verpuffen wird. Rehhagel hatte sich nicht abgenutzt und war überaus erfolgreich mit seinen Bremern.
jack potter 11.12.2008
5.
Zitat von weisswasdas modell hat bereits mindestens einen erfolgreichen vorgänger, der alle strukturmerkmale aufweist. die konzentration der verantwortung auf den trainer beim sc freiburg unter volker finke. er war chef-trainer, chef-manager und chef-sportdirektor. der erfolg dieses modells, sofern die protagonisten über ein überdurchschnittliches potential verfügen, spricht für sich. magath, ragnik und sicherlich noch ein paar andere trainer verfügen über diese potentiale, aber ein universell einsetzbares modell ist es sicherlich nicht. a. weil nicht genügend trainer dieses potential aufweisen, wie man es am nachfolger von volker finke in freiburg sehr schön exemplarisch nachvollziehen kann b. das modell selber widersprüche aufweist. je mehr druck diese "alleinherrscher" aufbauen, um ihre ziele durchzusetzen, desto mehr widerstand provozieren sie. das ist so lange kein problem wie der erfolg vorhanden ist. aber wird sofort zu einem "mörderischen" problem, sofern der erfolg ausbleibt. auch das konnte man sehr schön im fall von volker finke nachvollziehen.
Einspruch, Finke ist "erst" in seiner zweiten Saison mit Freiburg aufgestiegen. Robin Dutt ist gerade in seiner zweiten und bis jetzt auf einem guten Weg.....Ansonsten stimme ich ihnen zu.
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